
Airbus lässt Kratos-Drohne Valkyrie in Europa fliegen – Ziel ist die Kampfbereitschaft der Bundeswehr 2029
Airbus zufolge ist eine von Kratos gebaute Drohne vom Typ Valkyrie am 29. September über Nordeuropa geflogen; die Luftwaffe will bis 2029 kampfbereite Einheiten haben.
Erster Flug über Nordeuropa
Airbus gab am Montag, dem 12. Oktober, bekannt, dass die Kampfdrohne Valkyrie am 29. September über Nordeuropa ihren ersten Testflug in Europa absolviert habe. Das Fluggerät ist eine Entwicklung von Kratos Defense & Security Solutions, und der Test fand ohne das europäische Missionssystem statt, das Airbus dafür entwickelt. Nach Angaben des Unternehmens umfasste der Flug einen raketenunterstützten Start, der keine Startbahn benötigte, Manöver in mehreren Höhen, Geschwindigkeiten bis Mach 0,8 sowie Umkonfigurationen der Mission im Flug. Airbus erklärte, der Flug habe alle Ziele erfüllt. Airbus-Defence-and-Space-Chef Michael Schoellhorn sagte gegenüber Reuters, der Flug sei ein Erfolg gewesen:
Wir sind bis Mach 0,8 in verschiedenen Flughöhen und Fluglagen geflogen. Wir haben alles Mögliche ausprobiert und waren sehr beeindruckt, es war also ein voller Erfolg.
Regulatorische Hürden
Der Test soll zeigen, dass regulatorische Barrieren überwunden werden können, die frühere Versuche behindert hatten, militärische Drohnen in den komplexen europäischen Luftraum zu integrieren. 2013 stornierte Deutschland die von Northrop entwickelte Drohne Euro Hawk nach einem Streit über europäische Zulassungsregeln für die zivile Luftfahrt. Schoellhorn bezeichnete den Flug als Fortschritt bei den Genehmigungen, die das Projekt noch benötigt:
Vorerst ist es ein großer Schritt im Hinblick auf die Genehmigungen, die für dieses Projekt erforderlich sind.
Zeitplan bis 2029
Airbus und Kratos hatten 2025 eine Partnerschaft angekündigt, um die Luftwaffe bis 2029 mit Kampfdrohnen auszurüsten. Schoellhorn sagte, der nächste Testflug mit dem Airbus-Missionssystem MARS an Bord sei für das erste Quartal 2027 geplant. Der erste Flug im Verbund mit einem Eurofighter-Jet sei für später im Jahr 2027 vorgesehen. Der Tages-Anzeiger berichtet, die ersten Waffentests seien für 2028 geplant. Die geplanten Meilensteine sind unten aufgeführt.
- Airbus und Kratos kündigen eine Partnerschaft an, um die Luftwaffe bis 2029 mit Kampfdrohnen auszurüsten
- Erster Flug in Europa über Nordeuropa, ohne das europäische Missionssystem
- Airbus gibt den ersten europäischen Testflug bekannt
- Nächster Testflug mit dem Airbus-Missionssystem MARS geplant
- Erster Flug im Verbund mit einem Eurofighter-Jet angesetzt
- Erste Waffentests geplant, laut Tages-Anzeiger
- Ziel für Kampfbereitschaft und Lieferung an die Luftwaffe
Kosten und deutsche Anforderungen
Schoellhorn bezifferte die Kosten für eine Valkyrie auf rund 20 Millionen Euro (22,4 Millionen Dollar) und schätzte den gesamten deutschen Bedarf auf etwa 500 CCA. Die Luftwaffe klärt noch, was die Drohnen leisten sollen – ob sie etwa an der Seite von Kampfpiloten im Luft-Luft-Kampf, bei Luft-Boden-Angriffen oder in der elektronischen Kriegsführung fliegen würden. Schoellhorn sagte, er hoffe, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2027 klar sei, was Airbus liefern soll. Dem Tages-Anzeiger zufolge will die Bundeswehr Drohnen, die mindestens 1.000 Kilometer weit fliegen, rund 500 Kilogramm Waffen tragen und für feindliches Radar schwer zu entdecken sein sollen.
Technische Daten und Souveränitätsanspruch
Die Drohne ist 9,1 Meter lang, hat eine Spannweite von 8,2 Metern und ein maximales Startgewicht von etwa drei Tonnen; ihre Reichweite liegt bei über 5.000 Kilometern. Airbus zufolge nutzt sein MARS-System KI-basierte Software, um Missionen autonom zu fliegen und Gruppen von Flugzeugen zu koordinieren. Das Unternehmen erklärt, MARS gebe Deutschland und Europa die volle Kontrolle über Software, Missionsdaten und Hardware, was es als nationale Souveränität über den operativen Einsatz der Valkyrie darstellt. Airbus erklärt zudem, die Drohne werde eine Schlüsselrolle bei der Aufwertung bemannter Kampfjets wie dem Eurofighter spielen.
Wettbewerb und Rückschlag beim FCAS
Airbus trifft auf ein dichtes Feld, zu dem Boeing, Lockheed Martin, Northrop Grumman, General Atomics, Anduril Industries und Saab gehören. Der Tages-Anzeiger berichtet, Rheinmetall arbeite mit Boeing an der Kampfdrohne Ghost Bat. Airbus steht nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS unter Druck, und derselbe Bericht besagt, das Unternehmen erwäge eine Zusammenarbeit mit Saab oder der britisch-italienisch-japanischen Kampfjet-Allianz GCAP. Verteidigungsminister Boris Pistorius warnte im September, die Bedrohung durch Russland habe sich verschärft, heißt es in dem Bericht. Der nächste Testflug ist für das erste Quartal 2027 angesetzt.

