KI-generiert·Mehr erfahren
© NOS
Wirtschaft·vor 4 Std.

Reuters-Recherche: Tesla präsentierte europäischen Regulierungsbehörden irreführende Daten zu „Full Self-Driving“

Eine Untersuchung von Reuters enthüllt, dass Tesla den Regulierungsbehörden in den Niederlanden und Schweden selbst erstellte Sicherheitsstatistiken vorgelegt hat, die unabhängige Verkehrssicherheitsforscher als irreführendes Marketing bezeichnen. Der Autobauer drängt damit auf eine breitere europäische Zulassung seines Fahrerassistenzsystems.

Die fraglichen Daten

Tesla behauptet, sein „Full Self-Driving“-System sei bis zu zehnmal sicherer als ein menschlicher Fahrer. In einer Präsentation für europäische Behörden gab das Unternehmen an, Fahrzeuge mit FSD legten zwischen Unfällen siebenmal weitere Strecken zurück als der durchschnittliche US-Fahrer. Eine Präsentation legte sogar nahe, dass der Ersatz aller amerikanischen Fahrzeuge durch einen mit FSD ausgestatteten Tesla jährlich 32.000 Verkehrstote verhindern würde.

Wir sind definitiv besorgt darüber, dass Tesla den Regulierungsbehörden in Schweden unzuverlässige Sicherheitsdaten aus den Vereinigten Staaten vorgelegt hat.

Forscher erklärten gegenüber Reuters, die Zahlen beruhten auf unzulässigen Vergleichen: Bei Tesla würden nur Unfälle gezählt, die so schwer seien, dass ein Airbag auslöse, während bei den nationalen Vergleichszahlen alle Unfälle inklusive Bagatellschäden einfließen.

Zulassung in den Niederlanden

Tesla trat erstmals Ende 2024 an die niederländische Verkehrsbehörde RDW heran. In einem Schreiben vom November 2024 verwies das Unternehmen auf seinen eigenen Sicherheitsbericht und behauptete, eine verstärkte FSD-Nutzung „führe zu sichereren Straßen“. Nach über einem Jahr der Prüfung genehmigte die RDW im April 2026 den Einsatz von FSD in den Niederlanden, womit das Land als erstes in der EU diesen Schritt vollzog. Die Behörde strebt nun im Namen von Tesla eine EU-weite Zulassung an.

Teslas Vorstoß zur FSD-Zulassung in Europa
  1. Tesla kontaktiert RDW, um den FSD-Zulassungsprozess zu beginnen
  2. Tesla sendet Schreiben mit Sicherheitsbericht an RDW und behauptet sicherere Straßen
  3. RDW genehmigt FSD für den Einsatz in den Niederlanden
  4. Tesla-Policy-Manager kontaktiert schwedische Behörden mit Präsentationsunterlagen
  5. Reuters veröffentlicht Untersuchung zu irreführenden Statistiken

Vorstoß in Schweden und Sorge bei Aufsichtsbehörden

Kurz nach der niederländischen Entscheidung schrieb Tesla-Policy-Manager Ivan Komusanac an die schwedischen Regulierungsbehörden, um eine ähnliche Zulassung zu beantragen, und fügte die Sicherheitsbehauptungen bei. Der Europäische Verkehrssicherheitsrat erklärte, die Zahlen seien in einem regulatorischen Prozess präsentiert worden, in dem Beamte abwägen müssten, ob das System sicher genug für einen breiteren Einsatz sei.

Was die Vergleiche außer Acht ließen

Forscher identifizierten zwei wesentliche Verzerrungen. Erstens zählen Teslas eigene Zahlen nur Unfälle, bei denen ein Airbag ausgelöst wurde, während die US-Unfalldaten, mit denen verglichen wird, jeden gemeldeten Vorfall von Parkremplern an aufwärts beinhalten. Zweitens ist ein Tesla mit FSD ein Neuwagen, während die US-Fahrzeugflotte im Durchschnitt 13 Jahre alt ist – neuere Autos verfügen bereits über Sicherheitsfunktionen, die Unfallraten senken, was den direkten Vergleich für Tesla schmeichelhaft aussehen lässt.

Behauptete Unfallraten pro Million Meilen · Unfälle pro Million Meilen
Tesla FSD (Unternehmensbehauptung)
0.182 Unfälle pro Million Meilen
US-Durchschnitt aller Fahrzeuge
1.515 Unfälle pro Million Meilen
Die hypothetische Zahl von 32.000 geretteten Leben geht schlicht davon aus, dass jedes US-Fahrzeug durch einen FSD-Tesla ersetzt wird, der siebenmal sicherer ist – eine Berechnung, die ein Experte als „weniger eine Messung als eine Hypothese“ bezeichnete.

Breitere Zweifel an FSD

Europäische Beamte hatten bereits Bedenken hinsichtlich des Verhaltens von FSD auf vereisten Straßen, der Neigung zur Geschwindigkeitsüberschreitung und der Ablenkung des Fahrers geäußert. Niederländische Regulierungsbehörden haben infrage gestellt, ob der Name „Full Self-Driving“ (vollständiges autonomes Fahren) zu viel für ein System verspricht, das weiterhin die Überwachung durch einen Menschen erfordert. Unterdessen beklagen einige Tesla-Besitzer in den Niederlanden, dass die Funktion bei älteren Fahrzeugen nicht funktioniere. Die RDW erklärt, sie verlasse sich nicht auf Marketingbehauptungen oder externe Statistiken, sondern führe eigene Tests, Analysen und Verifizierungen durch. Tesla reagierte nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme.

Zoetermeer · Borlänge · Austin

5 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft