
Trumps russischer Diesel-Deal gerät in die Kritik – Tanker bringt Dünger statt Treibstoff
Der Tanker Minerva Zen erreichte am Morgen des 12. Oktober einen US-Hafen und hatte statt des im Deal zugesagten russischen Diesels eine Harnstoff-Ammoniumnitrat-Lösung geladen. Sechs Senatoren erklären, der Import verstoße gegen ein Gesetz von 2022, während Russlands Energieminister sagte, die Exporte könnten bis Jahresende auf 3 bis 3,5 Millionen Tonnen pro Monat wiederaufgenommen werden.
Der Deal und die Reaktion des Kremls
Trump hatte am Freitag, dem 9. Oktober, mitgeteilt, er habe telefonisch mit Wladimir Putin vereinbart, dass Russland sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel an die amerikanischen und die Weltmärkte liefern werde, weitere 500.000 Tonnen im November und 1 Million Tonnen später. Moskau bestätigte die Vereinbarung. Am Montag, dem 12. Oktober, sagte Energieminister und Vizepremier Alexander Nowak dem russischen Fernsehsender Rossija 24, Russland könne die Dieselausfuhren bis Jahresende mit 3 bis 3,5 Millionen Tonnen pro Monat wiederaufnehmen, was nach seinen Worten den normalen Exportmengen entspricht. Nowak sagte zudem, Russland habe in diesem Jahr Energie im Wert von 21,3 Milliarden Dollar an die Europäische Union geliefert und die Lieferungen in von Sanktionen ausgenommenen Bereichen würden fortgesetzt.
Trump verteidigte die Entscheidung am Montag. In einem Beitrag auf Truth Social schrieb er, die Europäische Union habe 250 Milliarden Dollar für Energie an Russland gezahlt, und die Fake-News-Medien würden darüber nicht berichten. Finanzminister Scott Bessent sagte am Sonntag bei Fox News, die Europäer hätten Russland mehr Geld gegeben als der Ukraine und ihre Energiepolitik sei gescheitert.
Senatoren und das Sanktionsgesetz
Sechs Senatoren, darunter drei Republikaner, erklärten, die Entscheidung verstoße direkt gegen das Gesetz. Sie verwiesen auf eine Regelung, die der Kongress 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine verabschiedet hatte und die Einfuhren russischer Energieressourcen verbietet. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es von den Senatoren, darunter die Demokratin Jeanne Shaheen und der Republikaner Thom Tillis, die Vereinigten Staaten könnten kein russisches Öl einführen, solange Moskau seine Aggression gegen die Ukraine nicht beende und aufhöre, NATO-Verbündete zu bedrohen. Auf die Kritik angesprochen, sagte Bessent bei Fox News, die Regierung wolle mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln handeln, und wer im Kongress behaupte, die Maßnahme sei verboten, irre sich. Business Insider berichtete, eine vorübergehende Genehmigung des Finanzministeriums habe diese Lieferung von den Sanktionen ausgenommen. Im September hatte Trump ein Gesetz unterzeichnet, das nach dem verstorbenen republikanischen Senator Lindsey Graham benannt ist und ihn verpflichtet, Zölle auf die größten Importeure von russischem Öl und Gas zu verhängen.
Der Tanker, der Dünger geladen hatte
Die Minerva Zen verließ St. Petersburg am 11. September, wie aus von Business Insider zitierten AIS-Daten hervorgeht, und erreichte am Morgen des 12. Oktober den US-Hafen Wilmington. Die Vortexa-Analystin Michelle Wiese Bockmann hatte auf X gepostet, das Schiff nähere sich und werde innerhalb von 48 bis 72 Stunden eintreffen. Das Schiff kam an, doch seine Ladung war eine Harnstoff-Ammoniumnitrat-Lösung, kein Diesel. Bockmann bestätigte später, dass es sich bei der Lieferung um Dünger handelte, und sagte, es gebe keine großen Mengen russischen Diesels zum Verkauf, sodass die Exporte die weltweite Knappheit kaum lindern oder die US-Inlandspreise deutlich bewegen dürften. Business Insider wies darauf hin, dass russische Düngemitteleinfuhren in die USA nicht von einem Verbot erfasst sind. Kritiker warfen Trump eine Hinterzimmerabsprache mit Moskau vor, weil der Tanker auslief, bevor das Finanzministerium seine Ausnahmegenehmigung erteilte.
- Öllieferungen über die Druschba-Pipeline nach Infrastrukturschäden in der Ukraine unterbrochen, bis 23. April 2026
- Minerva Zen verlässt St. Petersburg, bevor das US-Finanzministerium seine vorübergehende Sanktionsausnahme erteilt
- Trump kündigt eine Vereinbarung mit Putin über Dieselieferungen an
- Minerva Zen erreicht einen US-Hafen mit Dünger statt Diesel
- Nachwahlen zum Kongress
Kraftstoffpreise und die Nachwahlen
Trump hat die Kraftstoffpreise vor den Nachwahlen zum Kongress am 3. November in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gestellt und argumentiert, Benzin werde bald wieder das Vorkriegsniveau erreichen. AAA gab den Durchschnittspreis für Normalbenzin mit 4,36 Dollar je Gallone an, gegenüber 3,09 Dollar ein Jahr zuvor, und Diesel erreichte Anfang Oktober 6,28 Dollar je Gallone. Brent-Rohöl fiel auf etwa 103 Dollar je Barrel, lag aber laut Business Insider weiterhin mehr als 40 % über dem Stand vor dem Krieg mit dem Iran. Der Telegraph errechnete, dass die ersten 300.000 Tonnen, etwa 2,2 Millionen Barrel, nur etwas mehr als die Hälfte des täglichen US-Destillatbedarfs ausmachten. Von wnp.pl zitierte Analysten erklärten, die Mengen könnten nur wenige Tage des US-Ölbedarfs decken.
- Ein Jahr zuvor
- 3.09 $/gal
- Stand 12. Oktober 2026
- 4.36 $/gal
Europa, die Ukraine und die Handelsdaten
Oppositionsdemokraten in den Vereinigten Staaten sowie Vertreter von EU- und NATO-Mitgliedstaaten kritisierten die Ankündigung. Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Lockerung der Sanktionen als absolut schrecklichen Schritt und bezeichnete sie als Geburtstagsgeschenk für Putin, das Milliarden zusätzlich zur Finanzierung des Krieges bringe. Axios berichtete unter Berufung auf einen US-Vertreter, Trump habe den Deal geschlossen, weil die Ukraine US-Bitten ignoriert habe, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen – laut dem Bericht seien es sechs gewesen. Selenskyj sagte, er unterstütze den Schutz der Energieinfrastruktur, sei aber nicht im Voraus über die von Trump auf Truth Social angekündigte „Energie-Waffenruhe“ informiert worden, und Kiew hat diese Vereinbarung nicht bestätigt.
Das Centre for Research on Energy and Clean Air schätzte, dass die EU-Staaten seit dem groß angelegten Einmarsch etwa 238 Milliarden Euro (265,5 Milliarden Dollar) für russische Energieprodukte ausgegeben haben. Nach dem EU-Embargo für russisches Öl auf dem Seeweg sanken die Ausgaben ab 2023 auf 85 Milliarden Dollar, und Ungarn, die Slowakei und Frankreich zählen nun zu den größten Importeuren. Die Lieferungen russischen Öls über die Druschba-Pipeline wurden vom 27. Januar bis zum 23. April 2026 unterbrochen, nachdem Infrastruktur in der Ukraine beschädigt worden war, und eine Ausnahmeregelung erlaubt der Slowakei und Ungarn weiterhin, Öl unter bestimmten Bedingungen einzuführen.
