KI-generiert·Mehr erfahren
© stern.de
Regierung·vor 2 Std.

Taliban verbieten Smartphones für Regierungsangestellte – Befürchtungen eines umfassenden Internet-Banns wachsen

Die Taliban haben allen Regierungsangestellten die Nutzung von Smartphones untersagt. Bei Verstößen drohen die Zerstörung des Geräts, Entlassung und bis zu sechs Monate Haft. Die Regierung verschärft damit ihre Bemühungen, Afghanistan vom globalen Internet abzuschneiden.

Das Verbot und sein Umfang

Eine Anweisung des Taliban-Oberführers Hibatullah Akhundzada, die vergangene Woche verbreitet wurde und am 17. Juni in Kraft tritt, verbietet sämtlichem Regierungspersonal – zivil wie militärisch, unabhängig vom Rang – die Nutzung von Smartphones. Die Anordnung, die dem Obersten Gericht zugeschrieben, aber nie offiziell veröffentlicht wurde, besagt, dass nur Akhundzada schriftliche Ausnahmen gewähren kann. Beamte in den Provinzen Ghazni und Badakhshan bestätigten, dass das Verbot am Mittwoch den Abteilungsleitern vorgelesen wurde.

Wenn jemand eines benutzt, wird sein Mobiltelefon zerstört und der Täter einer rechtlichen und schariarechtlichen Bestrafung zugeführt.

Anordnung des Islamischen Emirats

Trotz des Verbots veröffentlichten mehrere staatliche Stellen am Mittwochnachmittag weiterhin Beiträge auf WhatsApp, wie die AFP berichtete. Die Nutzung von Smartphones ist in afghanischen Städten, auch in der öffentlichen Verwaltung, nach wie vor weit verbreitet.

Strafen und Durchsetzung

Die Konsequenzen bei Verstößen variieren je nach Quelle, umfassen aber die sofortige Entlassung, Strafverfolgung und Haftstrafen von bis zu sechs Monaten. Der Guardian sah ein Video, das einen Taliban-Beamten zeigt, der das Verbot von seinem Telefon verliest, während eine andere Person Geräte zertrümmert. Die Umsetzung erfolgt ad hoc: In einigen Gebieten sind nur Regierungsangestellte betroffen, während das Verbot in anderen Berichten zufolge auf Frauen, Zivilisten, medizinisches Personal, Lehrer und Studenten ausgeweitet wurde.

Vieles geschieht auf lokaler Ebene, aufgrund von Entscheidungen lokaler Akteure. Aber es könnte auch ein Vorspiel für ein pauschales Verbot sein, und sie testen nur das Terrain.

Afghanistan-Analyst

Weiterer Kontext

Dies ist der jüngste Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, um Afghanistan vom Internet zu isolieren. Im September verhängten die Behörden eine zweitägige landesweite Internet-Sperre, offiziell zur „Verhinderung von Unsittlichkeit“ im Zusammenhang mit Pornografie. Die Sperre legte Handel, Bankwesen und Notdienste lahm und führte nach internem Widerstand zu einer schnellen Rücknahme. Der Analyst sagte dem Guardian, die Taliban-Führung habe erkannt, dass sie „das nicht wirklich zu Ende gedacht“ habe.

Dem Smartphone-Verbot gingen auch Straßenproteste in Herat voraus, nachdem Frauen und Mädchen wegen „unangemessenen Hidschabs“ festgenommen worden waren; Taliban-Kräfte sollen in die Menge geschossen haben, wobei mindestens eine Person getötet wurde. Das Regime hat die Beschränkungen seit seiner Rückkehr an die Macht im August 2021 stetig verschärft, insbesondere gegen Frauen und Mädchen.

Kabul · Herat

7 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft