Deutschland entzieht syrischen Flüchtlingen zunehmend den Schutzstatus – 23,2 % der Überprüfungen im ersten Halbjahr 2026
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entzieht immer mehr Syrern den Schutzstatus. Nach dem Sturz von Assad endeten 23,2 % der Überprüfungen im ersten Halbjahr 2026 mit dem Entzug – verglichen mit 3,7 % im Jahr 2025.
Steigende Entzugsquote
Im ersten Halbjahr 2026 endeten 23,2 Prozent von 8.320 Überprüfungen des Schutzstatus von Syrern mit dem Entzug oder der Rücknahme durch das BAMF, wie aus Daten einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Die Vergleichswerte lagen 2025 bei 3,7 Prozent und 2024 bei 3,1 Prozent. In den meisten Fällen wurde die Flüchtlingseigenschaft oder der subsidiäre Schutz aberkannt. Ein Entzug erfolgt, wenn die Voraussetzungen für den Schutz später entfallen sind, typischerweise weil sich die Lage im Herkunftsland grundlegend geändert hat. Eine Rücknahme kommt dagegen dann in Betracht, wenn jemand im Asylverfahren falsche Angaben zu Herkunft oder Fluchtgründen gemacht hat.
- 2024
- 3.1 %
- 2025
- 3.7 %
- H1 2026
- 23.2 %
Auslöser: Assads Sturz und die politische Reaktion
Nachdem eine islamistisch geführte Rebellenallianz auf Damaskus vorgerückt war, verließ Präsident Baschar al-Assad im Dezember 2024 Syrien. Hunderttausende syrische Flüchtlinge kehrten daraufhin in ihre Heimat zurück, insbesondere aus der Türkei, dem Libanon und Jordanien. Die Bundesregierung sieht nun verbesserte Lebensbedingungen in Syrien. Das BAMF hatte nach dem Machtwechsel alle Entscheidungen über syrische Asylanträge vorübergehend ausgesetzt und nur Fälle bearbeitet, die Überstellungen in andere EU-Staaten nach der Dublin-Verordnung betrafen. Mitte Juni 2026 begann das BAMF nach Angaben der Bundesregierung schrittweise damit, den Entzug auf breitere Personengruppen auszuweiten. Dazu gehören Personen, deren Asylverfahren länger als 21 Monate gedauert haben, sowie jene, die nicht als besonders schutzbedürftig gelten und vermutlich in Syrien für sich sorgen können oder über familiäre oder soziale Netzwerke verfügen.
- Assad verlässt Syrien nach Rebellenvorstoß auf Damaskus
- BAMF setzt alle Entscheidungen zu syrischen Asylanträgen aus, außer Dublin-Überstellungen
- BAMF beginnt, den Entzug auf breitere Gruppen auszuweiten
- 23,2 % von 8.320 Überprüfungen enden mit Entzug; 3 Abschiebungen nach Syrien
Neue Anträge stark gesunken
Die Zahl der Syrer, die in Deutschland Schutz suchen, ist seit Assads Flucht deutlich zurückgegangen. Von 2013 bis Mitte 2026 stellten insgesamt 978.761 Menschen aus Syrien erstmalige Asylanträge in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2026 wurden nur etwa 5.000 Anträge registriert. Während während der Bürgerkriegsjahre fast alle Asylanträge bewilligt wurden, lag die Ablehnungsquote im ersten Halbjahr 2026 bei 68,6 Prozent, so die Bundesregierung. Viele Syrer in Deutschland arbeiten in Mangelberufen, die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet dabei besondere Schwerpunkte im Einzelhandel und in Zeitarbeitsfirmen.
Abschiebungen bleiben selten
Selbst wenn der Schutzstatus entzogen wird, sind Abschiebungen nach Syrien kurzfristig unwahrscheinlich. Rückführungen erfordern die Zusammenarbeit der syrischen Übergangsregierung und ihrer Behörden, die bisher kaum zustande gekommen ist. Im vergangenen Jahr wurde ein Syrer in sein Herkunftsland abgeschoben, die erste derartige Abschiebung seit Beginn des Bürgerkriegs. In den ersten sechs Monaten 2026 fanden drei Abschiebungen nach Syrien statt. Die Bundesregierung und die Länder haben ein starkes Interesse an Abschiebungen, insbesondere bei verurteilten Straftätern.
Opposition fordert dauerhaften Schutz
Clara Bünger, migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, kritisierte das Vorgehen. Sie bezeichnete die Lage in Syrien als extrem instabil, viele Gruppen würden bedroht, verfolgt und vertrieben. Sie hält eine Rückkehr unter diesen Bedingungen für unzumutbar und weist darauf hin, dass die Entzugsverfahren für die Betroffenen hoch belastend seien, gleichzeitig aber auch einen erheblichen Verwaltungsaufwand für Behörden und Gerichte verursachen. Sie rief die Bundesregierung auf, dauerhafte Schutz- und Bleiberechtsmöglichkeiten für die seit langem in Deutschland lebenden Syrer zu finden.
Die Lage in Syrien ist extrem instabil, viele Gruppen werden bedroht, verfolgt und vertrieben.


