Punk-Protestcamp auf Sylt endet nach vier Wochen – Organisatoren planen Rückkehr 2027
Das fünfte Punk-Protestcamp in Folge auf der Nordseeinsel Sylt endete am Sonntag nach vier Wochen offiziell. Die Organisatoren planen bereits eine Rückkehr im Jahr 2027.
Vier Wochen „Normalize Revolution“
Das Punk-Protestcamp auf der Nordseeinsel Sylt endete am Sonntag, den 16. August, nach rund vier Wochen offiziell. Organisiert von der Gruppe „Aktion Sylt“ unter dem Motto „Normalize Revolution“, beherbergte das Camp auf der sogenannten Festwiese in Tinnum nahe des Flughafens der Insel Teilnehmer aus ganz Deutschland, die den Kapitalismus kritisierten und mehr Solidarität forderten. Es war der fünfte Punk-Sommer in Folge auf der Insel.
Das Camp wurde am 20. Juli eröffnet. Nach Angaben der Organisatoren hielten sich zu Spitzenzeiten bis zu 300 Personen in mehr als 200 Zelten auf, die Polizei bezifferte die Zahl jedoch auf bis zu 150. Am letzten Wochenende standen noch rund 80 Zelte auf dem Feld. Die Veranstaltung umfasste tägliche Kundgebungen am Mittag, Konzerte und Demonstrationen gegen soziale Ungleichheit und die Gentrifizierung der Insel.
- Camp wird auf der Festwiese in Tinnum unter dem Motto 'Normalize Revolution' eröffnet
- Unbekannte lassen die Luft aus den Reifen von etwa 50 SUVs auf Sylt
- Aktion Sylt zieht 'insgesamt sehr positive' Zwischenbilanz
- 60 Menschen nehmen an Klimademonstration in Westerland teil
- Camp endet offiziell; Abbau der großen Zelte beginnt
- Frist für vollständige Räumung und Reinigung der Festwiese
- Spitzen-Camper (Organisatoren)
- 300 Personen
- Spitzen-Camper (Polizei)
- 150 Personen
- Radical Pride Demo
- 100 Personen
- Klimademo (Samstag)
- 60 Personen
Rechtsstreit und Auflagen
Bevor das Camp begann, versuchte der Kreis Nordfriesland, es gerichtlich zu verhindern, scheiterte jedoch mehrfach vor dem Verwaltungsgericht. Das Camp durfte daraufhin unter Auflagen stattfinden, darunter eine Obergrenze von 300 Campern, die Einhaltung der Mittags- und Nachtruhe, ordnungsgemäße Abfallentsorgung, selbst organisierte Versorgung mit Lebensmitteln, Strom und Wasser sowie die Bereitstellung von Toiletten und Erster Hilfe. Schilder, Plakate und Transparente, deren Inhalt gegen Strafvorschriften oder die freiheitlich demokratische Grundordnung verstieß, waren verboten.
Der Kreis zog eine positive Bilanz. Ein Sprecher sagte, es habe nur wenige Beschwerden über Lärm gegeben, woraufhin die Organisatoren an ihre Pflicht zur Einhaltung der Ruhezeiten erinnert wurden und dieser nachkamen. Besondere Vorfälle während der Protestmärsche durch die Straßen wurden nicht gemeldet.
Höhepunkte und Vorfälle
Organisator Netto, aus der Nähe von Mannheim und Teil des rund 50-köpfigen Organisationsteams, sagte der dpa, er sei mit dem Verlauf der Demonstrationen und der Zusammenarbeit zufrieden. Neu in diesem Jahr war ein Küchenteam, das täglich frische Mahlzeiten für alle zubereitete, finanziert durch Spenden. Die „Radical Pride-Demo“ mit mehreren Kundgebungen zog rund 100 Teilnehmer an. Ein Teilnehmer mit einem mobilen Pizzaofen bereitete vegane Pizza für das Camp zu. Auch die Sonnenfinsternis und die Sternschnuppennächte auf der Urlaubsinsel waren unvergesslich.
Ich bin sehr zufrieden, die Demos und die Zusammenarbeit haben sehr gut geklappt, das Camp lebt von der Eigenverantwortung der Teilnehmer, zum Beispiel bei der Müllentsorgung.
Allerdings wurden nachts immer wieder Feuerwerkskörper in das Camp geworfen, und Teilnehmer wurden in Westerland angegriffen und verletzt. Alle Vorfälle wurden der Polizei gemeldet. Anfang August ließen Unbekannte die Luft aus den Reifen von etwa 50 SUVs. Die Polizei äußerte sich nicht zu einem möglichen Zusammenhang mit der Protestaktion.
Ruhiger als in den Vorjahren
Die Polizei bewertete das Camp als ruhiger als in den Vorjahren. Abgesehen von vereinzelten Lärmbelästigungen und Streitigkeiten innerhalb des Camps und mit Dritten gab es keine Vorfälle. Die Polizei stellte fest, dass das Camp politischer war als zuvor. In diesem Jahr wurden keine Vorfälle im Zusammenhang mit Drogen oder Alkohol gemeldet.
Sterni, ein Teilnehmer aus Südbrandenburg, sagte der dpa, er werde bei der Abreise mehr Tränen vergießen als sonst. Er lobte die Zusammenarbeit mit der Sylter Polizei und sagte, er werde die freundlichen Beamten vermissen. Die Planung für 2027 soll im November oder Dezember beginnen.
Viele freuen sich darauf, wieder zu Hause zu sein, aber auf dem Sylter Damm wird es sicherlich die eine oder andere Träne geben. Ich werde in diesem Jahr mehr Tränen vergießen als sonst.
Abbau und Abreise
Der Abbau erfolgt nach einem strengen Zeitplan. Am Sonntag sollten alle Planen und größeren Zelte, darunter das Küchenzelt, das Infozelt und die Duschen, abgebaut und zu einem Lager auf dem Festland transportiert werden. Am Montag sollte ein Transporter den Sperrmüll abholen. Bis Mittwoch, den 19. August, muss das Feld vollständig geräumt und gereinigt sein. Einige Teilnehmer planten, bis zur Frist auf der Insel zu bleiben.


