Kyjiw unter fast täglichen russischen Angriffen – Telegraph: Putin holt General Surowikin zurück
Kyjiw steht seit mehr als einem Monat unter nahezu ununterbrochenen russischen Luftangriffen. Der Telegraph argumentiert, Wladimir Putin habe General Sergei Surowikin zurückgeholt, um in diesem Winter die Infrastruktur und Brücken der Hauptstadt zu treffen.
Nahezu ununterbrochene Angriffe auf die Hauptstadt
Kyjiw steht seit mehr als einem Monat unter nahezu ununterbrochenen russischen Luftangriffen, und der ukrainischsprachige Bericht der BBC merkt an, dass westliche Medien etwa ebenso lange versuchen zu erklären, warum. Eine Erklärung lautet, dass die russischen Streitkräfte seit mehreren Monaten mit ernsten Problemen im Donbas zu kämpfen haben, weshalb Putin beschlossen habe, über die ukrainische Hauptstadt auf die Frontlinie einzuwirken. Onet berichtet, dass allein am Dienstag 18 Luftalarme in Kyjiw ausgelöst wurden. Russische Raketen und Drohnen schlagen tief in die Stadt ein, beschädigen zivile Infrastruktur und treffen die Nationale Akademie der Wissenschaften.
Ein Test der Ausdauer der Zivilbevölkerung
Hamish de Bretton-Gordon, ein ehemaliger Armeeoberst, der für den Telegraph schreibt, argumentiert, Putin wolle den Krieg auf ein Terrain verlagern, auf dem er sich im Vorteil glaubt, nämlich die Ausdauer der ukrainischen Zivilbevölkerung. Er schreibt, Putin zahle einen hohen Preis für sehr begrenzte territoriale Gewinne und habe zu wenige Soldaten, wobei die Anwerbung von Vertragssoldaten schwieriger werde. Onet ergänzt, dass die ukrainischen Streitkräfte Angriffe bei Pokrowsk und Lyman abwehren. Präsident Wolodymyr Selenskyj behauptet, Russland habe in einer einzigen Woche mehr als 10.000 Soldaten verloren, und der Autor merkt an, dass diese konkrete Zahl bestätigt werden könne oder auch nicht.
Der Kolumnist erklärt zudem, warum Putin nicht einfach eine neue Mobilmachung ausgerufen hat. Moskau verstehe, dass eine weitere große Mobilmachung, die potenziell Hunderttausende Russen erreichen könnte, einen politischen Sturm auslösen könnte, weshalb der Diktator zuerst eine radikale Veränderung auf dem Schlachtfeld brauche. Er schließt:
Wenn Russland die ukrainische Armee nicht besiegen kann, wird es in diesem Winter versuchen, das ukrainische Volk und die ukrainische Nation zu brechen.
Surowikins Bilanz und seine gemeldete Rückkehr
Der Telegraph schreibt, Putin habe erneut General Sergei Surowikin ernannt, bekannt als „General Armageddon“, dessen Truppen die syrische Stadt Aleppo dem Erdboden gleichmachten und Tausende Zivilisten töteten. Wnp berichtet, Surowikin habe die russischen Operationen in Syrien geleitet und von Oktober 2022 bis Januar 2023 die russischen Truppen in der Ukraine – ein Zeitraum, in dem Russland massiven Raketenangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur startete. Im Sommer 2023 verlor er seinen Posten nach dem Wagner-Aufstand unter Führung von Jewgeni Prigoschin, und gemeldete Kontakte westlicher Medien zu Prigoschin wurden nicht öffentlich bestätigt. Das russische Portal Wojennoje Delo berichtete am Mittwoch, er habe eine Mission in Algerien abgeschlossen und sei nach Moskau zurückgekehrt. Der pensionierte Oberst und Militärkommentator Wiktor Baranez sagte, er könnte in den Raum Krasny Liman oder Slowjansk geschickt werden.
- Surowikin befehligt die russischen Streitkräfte in der Ukraine, ein Zeitraum, der bis Januar 2023 reicht
- Ende des Zeitraums, in dem Surowikin die russischen Truppen in der Ukraine befehligte
- Surowikin verliert seinen Posten nach dem Wagner-Aufstand unter Führung von Jewgeni Prigoschin
- Wojennoje Delo berichtet, Surowikin habe eine Mission in Algerien abgeschlossen und sei nach Moskau zurückgekehrt
Der Militäranalyst Maciej Korowaj stellte die Behauptung des Telegraph auf X infrage. Er merkte an, dass es keine offiziellen russischen Informationen gebe, die Surowikins Rückkehr auf einen Kommandoposten in der Ukraine oder seine Rolle bei Angriffen auf Kyjiw bestätigten, und dass ähnliche Berichte über seine Rückkehr 2024 und 2026 erschienen seien.
Ziele und die Lücke in der Luftverteidigung
Der Telegraph nennt sieben Brücken über den Dnipro als mögliche Ziele und argumentiert, ihre Zerstörung könnte die Kommunikation in der Nordukraine lähmen. Il Messaggero berichtet, das Ziel sei, die ukrainische Hauptstadt im Winter zu lähmen und die Verbindungen zwischen den beiden Ufern des Flusses zu kappen. Die Zeitung verweist zudem auf Munitionsengpässe bei der ukrainischen Luftverteidigung, einschließlich Patriot-Raketen, und fordert mehr Raketen, Radare, Drohnen und Systeme der elektronischen Kriegsführung. Sie regt ferner an, NATO-Luftstreitkräfte zum Schutz ukrainischer Zivilisten und Infrastruktur in Betracht zu ziehen. Laut dem Telegraph wettet Putin darauf, dass Russland die Kosten des Krieges länger tragen kann, als der Westen die Ukraine weiter unterstützen wird.


