
Verdächtiger des Massakers von Stade begeht in Haft Suizid, CDU fordert Antworten von Justizministerin
Der 45-jährige Verdächtige des Massakers von Stade, bei dem sechs Menschen getötet wurden, wurde am Dienstagmorgen tot in seiner Zelle im Gefängnis Bremervörde aufgefunden. Die CDU-Opposition wirft der niedersächsischen Justizministerin schwerwiegende Versäumnisse vor und sagt, der Mann hätte ständig überwacht werden müssen.
Entdeckung in der Zelle
Am Dienstagmorgen fand ein Gefängnisbeamter der JVA Bremervörde den 45-jährigen Verdächtigen gegen 06:05 Uhr bei einer Routinekontrolle leblos in seiner Einzelzelle. Er hatte bereits keine Körpertemperatur mehr, teilte das Ministerium mit. Ein Arzt stellte um 06:29 Uhr den Tod durch Strangulation fest. Das niedersächsische Justizministerium erklärte, es gebe keine Hinweise auf eine Beteiligung Dritter. Laut Der Spiegel hatte der Mann ein Kleidungsstück benutzt, um sich zu erhängen, und es werde untersucht, ob die Zelle videoüberwacht war. Das Magazin berichtete zudem, der Verdächtige habe nach seiner Festnahme gesagt, er habe sich erschießen wollen, aber keine Munition gehabt.
Das Massaker von Stade
Der Verdächtige wurde beschuldigt, Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen getötet zu haben. Drei der Opfer arbeiteten in der Jugendhilfeeinrichtung, drei waren Mitarbeiter des Jugendamts der Region Hannover. Die Schießerei ereignete sich während einer Hilfeplankonferenz, und der Hintergrund war ein Sorgerechtsstreit um seine drei Monate alte Tochter, die mit ihrer 34-jährigen Mutter in der Einrichtung untergebracht war. Der Mann wurde kurz nach der Tat auf der Flucht festgenommen und befand sich seither in Untersuchungshaft. Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus und entfachte eine Debatte über die Sicherheit von Sozialarbeitern.
Politische Folgen
Die CDU-Opposition in Niedersachsen kritisierte Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) scharf. Die parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann sprach von einer „Reihe schwerwiegender Versäumnisse und Unterlassungen“ im Justizministerium.
Die Justizministerin muss nun vollständig offenlegen, wann Hinweise auf eine mögliche Selbstgefährdung vorlagen, wie sie bewertet wurden, welche Schutzmaßnahmen angeordnet wurden und ob diese tatsächlich eingehalten wurden.
Hermann sagte zudem, der Verdächtige als akut suizidaler Häftling hätte rund um die Uhr überwacht werden müssen. Sie forderte Ministerpräsident Olaf Lies zum Eingreifen auf und warnte, dass die Probleme seiner Justizministerin sonst zu seinen eigenen würden. Die CDU verwies auf frühere Vorfälle, darunter die vorübergehende Flucht eines verurteilten Mörders aus dem Gefängnis, und stellte fest, dass wichtige Führungspositionen im Ministerium weiterhin unbesetzt seien. Hermann fügte hinzu, der Suizid habe den Angehörigen der Opfer die Möglichkeit eines vollständigen Strafprozesses genommen.
## Ermittlungsstand Das Strafverfahren gegen den verstorbenen Verdächtigen wurde eingestellt, da das deutsche Gesetz keine Ermittlungen gegen Verstorbene zulässt. Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt jedoch weiter gegen den Fahrer des Fluchtwagens und die Mutter des Kindes. Auch diese Verfahren werden eingestellt, wenn festgestellt wird, dass der Mann allein gehandelt hat. Die Untersuchung der Umstände des Suizids läuft noch.
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