
YouTuber Stuu nach Polen ausgeliefert, im Fall Pandora Gate drohen bis zu 12 Jahre Haft
Stuart K.-B., bekannt als Stuu, wurde am 13. August aus Großbritannien nach Warschau geflogen und in Untersuchungshaft genommen. Die Anklageerhebung im Fall Pandora Gate wird für nächste Woche erwartet.
Auslieferung abgeschlossen
Stuart K.-B., ein 34-jähriger YouTuber, bekannt als "Stuu", wurde am Donnerstagabend, dem 13. August, aus dem Vereinigten Königreich nach Polen ausgeliefert. Er landete mit einem Linienflug am Flughafen Warschau und wurde anschließend in einem Warschauer Untersuchungsgefängnis untergebracht. Die Auslieferung schloss ein Verfahren ab, das im Oktober 2023 begann, als K.-B. aufgrund eines polnischen Haftbefehls in Großbritannien festgenommen wurde. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Piotr Antoni Skiba, bestätigte die Überstellung am Freitag, dem 14. August, und erklärte, dass die Verfahrenshandlungen in der folgenden Woche beginnen würden. Die Warschauer Polizei teilte mit, dass K.-B. von Beamten der Überstellungsabteilung des Polizeihauptquartiers nach Polen gebracht wurde, an der auch Hauptstadtbeamte beteiligt waren.
Innenminister Marcin Kierwiński veröffentlichte in den sozialen Medien ein Video, das den YouTuber zeigt, wie er von Polizeibeamten zu einem Streifenwagen geführt wird, und schrieb, dass der 34-jährige Verdächtige von der polnischen Polizei nach Polen gebracht und in Untersuchungshaft genommen worden sei, wo er auf weitere Verfahrensschritte warte. Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek äußerte sich öffentlich zu dem Fall und erklärte, dass "Millionen von Aufrufen nicht vor der polnischen Justiz schützen" und dass die Staatsanwaltschaft in der folgenden Woche mit den schwerwiegendsten Anklagepunkten im Zusammenhang mit der Schädigung Minderjähriger beginnen werde.
Keine Reichweite, kein Prominentenstatus und keine Grenze werden vor der Rechenschaftspflicht schützen. Die Gerechtigkeit wird jeden einholen. Ohne Ausnahme.
Die Anklagepunkte
Die Anklagepunkte, denen sich K.-B. stellen muss, betreffen sexuelle Handlungen mit Mädchen unter 15 Jahren, die im Sommer 2015 und im August 2018 stattgefunden haben sollen, sowie die Anstiftung Minderjähriger zum Alkoholkonsum. Eine der Personen, die K.-B. nachweislich zum Alkoholkonsum gedrängt haben soll, war ein Mädchen, das Opfer der sexuellen Handlung vom August 2018 war. Laut dem polnischen Haftbefehl drohen ihm für diese Taten bis zu 12 Jahre Gefängnis.
Pandora Gate
Der Fall geht auf die "Pandora Gate"-Affäre zurück, die im Herbst 2023 ausbrach, als der YouTuber Sylwester Wardęga zusammen mit Konopskyy Material veröffentlichte, das private Nachrichten zwischen prominenten polnischen Internetgrößen und minderjährigen weiblichen Fans enthüllte. Im Oktober 2023 gab der damalige Justizminister und Generalstaatsanwalt Zbigniew Ziobro bekannt, dass K.-B. aufgrund einer polnischen Fahndungsnotiz in Großbritannien festgenommen worden war. K.-B. befand sich seitdem in britischer Untersuchungshaft und wartete auf seine Auslieferung.
Ein britisches Gericht genehmigte die Auslieferung zunächst im Februar des folgenden Jahres (Quellenangaben unterscheiden sich, ob dies Februar 2025 oder Februar 2026 war). K.-B. legte Berufung ein mit der Begründung, der polnische Richter, der den Haftbefehl erlassen hatte, sei politischem Druck ausgesetzt gewesen, und verwies auf Aussagen des damaligen Premierministers Mateusz Morawiecki, der versprach, die an Pandora Gate Beteiligten vor Gericht zu bringen. Mitte Juli 2026 entschied ein Londoner Gericht erneut, dass K.-B. an die polnischen Behörden überstellt werden könne.
- Der Pandora-Gate-Skandal bricht aus: Sylwester Wardęga veröffentlicht ein Video, das Nachrichten zwischen polnischen YouTubern und minderjährigen Fans enthüllt. Stuart K.-B. wird in Großbritannien aufgrund einer polnischen Fahndungsnotiz festgenommen.
- Ein britisches Gericht genehmigt die Auslieferung von K.-B. nach Polen. Er legt Berufung ein mit der Begründung, der polnische Richter sei durch die Aussagen des damaligen Premierministers Morawiecki politischem Druck ausgesetzt gewesen.
- Ein Gericht in London entscheidet erneut, dass K.-B. an die polnischen Behörden überstellt werden kann, und weist seine Berufung zurück.
- K.-B. wird mit einem Linienflug nach Polen ausgeliefert, landet am Flughafen Warschau und wird in einem Warschauer Untersuchungsgefängnis untergebracht.
- Die Staatsanwaltschaft beginnt mit den Verfahrenshandlungen und wird K.-B. die formellen Anklagepunkte vorlegen.
Wer ist Stuu
Der in Großbritannien geborene und aufgewachsene K.-B. besitzt sowohl die britische als auch die polnische Staatsbürgerschaft. Er zog 2014 nach Polen und baute sich eine Online-Karriere auf, zunächst unter dem Pseudonym "Polski Pingwin" und später als "Stuu". Anfangs veröffentlichte er Minecraft-Inhalte, bevor er sein Repertoire um Lifestyle- und Comedy-Videos erweiterte. Sein YouTube-Kanal hatte etwa 4,1 Millionen Abonnenten, sein Instagram-Profil 1,8 Millionen Follower. Laut den Artikeln sollen seine engen Vertrauten, die YouTuber Marcin Dubiel, Fagata und Boxdel, von dem Verhalten gewusst und geschwiegen haben. K.-B. kehrte später nach Großbritannien zurück, um seine an Krebs erkrankte Mutter zu pflegen, und zog sich aus der Online-Aktivität zurück.


