Regierung · Rom
Justizminister Nordio verweist auf Mussolini-Strafgesetzbuch im Streit um „Antifa-Lizenz“ auf Buchmesse in Rom
Die Forderung an Verlage, eine antifaschistische Erklärung zu unterzeichnen, um an der römischen Messe „Più Libri Più Liberi“ teilnehmen zu dürfen, hat Kritik von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und eine historische Replik von Justizminister Carlo Nordio hervorgerufen. Dieser wies darauf hin, dass das italienische Strafgesetzbuch noch immer die Unterschrift des faschistischen Diktators Benito Mussolini trägt.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von ANSA.it, Il Fatto Quotidiano, AGI und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Giorgia Meloni bezeichnete die antifaschistische Erklärung als Form der Zensur und warf der Linken vor, unter dem Deckmantel des Antifaschismus die Gedanken kontrollieren zu wollen.
Der Verlegerverband beharrt darauf, dass die Erklärung überparteilich sei und auf universellen Verfassungswerten basiere, nicht auf einem ideologischen Filter.
Justizminister Carlo Nordio wies darauf hin, dass der noch immer gültige „Codice Rocco“ von Mussolini unterzeichnet wurde, und hob damit die Spannungen in der antifaschistischen Debatte hervor.
Sandro Ruotolo argumentierte, dass der Antifaschismus das Fundament der Italienischen Republik sei und von Regierungsmitgliedern nicht als Problem betrachtet werden dürfe.
Die Forderung nach einer antifaschistischen Erklärung
Die Organisatoren der nationalen Messe für kleine und mittlere Verlage „Più Libri Più Liberi“, die für Dezember 2026 in Rom geplant ist, haben die teilnehmenden Häuser gebeten, eine Erklärung zur Einhaltung verfassungsmäßiger, demokratischer und antifaschistischer Prinzipien zu unterzeichnen. Die Anforderung, die schnell als „patentino antifascista“ (Antifa-Lizenz) bezeichnet wurde, war als überparteiliches Bekenntnis zu republikanischen Werten gedacht. Die Organisatoren erklärten, der Schritt entspringe dem Bedürfnis nach Klarheit und Einigkeit unter den verschiedenen Akteuren der Messe und stütze sich ausschließlich auf institutionelle und universelle Referenzen ohne politische oder parteiliche Bindungen.
Meloni beklagt „Zensur“
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte in den sozialen Medien und verurteilte die Initiative als eine Form der Zensur.
„Um an der Messe für kleine und mittlere Verlage ‚Più libri più liberi‘ teilnehmen zu können, müssen die Verlage in diesem Jahr eine ‚Antifa-Lizenz‘ durch die Unterzeichnung einer speziellen Erklärung erwerben. So versteht die Linke die Gedankenfreiheit: Man ist frei, aber nur, wenn man sagt, was sie einem erlauben zu sagen, wenn man denkt, was sie denken, wenn man liest, was sie für geeignet halten. Das nennt man schlicht Zensur. Und Zensur ist mit jeder demokratischen Gesellschaft unvereinbar.“
Meloni argumentierte, die Linke tarne die Auslöschung nicht-linker Ideen als antifaschistischen Kampf – ein Narrativ, das ihrer Meinung nach niemanden mehr täusche.
Nordios historischer Kontrapunkt
Am folgenden Tag schaltete sich Justizminister Carlo Nordio mit einer pointierten historischen Beobachtung in die Debatte ein.
„Vielleicht wissen die Organisatoren nicht, dass das wichtigste Buch für unsere Justiz, nämlich das Strafgesetzbuch, die Unterschrift von Mussolini trägt.“
Nordio bezog sich dabei auf den „Codice Rocco“ von 1930, der am 1. Juli 1931 offiziell per königlichem Dekret in Kraft trat und die Unterschriften von König Viktor Emanuel III., Ministerpräsident Mussolini und Justizminister Alfredo Rocco trägt. Das Gesetzbuch ist nach wie vor in Kraft, wenngleich seine illiberalsten und autoritärsten Abschnitte über die Jahrzehnte hinweg vom Verfassungsgericht stark abgeändert wurden. Nordios Kommentar unterstrich die Ironie, dass Italiens grundlegendes Strafrecht unter eben jenem Regime geschmiedet wurde, das die Erklärung der Messe nun ablehnen will.
Linke reagiert und Organisatoren wehren sich
Sandro Ruotolo, Leiter für Information und Kultur der Demokratischen Partei, widersprach Melonis Haltung und betonte, dass Antifaschismus kein parteipolitisches Abzeichen sei, sondern das Fundament der Italienischen Republik.
„Antifaschismus ist keine Lizenz. Er ist das gemeinsame Haus der Republik.“
Ruotolo argumentierte, dass jeder, der einen Eid auf die antifaschistische Verfassung Italiens geschworen habe, diese Werte stolz verteidigen sollte, anstatt sie als Problem zu behandeln. Die Irritation über das Wort „Antifaschismus“ schüre eine Zweideutigkeit, die Italien längst hinter sich gelassen haben sollte.
Der Italienische Verlegerverband (AIE) drückte sein Bedauern über die Politisierung der Angelegenheit aus und bekräftigte, dass die Erklärung weder Zensur noch ein ideologischer Test sei, sondern eine klare Verpflichtung zu demokratischen Prinzipien. Der Streit hat sich dennoch verschärft, wobei die historische Ironie von Mussolinis Unterschrift auf dem Strafgesetzbuch nun ein zentraler Streitpunkt in der Debatte darüber ist, ob eine solche Erklärung ein Bollwerk der Freiheit oder eine Einschränkung derselben darstellt.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- ANSA.itPatentino antifascista, Nordio: 'Il nostro codice penale firmato da Mussolini' - Notizie
- Il Fatto QuotidianoNordio sul patentino antifascista: "Il Codice penale porta la firma di Mussolini" | Il Fatto Quotidiano.it
- AGILibri con patentino antifascista? Nordio: 'Il Codice penale è firmato da Mussolini'
- il Giornale.itNordio: "Patentino antifascista? Il nostro codice penale è firmato da Mussolini"
- Carlo Nordio
- Italiens Justizminister, der die antifaschistische Erklärung mit einem Verweis auf Mussolinis Unterschrift unter dem Strafgesetzbuch kommentierte
- Giorgia Meloni
- Italiens Ministerpräsidentin, die die antifaschistische Erklärung der Messe als Zensur kritisierte
- Sandro Ruotolo
- Mitglied der Demokratischen Partei, zuständig für Information und Kultur, der den Antifaschismus als verfassungsrechtliches Fundament verteidigte
- Orte
- Rom
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