
Anwälte streiten über Todesursache von Abderrahim Fakir bei Polizeieinsatz in Bologna
In Bologna haben die juristischen Vertreter widersprüchliche medizinische Gutachten dazu vorgelegt, ob eine Drogenvergiftung oder eine Bauchlage-Asphyxie den Tod des 42-jährigen Abderrahim Fakir während eines Polizeieinsatzes am 19. Juli 2026 verursacht hat.
Widersprüchliche medizinische Gutachten
Die Anwälte der Familie von Abderrahim Fakir und der beiden Polizeibeamten, die ihn festhielten, legten nach einem Treffen medizinischer Sachverständiger in Padua gegensätzliche forensische Befunde vor. Der 42-jährige marokkanische Staatsangehörige starb am 19. Juli 2026 in Bologna, nachdem er mit dem Gesicht nach unten zu Boden gedrückt worden war. Der Anwalt der Familie, Fabio Anselmo, erklärte, Fakir sei an einer hypoxischen Asphyxie infolge längerer Fixierung in Bauchlage gestorben, und zog Vergleiche zum Tod von Riccardo Magherini im Jahr 2014 in Florenz.
Es ist ein Tod wie der von Riccardo Magherini, ein hypoxischer Tod aufgrund der Bauchlage.
Anselmo argumentierte, toxikologische Tests hätten 300 Nanogramm Kokain pro Milliliter gezeigt, was er als die Hälfte des Schwellenwerts bezeichnete, der allein tödlich sein könne. Demgegenüber erklärte Verteidiger Gabriele Bordoni unter Berufung auf den forensischen Gutachter Matteo Tudini, die Kokainvergiftung sei die Haupttodesursache gewesen. Bordoni führte an, die metabolisierten Kokainwerte hätten die tödliche Menge um das Dreifache überschritten und zu alveolären Lungenblutungen geführt. Bordoni nannte zudem eine Herzfibrose als Faktor und hielt fest, die Fixierung habe drei bis vier Minuten gedauert, in denen die Beamten zweimal versucht hätten, Fakir auf die Seite zu drehen.
Die zentrale Ursache des Todes durch Hypoxie ist die Droge, mit alveolären Blutungen in der Lunge.
Die Fixierung im Juli in Bologna
Die Auseinandersetzung ereignete sich am Morgen des 19. Juli 2026 im Stadtteil Pilastro in Bologna, genauer in der Via Svevo. Die Einsatzkräfte reagierten auf Meldungen, wonach Fakir eine psychiatrische Krise erlebte und Personen in der Nähe einer Wohnungsgarage bedrohte. Videoaufnahmen vom Ort zeigten, wie Fakir um Hilfe rief, bevor er das Bewusstsein verlor, als Beamte ihm Hände und Füße fesselten. Fakir lebte seit seiner Kindheit in Italien und suchte am 20. Juni 2026 die Notaufnahme des Maggiore-Krankenhauses in Bologna auf, wo er eine erste psychiatrische Beurteilung und einen Termin für August erhielt.
- Fakir wird in der Notaufnahme des Maggiore-Krankenhauses psychiatrisch untersucht
- Fakir stirbt nach Fixierung mit dem Gesicht nach unten in der Via Svevo in Bologna
- Medizinische Gutachter aller Parteien treffen sich in Padua
- Frist für das forensische Expertengremium der Staatsanwaltschaft Bologna zur Vorlage des Abschlussberichts
Bedrohungen gegen Zeugen und laufende Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft Bologna führt ein Verfahren wegen Totschlags gegen die beiden Polizeibeamten und vier anwesende Rotkreuz-Sanitäter. Die Ermittler erwarten den endgültigen Bericht ihres beauftragten medizinischen Gremiums, dem auch die Paduaner Herzpathologin Cristina Basso angehört, bis zum 21. Oktober 2026. Die Ermittler haben mehr als zehn Zeugen vernommen und Fakirs Mobiltelefon zur forensischen Auswertung beschlagnahmt, während sie nach einer zweiten, nicht wiederhergestellten Telefonleitung suchen, um zu klären, warum er Pilastro aufsuchte, wo keine Verwandten wohnen.
Ein 37-jähriger Anwohner, der den Beamten während der Fixierung half, indem er Fakirs Fußknöchel festhielt, berichtete, er lebe nach direkten Drohungen und körperlicher Gewalt von Nachbarn im Versteck. Der kosovarische Staatsangehörige erklärte gegenüber den Ermittlern, die Beamten hätten nach dem Weggang zweier anderer Umstehender um Hilfe gebeten, und er habe bemerkt, dass Fakir aufhörte zu atmen, bevor die Sanitäter Wiederbelebungsversuche unternahmen.


