
Stars and Stripes-Mitarbeiter verklagen Pentagon und Pete Hegseth wegen Vergeltungsentlassungen
Drei entlassene Mitarbeiter des Militärnachrichtenportals Stars and Stripes haben am Donnerstag eine Bundesklage in Washington eingereicht und dem Verteidigungsministerium vorgeworfen, ihre Rechte aus dem Ersten Verfassungszusatz verletzt zu haben, nachdem sie über die Zustände auf einem Flugzeugträger berichtet hatten.
Klage wegen Verstößen gegen den Ersten Verfassungszusatz eingereicht
Drei entlassene Mitarbeiter der Militärzeitung Stars and Stripes haben am Donnerstag, den 27. August, eine Bundesklage eingereicht, in der sie ihre Kündigung durch das Pentagon anfechten. Verleger Max Lederer, Chefredakteur Erik Slavin und Nahost-Korrespondentin Lara Korte reichten die Beschwerde beim US-Bezirksgericht in Washington, D.C. ein. Die Klage nennt das Verteidigungsministerium und Verteidigungsminister Pete Hegseth als Beklagte und macht geltend, dass die Entlassungen ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung aus dem Ersten Verfassungszusatz sowie das Bundesverwaltungsrecht verletzt hätten. Die Anwälte, die die Journalisten vertreten, stammen vom Democracy Defenders Fund, Lawyers for Good Government, dem Government Accountability Project und einer Rechtsklinik der Yale Law School.
Die Kläger fordern einen Bundesrichter auf, ihre Entlassungen zu stoppen, die offiziell wegen angeblicher Insubordination am 21. August ausgesprochen wurden und nach fünf Werktagen in Kraft treten sollten. Stars and Stripes wird teilweise vom Pentagon finanziert, hat aber seit seiner Gründung während des Amerikanischen Bürgerkriegs seine redaktionelle Unabhängigkeit bewahrt.
Die historische redaktionelle Unabhängigkeit von Stripes ist entscheidend für seine Kernaufgabe, unvoreingenommenen und glaubwürdigen Journalismus für die US-Militärgemeinschaft zu sammeln und bereitzustellen, insbesondere für Soldaten und ihre im Ausland stationierten Familien.
Berichterstattung über Flugzeugträger und CBS-Interview
Der Streit verschärfte sich nach der Berichterstattung von Stars and Stripes über die sich verschlechternden Lebensbedingungen an Bord der USS Abraham Lincoln, einem Flugzeugträger der Marine, der in den Nahen Osten verlegt wurde und dessen Einsatz während des Krieges im Iran auf neun Monate verlängert wurde. Präsident Donald Trump wies Berichte über das Schiff als Fake News zurück. Nach der Veröffentlichung des Artikels traten Slavin und Korte in einem CBS-News-Interview auf, um über mögliche militärische Zensur zu sprechen.
Als Reaktion auf den Fernsehauftritt forderte der Pentagon-Beamte Andrew Brey Lederer per E-Mail auf, Slavin und Korte zu entlassen. Lederer lehnte es ab, die beiden Journalisten zu entlassen, und reichte stattdessen seine Absicht ein, Ende September in den Ruhestand zu treten. Daraufhin entließ das Verteidigungsministerium am 21. August alle drei Mitarbeiter und erließ eine Anweisung, die die Zeitung zur Sicherung von Informationen verpflichtete.
Führungswechsel und eskalierende Beschränkungen
Die redaktionellen Spannungen zwischen der Redaktion und dem Verteidigungsministerium hatten bereits zu Beginn des Jahres zugenommen. Im Januar bezeichnete ein Pentagon-Beamter die Publikation als „woke“, kürzte Verträge mit Nachrichtendiensten und entließ die Ombudsfrau Jacqueline Smith, deren Kongressmandat den Schutz der Unabhängigkeit der Zeitung vorsah.
- Pentagon kündigt Verträge mit Nachrichtendiensten, verhängt redaktionelle Beschränkungen und entlässt Ombudsfrau Jacqueline Smith
- Zwei Vorstandsmitglieder reichen Klage wegen des Ersten Verfassungszusatzes gegen Pentagon-Beschränkungen ein
- Marinekapitän William Urban wird zum stellvertretenden Verleger ernannt
- Pentagon entlässt Verleger Max Lederer, Chefredakteur Erik Slavin und Reporterin Lara Korte
- Entlassene Journalisten reichen Bundesklage wegen des Ersten Verfassungszusatzes gegen Pete Hegseth und das Pentagon ein
Anfang August setzte das Pentagon ohne Lederers Wissen Captain William Urban, einen aktiven Marineoffizier und ehemaligen Sprecher des Verteidigungsministeriums und der NATO, als stellvertretenden Verleger ein. Senatsdemokraten und Mitglieder des Redaktionsbeirats äußerten Bedenken, dass die Einsetzung eines aktiven Offiziers in eine Führungsposition die redaktionellen Entscheidungen militärischen Befehlen unterwerfen würde. Urban erklärte gegenüber leitenden Redaktionsmitgliedern, dass er die Rolle des Verlegers übernehmen wolle, betonte jedoch in einem veröffentlichten Brief, dass sein Ziel die Sicherstellung der redaktionellen Unabhängigkeit sei.
Breiterer rechtlicher Widerstand gegen die Pentagon-Aufsicht
Die Klage von Lederer, Slavin und Korte ist die dritte rechtliche Herausforderung auf der Grundlage des Ersten Verfassungszusatzes, die sich im Jahr 2026 gegen das Verteidigungsministerium wegen Stars and Stripes richtet. Smith reichte nach ihrer Entlassung Klage ein und machte eine Vergeltungskündigung geltend, während zwei Vorstandsmitglieder im März eine separate Beschwerde einreichten, um betriebliche Beschränkungen anzufechten.
Die drei Journalisten argumentieren in ihrer Klageschrift, dass die Maßnahmen des Pentagons einen systematischen Versuch darstellten, die unabhängige Berichterstattung für Militärangehörige zu unterdrücken. Das Verteidigungsministerium und ein Pentagon-Sprecher lehnten eine Stellungnahme zu den konkreten Vorwürfen in der Klage ab.


