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Wahlen·vor 3 Std.

SPD Baden‑Württemberg wählt Cademartori und Mesarosch als neue Doppelspitze nach schlechtestem Wahlergebnis aller Zeiten

Isabel Cademartori und Robin Mesarosch sollen die SPD in Baden‑Württemberg führen, nachdem sie bei einer Mitgliederbefragung 56,5 Prozent der Stimmen gewonnen haben – eine Reaktion auf das Ergebnis von 5,5 Prozent der Partei bei der Landtagswahl.

Drei Monate nachdem die SPD in Baden‑Württemberg auf ihren niedrigsten Stimmenanteil aller Zeiten bei einer Landtagswahl abgestürzt war, hat die Partei eine neue Führungsdoppelspitze gewählt. Eine Mitgliederbefragung des rund 30.000 Mitglieder zählenden Landesverbands brachte die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori (38) und den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Robin Mesarosch (35) aus Sigmaringen als Wunschkandidaten hervor.

Generationenwechsel.

Die Abstimmung und das Siegerduo

Das Duo erhielt 56,52 Prozent der gültigen Stimmen, wie der Wahlausschuss in Stuttgart mitteilte. Die einzige weitere namentlich bekannte Herausforderin, die Landtagsabgeordnete Dorothea Kliche‑Behnke, kam auf 24,5 Prozent. Ebenfalls angetreten war Carsten Lotz, Vorsitzender des Ortsvereins Gomaringen, der als Außenseiter galt. Das erforderliche Quorum von 20 Prozent der Mitglieder wurde erreicht, bestätigte ein Parteisprecher.

Von der Wahlpleite zum Neuanfang

Bei der letzten Landtagswahl holte die SPD nur 5,5 Prozent der Stimmen – ihr schlechtestes Ergebnis im Südwesten. Am Wahlabend kündigte der Spitzenkandidat und damalige Partei- und Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch seinen Rücktritt an. An die Spitze der Landtagsfraktion trat der frühere Generalsekretär Sascha Binder. Das Ergebnis löste die Mitgliederbefragung aus, die der Landesvorstand als politisch bindend erklärte.

Parteitag in Ulm formalisiert die Wahl

Der Landesvorstand wird Cademartori und Mesarosch nun dem Parteitag vorschlagen, der am Freitag und Samstag in Ulm tagt. Da das Duo bei der Mitgliederbefragung die absolute Mehrheit gewann, hatten alle vier Kandidaten vor der Befragung zugesagt, im Falle einer Niederlage nicht erneut anzutreten. Hätte kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, hatten Parteikreise eine möglicherweise angespannte Auseinandersetzung auf dem Parteitag erwartet. Wie es aussieht, wird die formelle Wahl das Mitgliedervotum ohne Streit bestätigen.

Eine Doppelspitze für den Südwesten

Das Modell einer geteilten Führung ist für die deutsche Sozialdemokratie nicht neu, aber für den krisengeschüttelten baden‑württembergischen Landesverband stellt es einen Versuch eines Neuanfangs dar. Cademartori, seit 2021 Bundestagsabgeordnete, und Mesarosch, der von 2017 bis 2021 im Bundestag saß, werden die Nachfolge von Stoch antreten und stehen vor der Aufgabe, eine Partei wieder aufzubauen, die knapp über der 5-Prozent-Hürde liegt.

Stuttgart · Ulm

3 Quellen

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