
SPD-Arbeitsgruppe fordert Sonderparteitag zur Ablösung der Co-Vorsitzenden Bas und Klingbeil
Eine SPD-Arbeitsgruppe hat für Herbst 2026 einen außerordentlichen Parteitag zur Ablösung der Co-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil gefordert und dabei auf den Tiefstwert von 12 Prozent in den Umfragen und eine aus ihrer Sicht gescheiterte Doppelfunktions-Führungsstruktur verwiesen.
Forderung nach einem Sonderparteitag
Die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt in der SPD hat einen außerordentlichen Parteitag im Herbst 2026 zur Wahl einer neuen Parteiführung gefordert. Die Co-Vorsitzenden Mehria Ashuftah, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, und Orkan Özdemir, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, sagten dem Spiegel, es gebe eine massive Verstimmung in der Bevölkerung gegenüber der SPD. Die Wähler sähen die SPD nicht mehr als politische Option – ein Trend, den die beiden als existenziell für die Partei bezeichnen. Sie riefen die Landesverbände und den Parteivorstand auf, einen außerordentlichen Parteitag im Herbst 2026 einzuberufen, und argumentierten, es gehe jetzt darum, die Sozialdemokratie zu retten, nicht um das Schicksal einzelner Akteure innerhalb der SPD.
- AG Migration und Vielfalt fordert Sonderparteitag zur Ablösung der SPD-Führung
- Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl
- Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern
- Außerordentlicher Parteitag für neue SPD-Führung, Herbst 2026
Kritik an der Doppelfunktions-Führung
Im Zentrum der Kritik steht die Doppelrolle der SPD-Co-Vorsitzenden Bärbel Bas, die zugleich Bundesarbeitsministerin ist, und Lars Klingbeil, der neben dem Parteivorsitz die Ämter des Bundesfinanzministers und Vizekanzlers innehat. Ashuftah und Özdemir sagten dem Spiegel, die derzeitige Führungsstruktur und die inhaltliche Ausrichtung der Parteispitze seien offensichtlich gescheitert, und die Kombination von Parteivorsitz und Regierungsamt sei angesichts der Lage der Partei keine Option mehr. Der SPD-Unterbezirk Bielefeld hat Bas und Klingbeil offen aufgefordert, sich zwischen Parteivorsitz und Ministeramt zu entscheiden. Sieben Arbeitsgemeinschaften aus dem hessischen SPD-Landesverband hatten zuvor einen offenen Brief verfasst, der den Reformkurs der Partei kritisiert. Laut Spiegel ist die Unzufriedenheit auch im nordrhein-westfälischen Landesverband erheblich, wo viele Parteimitglieder die Richtung der derzeitigen Führung infrage stellen.
Umfragen auf neuen Tiefstständen
Als Koalitionspartner der Union hat die SPD die undankbare Aufgabe, Einschnitte in den Sozialstaat zu vertreten, was zu ihren sinkenden Umfragewerten beiträgt. In der jüngsten Infratest-dimap-Erhebung liegt die Partei bundesweit bei 12 Prozent und damit drei Punkte hinter den Grünen. In Berlin ergibt eine Civey-Umfrage ebenfalls 12 Prozent für die SPD. In Sachsen-Anhalt, wo innerhalb von vier Wochen nach dem 10. August eine Landtagswahl ansteht, liegt die Partei nur knapp über der Fünf-Prozent-Hürde. Özdemir, der für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September wirbt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sehe eine Partei, die sterbe.
Ich sehe eine Partei, die stirbt. Wenn keine Änderung kommt, ist das das Ende der Partei.
Er sagte, auf dem Sonderparteitag müsse eine offene Debatte darüber stattfinden, ob die Regierungslinie auch die Parteilinie sei, und fügte hinzu, dies sei offensichtlich nicht der Fall. Die Parteiführung müsse Platz machen für einen offenen Wettbewerb, den die Mitgliederbasis entscheide – ein Prozess, der in einer Mitgliederbefragung gipfeln könne.
Maier lehnt die Forderung ab
Thüringens SPD-Chef Georg Maier, der auch Landesinnenminister ist, lehnte die Forderung nach einem Sonderparteitag ab. Gegenüber der dpa in Erfurt bezeichnete Maier die Debatte als Selbstbeschäftigung und argumentierte, der Fokus sollte auf den bevorstehenden Landtagswahlen liegen.
Wir haben wichtige Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Wer wirklich um die SPD besorgt ist, sollte jetzt die Ärmel hochkrempeln und im Wahlkampf mit anpacken, statt Parteitagsdebatten anzuzetteln.
Ein Sonderparteitag kann entweder vom Parteivorstand oder von der Mitgliederbasis einberufen werden, sofern mindestens zwei Fünftel der Kreisvorstände den Schritt unterstützen. Es bleibt unklar, ob weitere SPD-Politiker sich dem Aufruf anschließen werden. Ein denkbarer Zeitpunkt für einen Führungswechsel wäre nach den Landtagswahlen Ende September.


