Spanische Justiz weist Beschwerde des Innenministers gegen Maulkorb-Erlass für Polizei in Ceuta zurück
Die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Isabel Perelló, verteidigte die Anordnung von Richterin María Tardón, die es der Polizei verbietet, die Akten der Ceuta-Migrationsermittlungen mit politischen Vorgesetzten zu teilen, und wies eine offizielle Beschwerde von Innenminister Fernando Grande-Marlaska zurück.
Ministerielle Beschwerde über Ermittlungsgeheimnis
Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska reichte am 3. September 2026 ein formelles Schreiben mit Bedenken an Isabel Perelló, die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und des Generalrats der Justiz (CGPJ), ein. Das Schreiben bezog sich auf eine Anordnung der Ermittlungsrichterin der Audiencia Nacional, María Tardón, die es den mit der Untersuchung der Ceuta-Grenzkrise befassten Polizeibeamten verbot, ihre Verwaltungsvorgesetzten zu unterrichten. Grande-Marlaska wies auf seine Doppelfunktion als Innenminister und ehemaliger Berufsrichter hin und erklärte, er respektiere peinlich genau die richterliche Unabhängigkeit sowie die ausschließliche Abhängigkeit der Justizpolizei von Richtern, Gerichten und der Staatsanwaltschaft. Er argumentierte jedoch, dass die Zurückhaltung von Ermittlungsdaten gegenüber der Exekutive die Regierung unmittelbar daran hindere, während eines aktiven Grenznotstands die Innen- und Außenpolitik zu steuern.
Exekutive beruft sich auf Befugnisse der nationalen Sicherheit
Der Streit folgt auf die Ereignisse vom 30. und 31. Juli, als knapp 80.000 Menschen von Marokko in die autonome Stadt Ceuta gelangten. In den Wochen nach dem Grenzübertritt verblieben Tausende in provisorischen Zeltlagern oder auf den Straßen der Stadt, da die staatliche Aufnahmeinfrastruktur an ihre Grenzen stieß. Etwa einen Monat nach den ersten Einreisen erklärte die spanische Regierung die Lage offiziell zu einer Situation von Interesse für die nationale Sicherheit gemäß Gesetz 36/2015. Grande-Marlaska führte an, dass bei einem derartigen Ausmaß die gewissenhafte Befolgung gerichtlicher Ersuchen nicht den Ausschluss politischer Vorgesetzter von Informationen rechtfertigen dürfe, die für die Landesverteidigung und die öffentliche Sicherheit unerlässlich seien. Er betonte, dass die Weitergabe solcher operativer Informationen an Entscheidungsträger der Exekutive die richterliche Unabhängigkeit nicht beeinträchtige.
Justizführung bestätigt Ermittlungsunabhängigkeit
Isabel Perelló antwortete Grande-Marlaska mit einem Schreiben, das die verfassungsmäßigen Vorrechte von Richterin Tardón verteidigte und die Beschwerde der Regierung zurückwies. Perelló erklärte, dass die Leitungsorgane der Justiz nach der Verfassung und dem Organgesetz für die Justiz daran gehindert seien, Entscheidungen eines Ermittlungsrichters zu billigen, zu tadeln oder zu korrigieren. Sie wies darauf hin, dass die spanische Verfassung eine allgemeine Pflicht aller Bürger zur Zusammenarbeit mit den Gerichten sowie eine besondere gesetzliche Pflicht der Angehörigen der Sicherheitskräfte und -korps in ihrer Funktion als Justizpolizei vorsehe, unabhängig von ihrem Verwaltungsrang oder ihrer ministeriellen Hierarchie. Perelló stimmte dem Minister zwar hinsichtlich der Schwere der Grenzsituation zu, beharrte jedoch auf der vollständigen institutionellen Zurückhaltung gegenüber dem ermittelnden Gericht.
Kurz gesagt, ich stimme Ihnen, wie könnte es anders sein, voll und ganz zu in Bezug auf Ihre Einschätzung der Schwere und Außergewöhnlichkeit der Krise, vor der wir stehen, sowie dass die Maßnahmen der Richterin der Ausübung ihrer verfassungsmäßigen Funktionen entsprechen, denen wir alle größten Respekt zollen müssen.
- Knapp 80.000 Menschen gelangen innerhalb von zwei Tagen von Marokko nach Ceuta.
- Die spanische Regierung erklärt eine Situation von Interesse für die nationale Sicherheit gemäß Gesetz 36/2015.
- Innenminister Fernando Grande-Marlaska sendet ein Schreiben mit Bedenken an den CGPJ wegen des Maulkorberlasses für die Polizei.
- CGPJ-Präsidentin Isabel Perelló verteidigt Richterin Tardón und fordert Respekt für die richterliche Unabhängigkeit.
Umfang der Ermittlungen der Audiencia Nacional
Die Anweisungen von Richterin Tardón gelten für spezialisierte Ermittlungseinheiten sowohl der Nationalpolizei als auch der Guardia Civil, die vorläufige Berichte erstellen. Die Richterin forderte diese Dossiers an, um zu entscheiden, ob ein formelles Strafverfahren im Zusammenhang mit den Massenübertritten eingeleitet werden soll. Im Mittelpunkt steht die Identifizierung mutmaßlicher Organisatoren sowie die Bewertung von Sicherheitswarnungen, die vor dem 30. Juli eingegangen waren. Während das Innenministerium betonte, dass ein gemeinsames Lagebewusstsein erforderlich sei, um staatliche Ressourcen zu mobilisieren und die öffentliche Ordnung zu gewährleisten, bekräftigten die Justizbehörden, dass bis zum Abschluss der vorläufigen Bewertungen durch die Ermittlungsrichterin strikte operative Vertraulichkeit gewahrt werden müsse.


