
Spanien nominiert Yolanda Díaz für ILO-Generaldirektorin, erste Frau und erster Spanier, der den Posten anstrebt
Die spanische Regierung gab die Kandidatur ihrer Arbeitsministerin für den Posten der Generaldirektorin der Internationalen Arbeitsorganisation bekannt und stellt sie damit bei einer für den 16. November angesetzten Abstimmung gegen Amtsinhaber Gilbert F. Houngbo.
Die Nominierung
Am 23. Juli 2026 schlug die spanische Regierung Yolanda Díaz, die zweite Vizepräsidentin und Ministerin für Arbeit und Sozialwirtschaft des Landes, offiziell als ihre Kandidatin für das Amt der Generaldirektorin der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vor. Die Ankündigung erfolgte durch Moncloa in einer Erklärung und wurde von Premierminister Pedro Sánchez im sozialen Netzwerk X verbreitet.
Zum ersten Mal stünden eine Frau und unser Land an der Spitze dieser grundlegenden Institution für die Verteidigung menschenwürdiger Arbeit und sozialer Gerechtigkeit.
Sánchez fügte hinzu, dass Díaz‘ „Erfahrung, ihr Werdegang und ihre Berufung zum Konsens“ sie zu einer hervorragenden Kandidatin für die Leitung der ILO machten.
Díaz‘ Bilanz und der Auftrag der ILO
Díaz ist seit 2020 Arbeitsministerin und hat eine mit Gewerkschaften und Arbeitgebern vereinbarte Arbeitsmarktreform, ein Plattformarbeitsgesetz und das von der Regierung als größte Mindestlohnerhöhung in der demokratischen Geschichte Spaniens bezeichnete Vorhaben umgesetzt. In einem Beitrag in den sozialen Medien nannte sie die ILO „das gemeinsame Haus der Arbeit in der Welt“ und sagte, die Kandidatur sei „eine Ehre und eine enorme Verantwortung, Spanien, Europa, den globalen Süden und die gesamte internationale Gemeinschaft zu vertreten.“
Die 1919 als erste Sonderorganisation der UNO gegründete ILO vereint Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus 187 Mitgliedstaaten in einer einzigartigen dreigliedrigen Struktur. Sie ist das wichtigste Forum für die Festlegung von Arbeitsnormen, die Förderung der Beschäftigung, den Ausbau des Sozialschutzes und die Stärkung des sozialen Dialogs.
Krise in der Organisation
Die Organisation befindet sich derzeit in einer tiefen internen Krise, nachdem die Vereinigten Staaten und einige andere Länder ihre Beitragszahlungen eingestellt haben. Spanische Gewerkschaften haben kritisiert, was sie eine „Trumpistische Abdrift“ unter dem derzeitigen Generaldirektor Gilbert F. Houngbo aus Togo nennen, der die Organisation seit 2022 leitet. Die Vizepräsidentin hatte die Entscheidung wochenlang abgewogen und nach Unterstützung gesucht, wie El Confidencial berichtete. Díaz sprach die Situation direkt in einer Rede am 9. Juni am ILO-Hauptsitz in Genf an.
Die ILO steckt in der Krise, und das ist relevant, weil ihr Mandat auf dem Spiel steht. Wenn Arbeit keine Ware ist, kann auch die Organisation, die die Arbeit vertritt, keine sein.
Der Wahlmechanismus
Der Generaldirektor wird vom Verwaltungsrat der ILO gewählt, der sich aus 56 Wählern zusammensetzt: 28 Regierungsvertreter, 14 Gewerkschaftsvertreter und 14 Arbeitgebervertreter.
- Regierungen
- 28 Stimmen
- Gewerkschaften
- 14 Stimmen
- Arbeitgeber
- 14 Stimmen
Díaz wird auf Houngbo treffen, der sich um eine Wiederwahl bemüht. Weitere Kandidaten sind bisher nicht aufgetaucht, aber die Nominierungsfrist endet am 14. August. Die Wahl ist für den 16. November 2026 angesetzt, der Gewinner wird sein Amt jedoch erst im November 2027 antreten. Die Abstimmung findet am ILO-Hauptsitz in Genf statt. Sollte Díaz gewinnen, plant sie, bis dahin Vizepräsidentin und Arbeitsministerin Spaniens zu bleiben, wie mit ihrer Absicht vertraute Quellen berichten.
- Spanische Regierung gibt Kandidatur von Yolanda Díaz bekannt
- Frist für weitere Nominierungen
- Wahl durch den ILO-Verwaltungsrat
- Gewinner tritt Amt als Generaldirektor an
Aussichten und Reaktionen
Von EL PAÍS zitierte Quellen bezeichnen Díaz‘ Chancen als „kompliziert“, aber nicht unmöglich. Es wird erwartet, dass der Arbeitgeberblock (14 Stimmen) sich ihr aufgrund ihrer interventionistischen Arbeitsmarktpolitik widersetzen wird, während sie breite Unterstützung vom Gewerkschaftsblock (weitere 14 Stimmen) erhalten könnte. Der Ausgang wird wahrscheinlich von den 28 Regierungsstimmen abhängen. Spanische Gewerkschaftsführer haben Díaz nicht offiziell gebeten, zu kandidieren, bezeichneten sie aber privat als „sehr gute Option“ für den Posten. Falls gewählt, wäre Díaz die erste Frau und der erste Spanier, der dieses Amt innehat. In der Regierungserklärung hieß es, Spanien „strebe danach, eine Schlüsselinstitution zu stärken, um den Herausforderungen des Arbeitsmarktes in einem Kontext tiefgreifender wirtschaftlicher, technologischer und ökologischer Veränderungen zu begegnen.“


