
Jens Spahn tritt als Fraktionschef von CDU/CSU im Bundestag zurück nach Leihmutterschaftsgeburt in den USA, Merz nennt es ‚unvermeidlich‘
Jens Spahn ist am Samstag als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten, nachdem er bekannt gegeben hatte, dass er und sein Ehemann durch Leihmutterschaft in den USA ein Kind bekommen haben – eine in Deutschland verbotene und von seiner eigenen Partei abgelehnte Praxis.
Jens Spahn, der Vorsitzende der konservativen CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist am Samstag, den 18. Juli 2026, zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass er und sein Ehemann, der Journalist Daniel Funke, durch Leihmutterschaft in den Vereinigten Staaten Eltern geworden waren. Die Praxis ist in Deutschland verboten, und die Christlich Demokratische Union (CDU) hatte im Februar für die Beibehaltung dieses Verbots gestimmt.
Rücktritt nach Enthüllung der Leihmutterschaft
Spahn, 46, ehemaliger Gesundheitsminister unter Angela Merkel, gab die Geburt seines Sohnes Georg am 17. Juli über soziale Medien bekannt. „Mein Mann ist Vater geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück“, schrieb er. Die Nachricht löste sofort einen backlash innerhalb der Partei aus, da Leihmutterschaft in Deutschland illegal ist und die CDU sich seit langem gegen ihre Legalisierung ausspricht. Spahn hatte sich öffentlich gegen Leihmutterschaft geäußert und vertritt den rechten Flügel der Partei. Bis Samstag hatte er seinen Rücktritt in einem Brief an die Fraktion eingereicht und erklärt, dass sein persönliches Glück mit seinem politischen Amt unvereinbar sei.
In den letzten Tagen wurde mir klar, dass mein persönliches Glück – eine Familie mit meinem Ehemann zu gründen und Vater zu werden – mit meinem politischen Amt nicht vereinbar ist.
Parteidruck und Doppelmoral
Der Skandal hatte sich seit Tagen aufgebaut. Der CDU-Bundesparteitag im Februar 2026 bekräftigte die Ablehnung der Partei gegen Leihmutterschaft, die in Deutschland seit dem Embryonenschutzgesetz von 1990 (einige Quellen nennen 1991) verboten ist. Obwohl deutsches Recht Bürger nicht bestraft, die Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch nehmen, zog Spahns Entscheidung, dies zu tun, während er die Praxis ablehnte, Heucheleivorwürfe nach sich. Mehrere Parteigrößen forderten seinen Rücktritt. Daniel Peters, CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, sagte der Bild, Spahn sei „nicht mehr haltbar“, weil er sich „bewusst über deutsches Recht gestellt“ habe. Auch Marion Rosin, Schatzmeisterin der CDU-Frauenunion, und Chris Günther, Vorsitzende der Frauenorganisation der Partei im selben Bundesland, forderten seinen Rücktritt. Die Bundestagsabgeordnete Ellen Demuth prangerte einen „unerträglichen Doppelstandard“ an und sagte, sie fühle sich von ihrer Fraktionsvorsitzenden nicht mehr vertreten. Die Kontroverse drohte zur schwersten internen Krise der CDU seit Merz‘ Amtsantritt zu werden, mit Landtagswahlen in ostdeutschen Bundesländern im September. Spahn hatte zunächst gesagt, er werde sein Mandat nach der Sommerpause der Fraktion zur Verfügung stellen, aber der Druck beschleunigte die Zeitachse.
Kanzler Merz‘ Reaktion
Bundeskanzler Friedrich Merz, der die CDU führt, hatte sich am Freitag zunächst geweigert, sich öffentlich zu äußern, aber später Spahn laut DPA-Quellen zum Rücktritt gedrängt. Nach dem Rücktritt gab Merz eine Erklärung ab, in der er die Entscheidung als „richtig und unvermeidlich“ bezeichnete und betonte, dass Glaubwürdigkeit das höchste Gut in der Politik sei. Er dankte Spahn für seinen „grundlegenden Beitrag“ zu jüngsten Reformprojekten und kündigte an, in Abstimmung mit Markus Söder von der CSU einen Nachfolger vorzuschlagen. Merz erklärte auch, er sehe keinen Anlass, das deutsche Recht oder die Haltung der CDU zur Leihmutterschaft zu ändern.
Die Entscheidung ist richtig und unvermeidlich. Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut in der Politik.
Spahns persönliche Stellungnahme und nächste Schritte
In seinem Rücktrittsschreiben räumte Spahn ein, dass die Frage „komplexer geworden ist, als ich vorausgesehen hatte“, und kritisierte die „zunehmende Grausamkeit des öffentlichen Diskurses“. Er rief alle Seiten auf, trotz politischer Differenzen einen menschlichen Ton zu wahren. Spahn und Funke heirateten 2017, dem Jahr, in dem Deutschland die gleichgeschlechtliche Ehe mit vollem Adoptionsrecht legalisierte. Das Paar hatte Leihmutterschaft in den Vereinigten Staaten gesucht, wo die Praxis in vielen Bundesstaaten legal ist. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird nun eine neue Führung wählen, wobei Merz einen koordinierten Prozess mit den Parteigremien verspricht.
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