Spahns Nachfolge wird nächsten Mittwoch entschieden – Merz und Söder erwägen drei Umbau-Szenarien
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion stimmt am 29. Juli um 14:00 Uhr über Jens Spahns Nachfolge ab. Die Parteivorsitzenden Friedrich Merz und Markus Söder wollen ihren Kandidaten noch in dieser Woche bekannt geben.
Der Zeitplan
Jens Spahn ist als Vorsitzender der 208-köpfigen CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten, und die Nachfolge wird in einer Sondersitzung am kommenden Mittwoch, 29. Juli, um 14:00 Uhr entschieden. Das neuntägige Fenster zwischen der Ankündigung der Sondersitzung am Montag und der Abstimmung selbst hat in Berlin eine Phase intensiver Spekulation eröffnet. Die Parteivorsitzenden Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) werden der Fraktion einen gemeinsamen Vorschlag unterbreiten, über den dann abgestimmt wird.
Wann kommt der Vorschlag?
Merz gab am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt widersprüchliche Signale. Zunächst versprach er, einen Vorschlag mit Söder „bald“ zu machen, fügte dann aber hinzu: „Wir werden uns auch etwas mehr Zeit dafür nehmen.“ Trotz der gemischten Botschaften wird erwartet, dass die beiden Parteivorsitzenden ihren Plan nicht bis zur Fraktionssitzung geheim halten, sondern ihn zunächst der Fraktion und dann der Öffentlichkeit mitteilen – möglicherweise noch in dieser Woche. Der Kalender spricht dafür: Die Klausur der CSU-Landesgruppe findet am Montag und Dienstag im Kloster Banz in Franken statt, was eine parallele Ankündigung umständlich machen würde.
Die Kandidaten
Kanzleramtschef Thorsten Frei bleibt der Top-Favorit. Gesundheitsministerin Nina Warken, CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und Fraktionsvize Günter Krings (alle CDU) werden ebenfalls genannt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gilt als nahezu ausgeschlossen, da er der CSU angehört, die noch nie den Fraktionsvorsitz gestellt hat – der Posten geht traditionell an die deutlich größere der beiden Schwesterparteien. Ob einer der vier genannten CDU-Politiker den Job bekommt, ist noch nicht sicher; die Artikel weisen darauf hin, dass eine „große Überraschung“ weiterhin möglich sei.
Drei Umbau-Szenarien
Drei Varianten liegen auf dem Tisch. Die kleine Lösung: Der neue Vorsitzende kommt aus der Fraktion, was keine weiteren Personaländerungen erfordert – das Krings-Modell. Die mittlere Lösung: Der Nachfolger kommt aus dem Kabinett oder einer führenden Parteifunktion (Frei, Warken oder Linnemann), was Merz und Söder zwingt, mindestens zwei Posten nachzubesetzen. Die große Lösung beinhaltet eine umfassendere Kabinettsumbildung. Merz sagte am Sonntag im ZDF-„Sommerinterview“, dass „es eine Gelegenheit sein könnte, noch einmal über die Aufstellung der Regierung nachzudenken“, obwohl zu viele Veränderungen das Risiko neuer Unsicherheiten bergen. Die mittlere Variante gilt derzeit als die wahrscheinlichste.
Die Bundespräsidentschaft im Hintergrund
Die Artikel deuten darauf hin, dass Merz und Söder möglicherweise bereits über die Bundespräsidentschaft sprechen. Frank-Walter Steinmeiers Nachfolger wird im Januar gewählt, und Union und SPD dürften in der Bundesversammlung über eine Mehrheit verfügen. Nach Steinmeier (SPD) wäre die Union an der Reihe. Der Vorschlag steht erst nach den Landtagswahlen im September an, aber Söder hat bereits die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) als Kandidatin ins Spiel gebracht.
- Sondersitzung angekündigt; Jens Spahns Rücktritt löst Nachfolgeprozess aus
- Merz gibt widersprüchliche Signale zum Zeitplan bei Pressekonferenz im Kanzleramt
- Klausur der CSU-Landesgruppe beginnt im Kloster Banz, Franken
- Fraktion stimmt über Vorschlag von Merz und Söder für neuen Vorsitz ab


