
Deutscher Einzelhandel fordert vollständige Sonntagsöffnung nach Lockerung der Bäcker-Öffnungszeiten
Die deutschen Handelsverbände fordern, dass alle Geschäfte sonntags öffnen dürfen, nachdem die Bundesregierung ab 2027 längere Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Bibliotheken plant.
Begrenzte Reform der Regierung
Letzte Woche kündigte die schwarz-rote Koalition an, dass Bäckereien, Konditoreien und öffentliche Bibliotheken ab dem 1. Januar 2027 sonntags länger öffnen dürfen. Nach dem Entwurf des Bundesarbeitsministeriums wären Bäckereien bis zu acht Stunden Sonntagsbetrieb erlaubt, Bibliotheken bis zu sechs Stunden. Der Schritt wurde von Kulturminister Wolfram Weimer und dem Deutschen Bibliotheksverband begrüßt.
- Koalition kündigt Plan zur Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Bibliotheken an
- Handelsverbände fordern vollständige Sonntagsöffnung für alle Geschäfte
- Geplanter Beginn der verlängerten Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Bibliotheken
Vorstoß des Einzelhandels für vollständige Liberalisierung
Die Ankündigung veranlasste die Handelsverbände, eine vollständige Liberalisierung des Sonntagsverkaufs für alle Geschäfte zu fordern. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), sagte der Bild-Zeitung, dass Einkaufen auch ein Freizeiterlebnis sei und Sonntagsöffnungen die Innenstädte attraktiv und lebendig hielten. Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, argumentierte, das aktuelle Verbot, sonntags ein Hemd zu verkaufen, sei „aus einer vergangenen Ära im Online-Zeitalter“. Er sagte, die Entscheidung solle den Händlern und Kunden überlassen werden. René Glaser, Vorsitzender des Sächsischen Handelsverbands, forderte dringende gesetzliche Reformen und sagte, die aktuellen Regeln seien undurchsichtig und machten es Gemeinden nahezu unmöglich, rechtssichere Genehmigungen zu erteilen.
Einkaufen ist auch ein Freizeiterlebnis. Deshalb setzen wir uns für Sonntagsöffnungen im Einzelhandel ein, um die Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten.
Wer in Deutschland sonntags ein Hemd verkauft, begeht eine Straftat. Das stammt aus einer vergangenen Ära im Online-Zeitalter.
Widerstand von Gewerkschaften und Kirchen
Die Gewerkschaft ver.di lehnte die Vorschläge entschieden ab und warnte, dass eine Ausweitung der Sonntagsarbeit die Sonntagszuschläge untergraben und den Ruhetag aushöhlen würde. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Nordrhein-Westfalen verwies auf das Grundgesetz, das Sonn- und Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung schützt. Auch die Kirchen äußerten sich ablehnend und betonten die Bedeutung des Sonntags für Familie, Freundschaften und Ehrenamt, nicht nur für die Religionsausübung.
Sicht des Ökonomen
Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel sagte, er erwarte von Sonntagsöffnungen keine spürbaren Wachstumseffekte, argumentierte aber, dass es ein Signal wäre, dass der Staat der Wirtschaft weniger regulatorische Hindernisse in den Weg stelle.
Es wäre ein Zeichen, dass der Staat der Wirtschaft weniger regulatorische Hindernisse in den Weg stellt.
Rechtsföderalismus
Derzeit variieren die Sonntagsverkaufsregeln je nach Bundesland. In Bayern und Baden-Württemberg dürfen Bäckereien sonntags drei Stunden für Produktion und Auslieferung betrieben werden; in Nordrhein-Westfalen liegt die Grenze bei fünf Stunden. Viele Unternehmen nutzen eine Gesetzeslücke, indem sie einen Café-Bereich betreiben, der unter das Gaststättenrecht fällt und mehr Flexibilität erlaubt. Die Handelsverbände argumentieren, dass ein einheitliches Bundesgesetz nötig sei.
- Bayern/Baden-Württemberg (aktuell)
- 3 Stunden
- Nordrhein-Westfalen (aktuell)
- 5 Stunden
- Geplante Bundesregelung (2027)
- 8 Stunden


