
Französische Nationalversammlung lehnt Misstrauensantrag wegen Hitzewelle ab – Sozialistenchef isoliert
Die französische Nationalversammlung hat am Montag einen Misstrauensantrag gegen die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu mit großer Mehrheit abgelehnt. Nur 132 Abgeordnete unterstützten die von den Grünen (Écologistes) initiierte Abstimmung über die Hitzewelle im Juni. Die Abstimmung offenbarte tiefe Gräben innerhalb der Sozialistischen Partei (PS): Parteichef Olivier Faure unterstützte den Antrag, doch die Mehrheit seiner eigenen Fraktion verweigerte die Zustimmung.
Antrag deutlich abgelehnt
Der Misstrauensantrag, der vergangene Woche von der grünen Fraktion (Écologistes) als Reaktion auf die Junihitzewelle eingebracht worden war, hätte 289 Stimmen für einen Sturz der Regierung gebraucht. Er erhielt lediglich 132. Die Debatte fand in einem nahezu leeren Plenarsaal statt. Der Antrag wurde von allen Abgeordneten von La France Insoumise, 32 der 38 Grünen, 7 der 17 Abgeordneten der Demokratischen und Republikanischen Linken (GDR) sowie 20 der 68 Sozialisten – darunter Olivier Faure – unterstützt. Die rechtsextreme Partei Rassemblement National stimmte nicht dafür, was das Scheitern besiegelte.
- GDR (7/17)
- 7
- Grüne (32/38)
- 32
- Sozialisten (20/68)
- 20
Spaltung der Sozialistischen Partei
Die Abstimmung offenbarte einen Riss zwischen Faure und seiner Parlamentsfraktion. Faure hatte am Sonntag angekündigt, für den Antrag zu stimmen, um ein „klares Signal“ gegen die Untätigkeit in der Klimapolitik zu senden. Doch die sozialistischen Abgeordneten hielten eine interne Abstimmung ab und entschieden sich mit einer „deutlichen“ Zweidrittelmehrheit gegen das Misstrauensvotum, wie ein Mitarbeiter von Fraktionschef Boris Vallaud mitteilte. In einer Erklärung der Fraktion hieß es, man teile zwar die „Wut über Emmanuel Macrons Untätigkeit in der Klimapolitik“, aber die Franzosen erwarteten „Lösungen, nicht den Sturz in eine politische Krise in dieser Frage“. Während der Debatte wirkte Faure auf den Bänken seiner Fraktion isoliert.
Lecornu wirft Opposition Instrumentalisierung vor
Premierminister Lecornu kritisierte die Befürworter des Antrags scharf und beschuldigte sie, die Opfer der Hitzewelle für politische Zwecke zu instrumentalisieren.
Zahlen als endgültig darzustellen, die es nicht sind, Todesfälle verschiedener Art aufzurechnen und der Regierung vorzuwerfen, ‚Blut an den Händen‘ zu haben, ist keine Warnung. Es ist ein Fehler.
Er fügte hinzu, man könne das Handeln der Regierung kritisieren, ohne die Opfer zu instrumentalisieren. Die grüne Abgeordnete Marie-Charlotte Garin, die den Antrag eingebracht hatte, entgegnete, die Erderwärmung „töte zuerst die Armen“ und die Regierung habe das Problem seit fast einem Jahrzehnt „noch verschlimmert“.
Die Erderwärmung tötet zuerst die Armen; die Reichen schützen sich, während die anderen sterben. Also, was haben Sie und Ihre Vorgänger seit fast zehn Jahren getan? Sie haben nicht nur nichts getan, sondern das Problem noch verschlimmert.
Politischer Zeitpunkt
Die innerparteilichen Querelen bei den Sozialisten kommen nur wenige Tage vor einer entscheidenden internen Abstimmung am 9. Juli über die Strategie der Partei zur Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten für 2027, wobei mehrere Urwahlszenarien diskutiert werden. Das Lager um Vallaud bestand darauf, dass das Misstrauensvotum nicht die Gräben hinsichtlich der Präsidentschaftsstrategie widerspiegele, da auch einige Verbündete Faures den Antrag abgelehnt hätten. Der LFI-Abgeordnete Aurélien Le Coq attackierte die Sozialisten und schrieb auf X, sie bestätigten damit ihre „endgültige Auflösung im macronistischen Block.“


