Solingen gedenkt mit Gedenkgottesdienst zwei Jahre nach tödlichem Messerangriff auf Stadtfest
Einwohner und Einsatzkräfte in Solingen versammeln sich am Sonntag an der Stadtkirche, um der drei Getöteten und mehreren Verletzten während des Stadtfestes am 23. August 2024 zu gedenken.
Gedenkveranstaltungen an der Stadtkirche
Zwei Jahre nach einem islamistischen Messerangriff in Solingen mit drei Toten und mehreren Verletzten versammelt sich die Stadt am 23. August 2026, um der Opfer zu gedenken. Die Gedenkfeier findet vor der Stadtkirche um einen dafür vorgesehenen Gedenkstein statt, den die Menschen immer wieder mit Blumen, Kerzen und Lampen schmücken. Gemeindemitglieder, Vertreter der Stadtgesellschaft und Einsatzkräfte kommen den Tag über zu Wort-, Musik- und gemeinsamen Gedenkveranstaltungen zusammen. Um 21:37 Uhr, dem genauen Zeitpunkt des Angriffsbeginns, ist eine stadtweite Schweigeminute vorgesehen.
Es gibt immer wieder eine neue Lampe, eine neue Kerze, einen neuen Blumenstrauß.
Der Angriff auf dem Fronhof
Der Angriff ereignete sich während des Festes zum 650. Jahrestag der Stadtrechte Solingens am 23. August 2024. Während eines Open-Air-Konzerts auf dem zentralen Fronhof bewegte sich der Täter durch die Menge und stach Konzertbesuchern von hinten gezielt in den Hals. Die Gewalt forderte drei Todesopfer, darunter eine Frau, die noch getanzt hatte und in den Armen ihres schwer verletzten Ehemanns starb, sowie zahlreiche Verletzte. Durch sofortige medizinische Hilfe von Umstehenden und Rettungskräften konnten vier Menschen mit lebensbedrohlichen Verletzungen vor dem Verbluten gerettet werden. Der Täter, der als abgelehnter syrischer Asylbewerber Issa al H. identifiziert wurde, konnte etwa 25 Stunden nach der Tat von der Polizei festgenommen werden.
- Ein Messerangriff beginnt während eines Konzerts auf dem Fronhof im Rahmen des 650-jährigen Stadtfestes
- Die Polizei nimmt den syrischen Verdächtigen Issa al H. etwa 25 Stunden nach den Messerattacken fest
- Solingen hält einen Gedenkgottesdienst mit einer für 21:37 geplanten Schweigeminute ab
Langfristige Traumata und Unterstützung für Betroffene
Für viele Überlebende und Angehörige der Opfer sind die psychologischen Folgen noch immer Teil des Alltags. Simon Rampp, Rechtsanwalt, der neun Opfer und Angehörige vertritt, stellte fest, dass die Tat die Alltagsroutine seiner Mandanten verändert habe; mehrere berichten von anhaltender Wachsamkeit an öffentlichen Orten. Andere Betroffene meiden den Fronhof oder Menschenansammlungen ganz. Superintendentin Ilka Werner erklärte, dass spätere Gewalttaten in Deutschland, etwa ein Angriff auf eine Christopher-Street-Day-Veranstaltung in Berlin, bei den Solingern immer wieder schmerzhafte Erinnerungen wachriefen, da sie sich selbst als potenzielle zufällige Opfer sähen.
Die Tat hat die Menschen verändert.
Erholung der Einsatzkräfte und gesellschaftlicher Dialog
Der Einsatz forderte die städtischen Dienste stark, die bereits in den Monaten zuvor mehrere anspruchsvolle Einsätze bewältigt hatten. Der Leiter der Solinger Feuerwehr, Sebastian Wagner, berichtete, die Anspannung in den Gesichtern der Feuerwehrleute und Notärzte gesehen zu haben, die Wiederbelebungsmaßnahmen durchführten und schwere Blutverluste versorgten. Die Feuerwehr bot umfangreiche psychosoziale Unterstützungsprogramme für die beteiligten Einsatzkräfte an, und Wagner bestätigte, dass alle behandelten Kräfte wieder in den aktiven Einsatzdienst zurückgekehrt seien.
Alle sind wieder an Bord der Feuerwehr, alle sind wieder im Einsatz.
Forscher des ConflictA-Zentrums der Universität Bielefeld untersuchen die Reaktionen der Gemeinschaften in Solingen, Halle, Hanau und Magdeburg. Projektleiterin Mareike Wilke betonte, dass die Schaffung von Gesprächsräumen nach Gewalttaten unerlässlich sei, da es häufig zu Sekundärkonflikten über Gedenkorte, politische Aufmerksamkeit oder fehlende Kondolenzschreiben komme.


