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Regierung·vor 4 Std.

Großbritannien kündigt Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ab 2027 an

Die britische Regierung wird ab 2027 soziale Medien für Kinder unter 16 Jahren verbieten. Wie Premierminister Keir Starmer am Montag ankündigte, wird die entsprechende Gesetzgebung bis Weihnachten erwartet. Die Pläne stoßen bei Aktivisten auf Erleichterung, während Experten davor warnen, dass Kinder dadurch in dunklere Bereiche des Internets abgedrängt werden könnten.

Die Ankündigung

Am Montag stellte Premierminister Keir Starmer Pläne vor, soziale Medien für Kinder unter 16 Jahren im Vereinigten Königreich zu verbieten. Die Gesetzgebung wird bis Weihnachten erwartet, die Umsetzung soll im Frühjahr 2027 erfolgen. Die Maßnahmen betreffen Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, X (ehemals Twitter), YouTube und Reddit sowie einige Spieleplattformen und Livestreaming-Apps. Für 16- und 17-Jährige gelten zusätzliche Einschränkungen, wie etwa Ausgangssperren, während Nachrichtendienste wie WhatsApp von dem Verbot ausgenommen sein sollen.

Ich bin nicht bereit, bei der Sicherheit und dem Glück unserer Kinder Kompromisse einzugehen, und deshalb muss dieses Verbot kommen.

Aktivisten begrüßen den Schritt

Befürworter der Online-Sicherheit für Kinder reagierten positiv. Isabelle Defaut, Schöpferin des Theaterstücks „Generation Fomo“ über die Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit, bezeichnete die Nachricht als „episch“ und lobte die Regierung für ihre Unterstützung junger Menschen. Katie Finch, eine Regionalleiterin von „Smartphone Free Childhood“, nannte das Verbot eine „ausgezeichnete Nachricht und einen bedeutenden Schritt nach vorn“, der die Sicherheit von Kindern in den Mittelpunkt stelle.

Ich spreche seit zwei Jahren mit jungen Menschen, und genau das ist der Grund, warum ich das Stück gemacht habe. Zu hören, dass unsere Regierung sie unterstützen wird, ist episch.

Experten und Beamte äußern Bedenken

Nicht jeder war optimistisch. Die schottische Kinderbeauftragte Nicola Killean warnte, dass ein Verbot die Verantwortung von den Tech-Plattformen abwälzen und Kinder in riskantere Ecken des Internets treiben könnte. Sie argumentierte, dass Unternehmen gezwungen werden sollten, ihre Dienste für Minderjährige geeignet zu machen, anstatt sie einfach auszuschließen. Dr. Robyn Muir, Dozentin für Medienwissenschaften an der University of Surrey, warnte, dass ein pauschales Verbot die Entwicklung von Medienkompetenz und den offenen Dialog mit Erwachsenen untergraben könnte.

Plattformen sollten sich so verändern, dass sie für Kinder geeignet sind, anstatt Kinder einfach von ihnen auszuschließen.

Ein pauschales Verbot wird die Entwicklung von beidem nicht unterstützen.

Eltern über die Auswirkungen des Verbots gespalten

Die Reaktionen der Eltern reichten von Erleichterung bis hin zu Sorge. Eine Mutter schrieb in „The Independent“, der Vorschlag sei eine „riesige Erleichterung“, da der Verweis auf das Gesetz Diskussionen mit ihrer jungen Tochter, die bereits an YouTube hänge, ersetzen würde. Sie gab zu, iPads als „digitales Kindermädchen“ zu nutzen, und befürchtete, dass der Internetzugang Kindern ihre Kindheit raube. Eine andere Kolumnistin von „The Independent“, Vix, berichtete von der Reaktion ihrer Tochter im Teenageralter: „Jetzt werden wir nicht mehr miteinander reden können – oder irgendetwas über die Nachrichten erfahren.“ Die Tochter wies darauf hin, dass dieselbe Regierung, die bei der nächsten Wahl das Wahlalter auf 16 Jahre senken will, den Zugang zu genau den Plattformen abschneidet, auf denen politisches Engagement stattfindet. Die Labour-Partei argumentiert, dass die Senkung des Wahlalters darauf abziele, das Vertrauen der Jugend in die Demokratie wiederherzustellen – ein Ziel, das Kritiker durch ein Social-Media-Verbot als untergraben ansehen.

Internationaler Hintergrund und gesetzgeberischer Weg

Das Vereinigte Königreich folgt damit Australien, das Ende 2025 ein ähnliches Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat. Starmers Vorschlag, der als „Australien-plus“ bezeichnet wird, muss nun die parlamentarische Prüfung durchlaufen. Der Leitartikel in „The Scotsman“ begrüßte das Vorgehen, betonte jedoch, dass Social-Media-Unternehmen nicht „aus der Verantwortung entlassen“ werden dürften und dass sowohl Gesetzgebung als auch eine strikte Regulierung erforderlich seien.

Zeitplan für den Vorschlag zum Social-Media-Verbot in Großbritannien
  1. Australien führt Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein
  2. Starmer kündigt Vorschlag für britisches Verbot an
  3. Gesetzgebung bis Weihnachten erwartet
  4. Verbot tritt Anfang 2027 in Kraft
London · Edinburgh

5 Quellen

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