- 21.09.Minenexplosionen in der entmilitarisierten Zone verletzen drei südkoreanische Soldaten
- Oktober 2026Gemeinsame Untersuchung Südkoreas und des UN-Kommandos macht von Nordkorea gelegte Minen verantwortlich
- 19.10.Kim Yo Jong nennt die Grenzlage ernst und warnt vor weiteren Angriffsmitteln
- 20.10.Südkorea nennt die nordkoreanischen Vorwürfe inakzeptabel und ordnet eine entschlossene Antwort an
Pjöngjangs Grenzwarnung
Kim Yo Jong, Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, erklärte am Montag, 19. Oktober, die Lage an der Südgrenze sei ernst. In einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung sagte sie, das nordkoreanische Militär erwäge, in dem Gebiet mehr taktische Angriffsmittel zu stationieren und die Propagandasendungen über Lautsprecher wieder aufzunehmen. Welche Waffen damit gemeint sind, sagte sie nicht. Sie warf Südkorea vor, seit den Minenexplosionen eine rote Linie überschritten zu haben, und verwies auf Warnschüsse, Lautsprecherdurchsagen und den Streit über die Explosionen.
„An der Südgrenze herrscht eine ernste Lage wegen des rücksichtslosen Verhaltens der Militärbanditen der Republik Korea.“
Laut Pjöngjang feuern südkoreanische Einheiten regelmäßig Warnschüsse auf nordkoreanische Soldaten ab, die Grenzbefestigungen errichten, und berufen sich dabei auf eine angebliche Überschreitung der militärischen Demarkationslinie. In der nordkoreanischen Erklärung hieß es zudem, Seoul mache die Schüsse und die Durchsagen zum Vorwand für sein Vorgehen.
Die Zahlen und der Minenstreit
Die in der Erklärung genannten Zahlen unterscheiden sich je nach Zeitraum. Polnische Medien berichten von 201 Warnschüssen und mehr als 2.800 Lautsprecherdurchsagen von August bis Mitte Oktober, eine andere Wiedergabe der Erklärung nennt 91 Warnschüsse und 998 Durchsagen zwischen dem 1. und 17. Oktober. Auslöser des Streits waren die Explosionen vom 21. September, bei denen drei südkoreanische Soldaten innerhalb der entmilitarisierten Zone verletzt wurden. Eine gemeinsame Untersuchung Südkoreas und des UN-Kommandos kam im Oktober zu dem Schluss, dass von Nordkorea gelegte Minen die Explosionen verursacht haben. Pjöngjang weist dieses Ergebnis zurück und beschuldigt Seoul, die Untersuchungsergebnisse manipuliert zu haben.
Seouls Reaktion
Am Dienstag, 20. Oktober, nannte das südkoreanische Militär Nordkoreas Behauptung, seine rechtmäßigen operativen Maßnahmen seien eine Provokation, inakzeptabel. Ebenso wies es den Vorwurf zurück, es weise die Schuld für die Eskalation ohne Grundlage zu. Der Vorsitzende des Generalstabs, Jin Yong-sung, ordnete laut einer schriftlichen Erklärung an, das Militär solle auf jede neue nordkoreanische Provokation mit fester Entschlossenheit reagieren. Südkorea kündigte zudem an, die militärischen Operationen zu verstärken, um seine Kontrolle über die stark befestigte entmilitarisierte Zone auszubauen. Das südkoreanische Militär erklärte, nordkoreanische Soldaten hätten in diesem Jahr bei Bauarbeiten zur Befestigung 50 Mal die militärische Demarkationslinie verletzt, und man habe mit Warnschüssen und Durchsagen geantwortet.
Weitreichende Spannungen
Nordkorea, das über Atomwaffen verfügt, hatte die Waffentests in den Tagen vor Kims Erklärung ausgeweitet, darunter ein Torpedosystem neuen Typs, das nach eigenen Angaben mit künstlicher Intelligenz Ziele erkennt und verfolgt. Kim kritisierte außerdem die Regierung des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung und erklärte, sie verschärfe trotz Versprechen von Aussöhnung und Frieden die Konfrontation mit dem Norden. Beide Koreas befinden sich formal weiterhin im Krieg, weil der Konflikt von 1950 bis 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete. Nordkorea hat seit Anfang 2024 die Verminung der DMZ verstärkt, und Kim Jong Un hat Südkorea zum „Hauptfeind“ erklärt. Im Jahr 2015 verletzten Minenexplosionen, für die der Norden verantwortlich gemacht wurde, zwei südkoreanische Soldaten schwer und brachten die beiden Koreas an den Rand eines bewaffneten Konflikts, nachdem der Süden erstmals seit 11 Jahren wieder Lautsprecherdurchsagen an der Front aufgenommen hatte.