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Lokal·vor 3 Tagen

Garlasco-Mord: Sempios Verteidigung stellt DNA, Fußabdruck und Abdruck 33 mit fünf Gutachten in Frage

Die Anwälte von Andrea Sempio, dem neuen Verdächtigen im Mordfall Chiara Poggi 2007, haben fünf technische Gutachten eingereicht, die die wichtigsten Beweise der Staatsanwaltschaft widerlegen – von der DNA unter den Fingernägeln des Opfers bis zur Schuhgröße des Täters.

Die Gegenoffensive des neuen Verdächtigen

Andrea Sempio, ein 38-jähriger Verkäufer, wird wegen des Mordes an Chiara Poggi am 13. August 2007 in Garlasco untersucht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Pavia ihre Ermittlungen am 7. Mai abgeschlossen hatte, reichte sein Verteidigungsteam am 25. Mai 2026 fünf Sachverständigengutachten ein, die jeden Pfeiler des neuen Falls in Frage stellen. Die Anwälte Liborio Cataliotti und Angela Taccia erklärten, dass Sempio vor einer Voruntersuchung keine Fragen der Staatsanwälte beantworten werde, da die technischen Daten für sich selbst sprächen.

Wie kann Sempios Fuß, der 12 Zentimeter breit ist, in einen Schuh passen, der maximal 9,5 Zentimeter breit ist?

Der Schuhabdruck, der nicht passt

Die Staatsanwaltschaft hält daran fest, dass der Täter einen Frau-Schuh mit Margom-Sohle in Größe 42 trug, eine Tatsache, die in den Prozessen gegen Alberto Stasi als sicher festgestellt wurde. Die Verteidigung bestreitet nicht das Schuhmodell, argumentiert jedoch, dass Sempios Fuß physisch nicht hineinpasst. 3D-Scans vom 24. Oktober 2025 zeigen, dass sein Fuß unter Belastung zwischen 11,5 und 12 Zentimetern breit ist. Die Gutachter berechneten, dass der Innenraum des Frau/Margom-Schuhs der Größe 42 maximal 9,2 Zentimeter beträgt, was es unmöglich macht, dass Sempio die blutigen Fußabdrücke hinterlassen hat.

Sempios Fußbreite vs. innerer Raum des Frau/Margom-Schuhs Größe 42 · cm
Sempios Fußbreite (unter Belastung)
12 cm
Maximale innere Schuhbreite
9.2 cm

DNA unter den Fingernägeln: 'fragil und unvollständig'

Der Bericht der Genetikerin Marina Baldi greift die DNA-Beweise unter Chiara Poggis Fingernägeln an. Sie bezeichnet das Y-Chromosom-Haplotyp, das Sempio zugeschrieben wird, als technisch schwach, bestehend aus gemischten, unvollständigen und nicht vollständig konsolidierten Profilen. Baldi merkt an, dass die Daten keinen individualisierenden Wert im Vergleich zu einem vollständigen autosomalen Profil haben und angesichts mehrerer Beitragszahler mit äußerster Vorsicht interpretiert werden müssen.

Der Fund von Y-Haplotyp-Komponenten, die angeblich mit Andrea Sempio unter zwei Fingernägeln des Opfers kompatibel sind, kann derzeit nicht als Beweis für direkten aggressiven Kontakt angesehen werden.

Der Bericht hebt auch das Vorhandensein eines weiteren, nicht identifizierten männlichen Y-Profils an einem anderen Finger hervor und argumentiert, dass das subunguale Material genetisch nicht einzigartig sei und es nicht möglich sei, nur die angeblich mit dem Verdächtigen kompatible Komponente auszuwählen, während andere männliche Beiträge ignoriert würden. Alternative Erklärungen wie Hintergrund-DNA, sekundäre Übertragung, Kontamination oder Manipulation der Beweisstücke bleiben offen.

Der umstrittene Abdruck 33

Ein weiteres Schlüsselbeweisstück ist Abdruck 33, eine Spur einer rechten Hand an der Wand der Innentreppe, wo die Leiche gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft schreibt diesen Abdruck Sempio zu und platziert ihn am Tatort. Der Verteidigungsgutachter Armando Palmegiani argumentiert, dass der Abdruck nicht genügend identifizierende Details aufweise und für Identifikationszwecke nicht verwendet werden könne. Er hinterfragt, warum die Gutachter der Staatsanwaltschaft angelsächsische technische Standards heranzogen, um die Zuschreibung zu rechtfertigen, wenn sie wirklich glaubten, dass die Anzahl der übereinstimmenden Merkmalspunkte ausreichend sei.

Die im analysierten Abdruck vorhandenen Elemente erlauben es, seine Verwendbarkeit für Identifikationszwecke auszuschließen.

Selbstgespräche und virtuelle Dialoge

Die Verteidigung befasste sich auch mit den Aufnahmen im Auto, in denen Sempio mit sich selbst spricht. Die Anwälte argumentieren, dass es sich um virtuelle Dialoge handelt, in denen er systematisch die direkte Rede und das Präsens Indikativ verwendet und sich hypothetische Verhöre vorstellt und Antworten auf mögliche Anschuldigungen formuliert. Sie zitieren ein Selbstgespräch vom 12. Mai 2025 und behaupten, es beziehe sich nicht auf seine Beteiligung an der Tat, sondern auf ein hypothetisches Verhör von Alberto Stasi.

Wichtige Daten der neuen Garlasco-Ermittlungen
  1. Chiara Poggi wird in Garlasco ermordet.
  2. 3D-Scans von Andrea Sempios Füßen werden durchgeführt.
  3. Staatsanwaltschaft teilt Sempio den Abschluss der Ermittlungen mit.
  4. Verteidigung reicht fünf Sachverständigengutachten ein, die die Beweise der Staatsanwaltschaft anfechten.

Was als Nächstes kommt

Die Ermittlungen befinden sich nun in der Abschlussphase. Die Verteidigung hat klargestellt, dass Sempio sich nicht von den Staatsanwälten Stefano Civardi, Valentina De Stefano und Giuliana Rizza vernehmen lassen wird, sondern seinen Fall lieber vor einem Untersuchungsrichter darlegen wird. Cataliotti sagte gegenüber Open, dass die technischen Berichte erdrückend seien, insbesondere der über die Schuhe, und dass Sempio nichts zu erklären habe, da er nie am Tatort gewesen sei.

Garlasco · Pavia

8 Quellen

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