
Manzambi-Doppelpack: Schweiz besiegt Bosnien 4:1 und übernimmt Kontrolle in Gruppe B
Der eingewechselte Johan Manzambi traf mit einem Doppelpack im furiosen Schlussspurt und führte die Schweiz im SoFi Stadium zu einem 4:1-Erfolg gegen Bosnien und Herzegowina, womit sie vor dem Einzug ins Achtelfinale der WM steht.
Die Schweiz brach den Widerstand eines hartnäckigen bosnischen Teams mit vier Toren in den letzten 16 Minuten und verwandelte ein angespanntes Duell in Gruppe B in einen souveränen Sieg in Inglewood, Kalifornien.
Der Durchbruch
73 Minuten lang war das Spiel ein Lehrstück in Frustration für die Schweizer. Sie dominierten den Ballbesitz, erspielten sich aber wenig klare Torchancen, ähnlich wie beim 1:1-Unentschieden gegen Katar eine Woche zuvor. Dan Ndoyes Fallrückzieher wurde von Nikola Vasilj glänzend pariert, allerdings stand die Fahne wegen Abseits. Auf der anderen Seite zwang Amar Dedic Gregor Kobel mit einem Weitschuss zu einer Streckparade.
Der Knoten platzte, als Trainer Murat Yakin in der 71. Minute Johan Manzambi brachte. Drei Minuten später nahm der 20-Jährige eine schwache Abwehr von Amar Memic per Kopf mit einem perfekten Volley und jagte den Ball an Vasilj vorbei, was den Schweizer Block der 70.026 Zuschauer in Jubel ausbrechen ließ.
Die späte Lawine
Bosniens Aufgabe wurde unmöglich, als Tarik Muharemovic in der 80. Minute die Rote Karte sah, weil er Breel Embolo als letzter Mann zu Fall gebracht hatte. Die Schweiz ließ keine Zeit verstreichen, um die Überzahl zu nutzen. Ruben Vargas erhöhte vier Minuten später mit einem flachen Abschluss ins lange Eck auf 2:0. Manzambi legte in der 90. Minute seinen zweiten Treffer nach, als er einen Pass von Vargas einschob, und Kapitän Granit Xhaka verwandelte mit dem letzten Angriff des Spiels einen Elfmeter zum 4:1.
Ermin Mahmic hatte in der vierten Minute der Nachspielzeit kurzzeitig den Anschlusstreffer für Bosnien erzielt, aber die Partie war bereits entschieden.
- 71. Minute: Manzambi kommt für Ndoye ins Spiel
- 74. Minute: Manzambi trifft per Volley zur Führung
- 80. Minute: Muharemovic erhält wegen Fouls als letzter Mann die Rote Karte
- 84. Minute: Vargas erhöht auf 2:0
- 90. Minute: Manzambi erzielt seinen zweiten Treffer
- 90+4': Mahmic gelingt Anschlusstreffer für Bosnien
- 90+?': Xhaka verwandelt Elfmeter zum 4:1
Manzambis Moment
Manzambi war der unbestrittene Katalysator. Der Mittelfeldspieler von Freiburg, geboren in Genf als Sohn angolanischer und kongolesischer Eltern, kam beim Stand von 0:0 aufs Feld und verließ es mit seinen ersten WM-Toren, einer Auszeichnung zum Spieler des Spiels und einer Leistung, die die Frage aufwirft, warum er die ersten 71 Minuten auf der Bank verbracht hatte. Nach sieben Bundesliga-Toren und neun Vorlagen in dieser Saison sowie einer Europa-League-Vizemeister-Medaille mit Freiburg war er bereits für eine Startelf-Rolle gehandelt worden.
Es ist ein Traum. Dass ich bei der Weltmeisterschaft spielen, zwei Tore schießen und Spieler des Spiels sein kann. Ich werde heute Nacht nicht schlafen.
Die Ausgangslage in Gruppe B
Die Schweiz hat nun vier Punkte aus zwei Spielen, nach dem Unentschieden gegen Katar folgte diese Vier-Tore-Vorstellung. Ein weiterer Punkt gegen Kanada am Mittwoch in Vancouver würde den Einzug entweder als Gruppensieger oder als Gruppenzweiter in die Runde der letzten 32 garantieren. Bosnien hat einen Punkt und trifft in Seattle auf Katar – die Mannschaft hat noch eine reelle Chance, sich bei ihrer erst zweiten WM-Teilnahme für die K.o.-Runde zu qualifizieren.
Kantige Stimmung in der Kabine
Xhaka hatte seine Teamkollegen nach dem Unentschieden gegen Katar öffentlich kritisiert, und seine Stimmung nach dem Spiel blieb scharf. Seinen Elfmeter in der Nachspielzeit bejubelte er mit einer deutlichen Geste in Richtung seiner Kritiker.
Es kommt immer anders rüber, wenn ich etwas sage. Aber es ist okay, ich weiß das. Was zählt, ist, dass die Mannschaft hinter mir steht. Alles andere hat mich noch nie interessiert.
Verteidiger Manuel Akanji, der Vargas geraten hatte, das Tor von Luis Díaz zu kopieren, nachdem er am Tag zuvor im Physioraum das Kolumbien-Spiel gesehen hatte, lobte die Geduld, die die Schweiz davor bewahrte, sich vor dem späten Sturmlauf zu weit nach vorne zu wagen. Die Kombination aus der Ausdauer der Startelf und der Frische der Einwechselspieler, so sagte er, habe Bosnien mürbe gemacht und den Unterschied ausgemacht.

