
Schweizer Referendum gegen neue Atomkraftwerke sichert über 125.000 Unterschriften
Aktivisten in der Schweiz haben mehr als 125.000 Unterschriften gesammelt, um eine nationale Abstimmung gegen den Parlamentsbeschluss zu erzwingen, das Verbot des Baus neuer Atomkraftwerke aufzuheben.
Unterschriftensammlung übertrifft Hürde
Die Schweizer Kampagne gegen den Bau neuer Atomkraftwerke sammelte in drei Monaten über 125.000 Unterschriften, mehr als das Doppelte der gesetzlichen Anforderung für eine nationale Abstimmung. Nach den schweizerischen Verfassungsregeln muss jede bundesstaatliche Gesetzesänderung einer landesweiten Volksabstimmung unterzogen werden, wenn mindestens 50.000 Bürger beglaubigte Unterschriften vorlegen. Die Anti-Atom-Koalition startete ihre Unterschriftensammlung am 30. Juni 2026 und bestätigte die Zahl am 19. September 2026, nach ersten Berichten der Zeitung Tages-Anzeiger. Die Aktivisten erreichten die Hürde mit fast drei Wochen verbleibender Zeit vor dem offiziellen Ende des Sammelfensters. Das Bündnis wird die Unterschriften am 6. Oktober 2026 der Bundeskanzlei übergeben.
- Erforderliche Hürde
- 50000 Unterschriften
- Gesammelte Unterschriften
- 125000 Unterschriften
Parlamentarischer Konflikt um das Atomverbot
Das Referendum richtet sich gegen ein Gesetz, das die Bundesversammlung in ihrer Sommersession im Juni 2026 verabschiedet hat. Das Parlament billigte einen indirekten Gegenentwurf zur Volksinitiative 'Strom für alle jederzeit (Stopp dem Blackout)'. Diese Gesetzesmaßnahme hob das gesetzliche Verbot der Schweiz zum Bau neuer Atomkraftwerke auf, eine Einschränkung, die im vorherigen Energiegesetz des Landes festgelegt war. Nach der knappen Parlamentsabstimmung zogen die ursprünglichen Initiatoren ihre Initiative bedingt zurück und erklärten, dass der Parlamentsbeschluss ihr Ziel der Aufhebung des Verbots erreicht habe. Als Reaktion mobilisierten Umweltorganisationen und linke Abgeordnete sofort, um die Gesetzesentscheidung anzufechten.
Das Referendumskomitee erklärte, der Bundesrat und die Abgeordneten hätten frühere demokratische Entscheidungen missachtet.
Der Erfolg dieser Unterschriftensammlung zeigt, dass die Bevölkerung die Rückkehr der Atomenergie ablehnt, eine teure und gefährliche Technologie, die unsere Abhängigkeit von Uranimporten, insbesondere aus Russland, verstärkt.
Breites politisches und ökologisches Bündnis
Das Bündnis 'Nein zu neuen Atomkraftwerken' vereint die regierende Sozialdemokratische Partei, die oppositionellen Grünen, die Grünliberale Partei und Teile der Partei Die Mitte. Im Gegensatz dazu ist die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei der Hauptbefürworter des Baus neuer Reaktoren. Die Anti-Atom-Koalition umfasst zudem rund 30 zivilgesellschaftliche Gruppen, darunter Greenpeace Schweiz, die Schweizerische Energie-Stiftung, WWF, Swissolar, Pro Natura und die Verkehrs- und Umweltvereinigung. Die Koalition betont, dass die Schweiz ihren Energiebedarf zunehmend durch heimische Solar-, Wind- und Wasserkraft deckt, was Atomenergie sowohl finanziell als auch ökologisch überflüssig mache.
Demokratischer Präzedenzfall und nächste Schritte
Gegner der Atommaßnahme weisen darauf hin, dass die Schweizer Wähler in drei separaten nationalen Abstimmungen durchweg eine auf erneuerbare Energien ausgerichtete Energiewende unterstützt haben. Die Stimmberechtigten hatten zuvor die Energiestrategie 2050 im Jahr 2017, das Klimaschutzgesetz im Jahr 2023 und das Stromgesetz im Jahr 2024 gebilligt. Die Koalition argumentiert, dass die Aufhebung des Atomverbots diese etablierten Volksmandate missachtet. Nach der formellen Übergabe der Unterschriften am 6. Oktober 2026 wird die Bundeskanzlei die Einreichungen prüfen. Wenn die erforderliche Hürde offiziell bestätigt wird, entscheiden die Schweizer Stimmberechtigten an der Urne über die Gesetzesänderung. Der frühestmögliche Termin für das Referendum ist der 28. Februar 2027.
- Schweizer Stimmberechtigte billigen die Energiestrategie 2050 zum Ausstieg aus der Atomkraft
- Stimmvolk verabschiedet das Klimaschutzgesetz
- Stimmberechtigte billigen das Stromgesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien
- Parlament verabschiedet indirekten Gegenentwurf zur Aufhebung des Atombaustopps
- Referendumskampagne gegen neue Atomkraftwerke wird gestartet
- Koalition bestätigt Sammlung von über 125.000 Unterschriften
- Geplante Einreichung der Unterschriften bei der Bundeskanzlei
- Frühestmöglicher Termin für die landesweite Referendumsabstimmung


