
Schweden kehrt Bargeldpflicht um: Geschäfte müssen ab 1. Juli Banknoten akzeptieren
Lebensmittelgeschäfte und Apotheken müssen nun Bargeld akzeptieren, da Schweden nach Sicherheitswarnungen von einer nahezu bargeldlosen Gesellschaft abrückt, um die Krisenvorsorge zu stärken.
Schweden schreibt Bargeldannahme vor
Ab dem 1. Juli 2026 sind Lebensmittelgeschäfte und Apotheken in Schweden gesetzlich verpflichtet, Bargeldzahlungen zu akzeptieren. Die Pflicht gilt für Transaktionen bis zu etwa 5.920 Kronen (0,1 des Basisbetrags von 2026). Einzelhändler können Zahlungen mit mehr als 25 Münzen pro Transaktion ablehnen, und es gelten Ausnahmen, wenn der Bargeldumgang das Personal gefährden könnte. Die Regelung ist Teil einer breiteren Initiative, um den Zugang zu lebensnotwendigen Gütern und Medikamenten bei Systemausfällen sicherzustellen.
- Riksbank beginnt mit Tests der digitalen Währung E-Krone
- E-Krone-Projekt nach der groß angelegten Invasion Russlands in der Ukraine ausgesetzt
- Riksbank empfiehlt Haushalten, 1.000 SEK pro Erwachsenem in bar zu halten
- Neues Gesetz verpflichtet Lebensmittelgeschäfte und Apotheken zur Bargeldannahme
Vorstoß der Zentralbank zur Krisenvorsorge
Das neue Gesetz folgt einer Empfehlung der Sveriges Riksbank vom März 2026, dass jeder Erwachsene mindestens 1.000 Kronen (etwa 90 Euro) in bar zu Hause aufbewahren sollte. Die Zentralbank riet den Haushalten, mehrere Zahlungsmethoden zu nutzen und mindestens zwei Karten verschiedener Netzwerke zu besitzen. Sie eröffnete zudem zwei zusätzliche Bargelddepots, um die Geldversorgung zu sichern.
Jeder Haushalt sollte mindestens 1.000 Kronen pro Erwachsenem in bar für Notfälle bereithalten.
Banken sind nun verpflichtet, Bareinlagen von Privatpersonen und Unternehmen anzunehmen, und Kartenterminals müssen temporäre Offline-Zahlungen bei Netzwerkausfällen unterstützen.
Vom bargeldlosen Vorreiter zum Mahnmal
Schweden war eine der am stärksten digitalisierten Volkswirtschaften der Welt: Über 90 % der Transaktionen im Einzelhandel erfolgen bargeldlos. Der Bargeldumlauf betrug 2023 nur 0,9 % des BIP, verglichen mit knapp 12 % in Polen. Nur 71 % der Einzelhändler akzeptierten Bargeld, und 40 % der Unternehmen, die Banknoten abgeschafft haben, taten dies in den letzten fünf Jahren. Die Behörden warnen nun, dass die vollständige Abhängigkeit von elektronischen Systemen anfällig für Cyberangriffe, Stromausfälle und Krieg macht.
- Schweden
- 0.9 % des BIP
- Polen
- 12 % des BIP
E-Krone auf Eis
Die Reise des Landes zu einer digitalen Zentralbankwährung, der E-Krone, wurde 2023 nach der groß angelegten Invasion Russlands in der Ukraine gestoppt. Die Riksbank hatte seit 2017 Tests durchgeführt, aber die Invasion zeigte, dass physisches Bargeld für gesellschaftliche Funktionen in einer Krise weiterhin unverzichtbar ist. Das E-Krone-Projekt bleibt ausgesetzt.
Breitere Integrations- und Sozialregeln
Neben den Bargeldvorschriften führte Schweden am 1. Juli weitere Maßnahmen ein. Die Behörden werden künftig Ehen zwischen nahen Verwandten, die im Ausland geschlossen wurden, nicht mehr anerkennen. Pflegeheimpersonal muss Schwedischkenntnisse nachweisen. Sozialhilfeempfänger, die arbeitsfähig sind, müssen nach drei Monaten Bezug eine Arbeit suchen oder an Aktivierungsprogrammen teilnehmen.


