
Schwarz Group plant 5,6-Milliarden-Euro-Rechenzentrum in Mecklenburg-Vorpommern
Der Lidl-Eigentümer wird in Dummerstorf bei Rostock eine 240-Megawatt-Computereinrichtung bauen, die mit Ostsee-Windenergie betrieben und bis 2027 an das Netz angeschlossen sein soll.
Investitionspläne und technische Kapazität
Der deutsche Handelskonzern Schwarz Group hat angekündigt, bis 2033 bis zu 5,6 Milliarden Euro für den Bau eines großen Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock zu investieren. Die Anlage soll in der ersten Phase eine Rechenleistung von 240 Megawatt erreichen, mit einer möglichen Erweiterung auf bis zu ein Gigawatt bis 2045. Das Unternehmen rechnet mit 120 Dauerarbeitsplätzen am Standort sowie regionalen Aufträgen für Handwerker und die Bauwirtschaft während der Bauphase. Die Anlage folgt auf ein 11-Milliarden-Euro-Rechenzentrumsprojekt, das der Konzern 2025 in Lübbenau (Brandenburg) angekündigt hatte. Die Rechenleistung wird zunächst unternehmenseigene Daten aus Lieferketten, Zahlungstransaktionen und Treueprogrammen der 14.200 Lidl- und Kaufland-Filialen verarbeiten, bevor sie für externe europäische Kunden skaliert wird.
- Schwarz Group kündigt 11-Milliarden-Euro-Rechenzentrum in Lübbenau an
- Schwarz Group kündigt 5,6-Milliarden-Euro-Projekt in Dummerstorf in Schwerin an
- Geplanter Baubeginn des Rechenzentrums in Dummerstorf
- Geplanter Abschluss der ersten Ausbaustufe mit 240 Megawatt
- Mögliche Erweiterung des Standorts Dummerstorf auf ein Gigawatt
Energieanbindung und Umwelttechnik
Die Verfügbarkeit von Netzanschlüssen bestimmte die Standortwahl in Norddeutschland, wo Onshore- und Offshore-Windparks Überschussstrom erzeugen. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat den Anschluss an das 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetz zugesagt, sodass der Bau 2027 beginnen kann. In traditionellen deutschen Rechenzentrumsstandorten wie Frankfurt müssen Betreiber mit Wartezeiten von bis zu zehn Jahren für vergleichbare Netzanschlüsse rechnen. Der lokale Stromverbrauch wird zudem Grünstrom aufnehmen, den die Netzbetreiber sonst bei schwacher Übertragungskapazität abregeln müssten. Zur Ressourcenschonung verfügt der Standort über ein geschlossenes Wasserkühlsystem und eine unterzeichnete Absichtserklärung mit den Stadtwerken Rostock zur Einspeisung der Serverabwärme in das Fernwärmenetz. Bernie Wagner erläuterte die regionale Infrastrukturlogik, die Daten statt Strom verlagert.
Wir haben es in Deutschland beim Ausbau der Energietrassen verbockt. Jetzt ist es einfacher, Daten über Glasfaser in den Süden zu bringen, als darauf zu warten, dass dort Stromleitungen gebaut werden.
Europäische Cloud-Strategie und Unternehmenswachstum
Das Dummerstorf-Projekt erweitert die technische Präsenz der Schwarz Digits KG, der IT-Sparte des Handelskonzerns. Die Schwarz Group erzielte einen Gesamtjahresumsatz von 185,6 Milliarden Euro mit weltweit mehr als 600.000 Beschäftigten. Im Geschäftsjahr, das Ende Februar endete, erwirtschaftete Schwarz Digits einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 16 % im Jahresvergleich entspricht, angetrieben durch die Nachfrage nach Cloud-Diensten. Die Sparte agiert als IT-Dienstleister mit Cloud-Plattformen und Cybersicherheit und strebt eine Positionierung als europäische Alternative zu US-Hyperscalern wie Amazon Web Services und Microsoft Azure an. Konzernvertreter erklärten, dass die Unterbringung von Dateninfrastruktur unter deutscher Rechtshoheit die öffentliche Daseinsvorsorge vor ausländischen Abhängigkeiten schütze. Gerd Chrzanowski erläuterte die Unternehmenslogik bei der Projektvorstellung.
Wir wollen, dass digitale Souveränität und digitale Wertschöpfung wieder in Deutschland und Europa stattfinden.
- Dummerstorf (bis 2033)
- 5.6 €B
- Lübbenau (2025 angekündigt)
- 11 €B
Politischer Zeitpunkt und regionale Wirkung
Das Projekt wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Schwerin mit der Führung der Schwarz Group und Landesvertretern offiziell vorgestellt. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig präsentierte die Investition als Schritt zur Verringerung der Abhängigkeit von nichteuropäischen Rechenzentren. Die Ankündigung erfolgt vor der Landtagswahl im September, bei der Schwesigs SPD in Umfragen hinter dem AfD-Kandidaten Leif-Erik Holm zurückliegt. Die Landesregierung erwartet, dass der Großverbraucher die lokale Netzökonomie stabilisiert, indem er die kostspielige Abregelung von Küstenwindkraftanlagen reduziert.


