
Zivilpolizisten an katalanischen Schulen: Pilotprojekt nach Lehrerprotesten und Infiltrationsskandal gestoppt
Innenrätin Núria Parlon erklärte, der Plan, unbewaffnete Mossos-Agenten an weiterführenden Schulen einzusetzen, sei auf Eis gelegt. Sie machte dafür den ‚unpassenden‘ Zeitpunkt während Bildungsstreiks verantwortlich und bestätigte interne Ermittlungen zu Agenten, die sich bei einer Gewerkschaftsversammlung als Lehrer ausgegeben hatten.
Ein umstrittenes Pilotprojekt
Die Generalitat hatte ein Pilotprojekt gestartet, um zivile Mossos d’Esquadra-Agenten an 14 weiterführenden Schulen einzusetzen – eine Maßnahme, die auf sofortigen Widerstand von Lehrkräften, Familien und Schülern stieß. Innenrätin Núria Parlon erklärte nun, die Initiative befinde sich in ‚vía de parálisis‘ und argumentierte, sie sei ‚zu einem völlig unpassenden Zeitpunkt aufgetaucht‘. Der um den Sant Jordi herum angekündigte Plan, der in eine Welle von Bildungsstreiks fiel, sollte das Zusammenleben und die Sicherheit stärken, nicht aber Überwachung betreiben. Die Agenten sollten unbewaffnet sein, ohne festes Büro arbeiten und nur nach Absprache mit den Schulleitungen tätig werden.
Wachsender Widerstand
Mindestens vier der ursprünglich 14 ausgewählten Zentren zogen sich zurück, nachdem ihr Lehrpersonal gegen den Plan gestimmt hatte. Die Gewerkschaften lehnten das Projekt kategorisch ab und forderten stattdessen mehr Psychologen, Sozialpädagogen und Pädagogen. Das Pilotprojekt startete am 28. April mit Protesten vor mehreren teilnehmenden Schulen in LʼHospitalet, Vic, Tàrrega, El Prat de Llobregat und Sabadell.
Tenemos que ver si realmente lo vamos a reanudar en un futuro cuando ya se haya resuelto el conflicto, ver si tiene sentido hacerlo. Nosotros creemos que sí.
Infiltration einer Lehrerversammlung
Die Spannungen verschärften sich, nachdem zwei Mossos-Agenten im vergangenen Monat versucht hatten, als Lehrer getarnt an einer Ustec-Gewerkschaftsversammlung im Institut Pau Claris in Barcelona teilzunehmen. Parlon bezeichnete das Vorgehen als ‚torpe y mal enfocada‘ und bestätigte, dass ein internes Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, um Informationen für ein verwaltungsrechtliches Verfahren zu sammeln, das von Bildungsgewerkschaften angestrengt wurde.
- Der Pilotplan wird am Sant Jordi angekündigt, mitten in einer Welle von Bildungsstreiks.
- Das Pilotprojekt startet mit 14 Zentren, begleitet von Protesten aus der Bildungsgemeinschaft.
- Innenrätin Núria Parlon erklärt, der Plan befinde sich in einer ‚Parálisis‘; seine Zukunft hänge von der Beilegung der Branchenkonflikte ab.
Verteidigung der Idee, nicht des Zeitpunkts
Trotz des Stopps verteidigte Parlon das Konzept und betonte, es sei nicht in einem Büro entstanden, sondern aus der lokalen Polizeipraxis und den kommunalen Bedürfnissen heraus. Sie stellte klar, dass die Agenten niemals Klassenräume patrouillieren oder Durchsuchungen durchführen sollten, sondern nur dann Konflikte lösen helfen sollten, wenn sie darum gebeten wurden. Die Bildungsabteilung hatte darauf bestanden, dass die Agenten keine Waffen tragen, keine Uniform tragen und keinen eigenen Arbeitsraum in den Schulen haben würden.
Hintergrund steigender Schulvorfälle
In diesem Schuljahr wurden in katalanischen Schulen mehr als 5.300 Situationen mit potenzieller Gewalt registriert, darunter Mobbing, Aggressionen und Diskriminierung. Die Generalitat hatte argumentiert, das Pilotprojekt sei ein notwendiger Schritt zur Unterstützung von Sicherheit und Wohlbefinden gewesen. Da der Plan nun gestoppt ist und kein Zeitplan für eine Wiederaufnahme existiert, bleibt die Bildungsgemeinschaft gespalten zwischen Ängsten vor einer Versicherheitlichung und Forderungen nach mehr sozialpädagogischem Personal.


