
Schule in Gent nach Drohungen geräumt, Polizei nimmt 15-jährigen Verdächtigen fest
Rund 850 Schüler wurden am Freitag aus dem Richtpunt-Campus in Gent evakuiert, nachdem Schuss- und Bombendrohungen über ein gehacktes Schülerkonto verschickt worden waren. Die Polizei nahm einen 15-jährigen Verdächtigen fest.
Drohungen an Lehrkräfte
Am Morgen des Freitags, 11. September 2026, erhielten Lehrkräfte des Richtpunt-Campus an der Henleykaai in Gent elektronische Drohungen, die vor einem unmittelbar bevorstehenden Schusswaffenangriff und einem Bombenanschlag warnten. Die Warnungen wurden über Nacht und am frühen Morgen über die digitale Kommunikationsplattform Smartschool verbreitet, die in flämischen Schulen weit verbreitet ist. Die Polizei von Gent erhielt ihre erste Meldung über den Vorfall gegen 09:15 Uhr, nachdem die Schulleitung die eingehenden Nachrichten entdeckt hatte.
Die Provinzbehörden Ostflanderns teilten mit, dass mehrere Lehrer E-Mails in ihren Postfächern fanden, die vor einem für den Morgen geplanten Schusswaffenangriff auf dem Campus warnten. Eine zweite Nachricht enthielt eine Bombendrohung gegen das Gebäude. Der ostflandrische Provinzialdeputierte für Bildung, Kurt Moens, erklärte, die Regionalverwaltung gehe davon aus, dass das persönliche Smartschool-Konto eines Schülers von einem Unbefugten gehackt worden sei, um die Warnungen zu versenden.
Evakuierung des Henleykaai-Campus
Nach der Benachrichtigung der Strafverfolgungsbehörden leitete die Schulleitung die Evakuierung von etwa 850 Schülern aus den Campusgebäuden in der Nähe des Genter Hauptbahnhofs ein. Die Aktion verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Volljährige Schüler der Provinzschule durften direkt nach Hause fahren, während die Eltern minderjähriger Schüler über das Notfallverfahren informiert wurden.
Minderjährige wurden vom Schulgelände gebracht und in nahegelegenen Kultureinrichtungen untergebracht, darunter der Konzertsaal des Musikzentrums De Bijloke und das benachbarte Stadtmuseum STAM. Die Polizei von Gent entsandte sowohl Ermittlungseinheiten als auch lokale Streifenbeamte und sperrte die angrenzenden Straßen rund um die Henleykaai ab. Aus Sicherheitsgründen ordneten die Behörden zudem die vollständige Evakuierung des angrenzenden Erwachsenenbildungszentrums Centrum voor Volwassenenonderwijs an, solange der Sperrkreis aufrechterhalten wurde.
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Durchsuchung mit Spürhunden und Festnahme eines Minderjährigen
Einsatzkräfte und spezialisierte Polizeieinheiten durchsuchten den gesamten Bildungskomplex Gebäude für Gebäude und setzten Sprengstoffspürhunde ein, um Klassenzimmer, Flure und Gemeinschaftseinrichtungen zu überprüfen. Die Ermittler fanden während der stundenlangen Durchsuchung keine Sprengkörper, Schusswaffen oder andere verdächtige Gegenstände.
Die Polizei hob den Sicherheitsbereich um die Bildungseinrichtungen offiziell um etwa 14:30 Uhr auf. Schüler und Lehrkräfte durften den Richtpunt-Campus gegen 15:00 Uhr wieder betreten. Am Nachmittag gab die Staatsanwaltschaft Ostflanderns bekannt, dass die Ermittler einen 15-jährigen Verdächtigen identifiziert und festgenommen hätten. Der Minderjährige wurde in Gewahrsam genommen, um formell zu Herkunft und Verbreitung der Drohungen befragt zu werden.
Regionaler politischer Kontext und Reaktion der Provinz
Kurt Moens äußerte sich zur Entscheidung, die Schule zu evakuieren, und stellte fest, dass die Provinzbehörden nach Eingang der Meldungen sofort gehandelt hätten.
Die Evakuierung verlief reibungslos. Wir haben die Situation von Anfang an ernst genommen.
Der Vorfall ereignete sich eine Woche, nachdem der Richtpunt-Campus aufgrund einer neu erlassenen Kleiderordnung in die regionale Schlagzeilen geraten war. Zu Beginn des Schuljahres hatte die Provinz Ostflandern überarbeitete Neutralitätsrichtlinien für alle ihre Provinzbildungseinrichtungen eingeführt, die sichtbare Zeichen religiöser, politischer oder weltanschaulicher Überzeugungen, einschließlich Kopftücher, verbieten. Die Weisung war auf Kritik und Einwände von Lehrkräften und Schülern gestoßen. Moens erklärte, es gebe keine Hinweise in den Drohungen, die den Vorfall mit den Neutralitätsvorschriften in Verbindung brächten, die polizeilichen Ermittlungen zum Motiv seien jedoch noch im Gange.


