
Deutscher Ex-Minister Scheuer muss sich wegen angeblicher Falschaussage im Pkw-Maut-Desaster vor Gericht verantworten
Ein Berliner Gericht hat die Anklage gegen den ehemaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zugelassen. Er soll vor einem Untersuchungsausschuss zum gescheiterten Pkw-Maut-Projekt gelogen haben, das den Staat 243 Millionen Euro kostete.
Der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) muss sich wegen des Vorwurfs der uneidlichen Falschaussage vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss verantworten, nachdem das Landgericht Berlin die Anklage zugelassen hat. Der Fall geht auf das Scheitern der Pkw-Maut zurück – ein Prestigeprojekt der CSU in der damaligen großen Koalition, das der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Juni 2019 für rechtswidrig erklärte.
Die Anklagepunkte
Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen vor, vor dem Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags gelogen zu haben. Mitangeklagt ist der frühere Staatssekretär Gerhard Schulz. Laut Anklageschrift hätten beide Männer „wissentlich falsche Angaben“ gemacht, als sie gefragt wurden, ob die Mautbetreiber bei einem Treffen am 29. November 2018 angeboten hätten, die Vertragsunterzeichnung bis nach dem EuGH-Urteil zu verschieben. Die Staatsanwaltschaft erklärt, beide hätten „entgegen ihrer tatsächlichen Erinnerung“ angegeben, sich an ein solches Verschiebungsangebot nicht erinnern zu können.
Entgegen ihrer tatsächlichen Erinnerung gaben sie an, sich an ein solches Verschiebungsangebot nicht erinnern zu können.
Die Reaktion der Angeklagten
Scheuer weist den Vorwurf zurück. Sein Anwalt Daniel Krause erklärte im August, als die Anklage bekannt wurde, sein Mandant „wehre sich energisch“ gegen den Vorwurf. Auch der frühere Staatssekretär Schulz bestreitet die Anschuldigung, wie sowohl aus Verteidiger- als auch aus Anklagekreisen übereinstimmend verlautet.
Mein Mandant wehrt sich energisch gegen den Vorwurf.
Zeitleiste des Maut-Desasters
Die Pkw-Maut wurde vom EuGH im Juni 2019 für illegal erklärt. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss nahm im Dezember 2019 seine Arbeit auf und schloss sie im Sommer 2021 ab. Hauptkritikpunkt war, dass Scheuer die Betreiberverträge für die Maut bereits Ende 2018 unterzeichnet hatte, bevor endgültige Rechtssicherheit durch den EuGH bestand. Der deutsche Staat musste später im Rahmen eines Schiedsspruchs 243 Millionen Euro Schadensersatz an die vorgesehenen Betreiber zahlen.
- Treffen, bei dem Betreiber angeblich anboten, die Vertragsunterzeichnung bis nach dem EuGH-Urteil zu verschieben
- Scheuer unterzeichnet Betreiberverträge vor endgültiger EuGH-Rechtssicherheit
- Europäischer Gerichtshof erklärt Pkw-Maut für rechtswidrig
- Parlamentarischer Untersuchungsausschuss beginnt seine Arbeit
- Untersuchungsausschuss schließt seine Ermittlungen ab
- Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen Scheuer und Schulz wegen des Verdachts der falschen Aussage ein
- Scheuer legt sein Bundestagsmandat nieder
- Landgericht Berlin lässt Anklage zu; Prozess steht bevor
Wie es weitergeht
Wann der Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer beginnt, ist noch offen. Das Gericht befindet sich noch in Gesprächen mit den Beteiligten, so eine Gerichtssprecherin. Scheuer legte sein Bundestagsmandat im April 2024 nieder und gründete seitdem eine Beratungsfirma.


