Matthias Sammer drängt den künftigen DFB-Chef Per Mertesacker zu mutigen Reformen
Der frühere DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hat den designierten Sportgeschäftsführer Per Mertesacker auf einem Podium in München aufgefordert, bei der Neuausrichtung der deutschen Fußballentwicklung entschieden Führung zu übernehmen.
Sammers Erwartungen an Mertesacker
Der frühere Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), Matthias Sammer, hat auf der Podiumsdiskussion Sky Sport Impuls am 30. September 2026 in München hohe Erwartungen an den künftigen Sportgeschäftsführer Per Mertesacker formuliert. Sammer, der 1996 mit Deutschland Europameister wurde und von 2006 bis 2012 als DFB-Sportdirektor tätig war, bezeichnete den Weltmeister von 2014 als zentrale Figur, die die Zukunft des deutschen Fußballs lenken müsse. Bei der Veranstaltung mit dem Titel „Viel Talent, wenig Weltklasse – wie gut bilden wir aus? Wege aus dem Dilemma des deutschen Fußballs“ erklärte der 59-Jährige, Mertesacker verfüge über die physische Präsenz, die fußballerische Herkunft und die Klarheit, um innerhalb des Verbands Autorität aufzubauen. Sammer betonte, die Führung des Sportbereichs erfordere unnachgiebige Entschlossenheit, und merkte an, institutioneller Widerstand gehöre zu dieser Aufgabe dazu.
Er ist groß, er hat breite Schultern, er ist Weltmeister. Und jetzt muss er den Mut haben, das konzeptionell verständlich darzustellen, und dann muss er seine Ideen verteidigen.
Abstimmung mit Klopp und Wolf
Sammer äußerte Zuversicht in eine Führungsgruppe, die Mertesacker mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp und dem Sportdirektor für den Nachwuchs, Hannes Wolf, zusammenbringt. Laut Sammer haben Wolf im Juniorenbereich und Klopp bei der A-Nationalmannschaft bereits strukturelle Leitlinien gesetzt, die Mertesacker nun zum Abschluss bringen müsse. Sammer lobte Mertesackers sachlichen und analytischen Ansatz und argumentierte, der deutsche Fußball brauche starke Führung, die klare Entscheidungen treffen könne.
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Sammer fügte hinzu, Mertesacker müsse sich innerhalb des Verbands gnadenlos durchsetzen; gelinge es ihm nicht, die notwendigen Veränderungen durchzusetzen, beweise das, dass er die falsche Besetzung gewesen sei.
Forderung nach vereinfachter Nachwuchsarbeit
Mit Blick auf den Zustand der Spielerausbildung argumentierte Sammer, der moderne deutsche Fußball habe seine Trainingsmethoden überkompliziert und seinen Wettkampfmut verloren. Der Berater von Borussia Dortmund kritisierte übermäßige Verwaltungsdokumente und beharrte darauf, dass strukturelle Reformen mit einfachen Grundsätzen statt mit bürokratischen Handbüchern erreicht werden könnten. Sammer forderte Vereine und Trainer auf, zu den Grundlagen, zu intensiven körperlichen Einheiten und zu hohen mentalen Standards zurückzukehren.
Wir brauchen kein Konzept mit 400 Seiten, wir brauchen ein Konzept mit einer Seite.
Sammer diagnostizierte eine breitere kulturelle Zögerlichkeit im heimischen Fußball und erklärte, der deutsche Fußball sei ängstlich statt mutig geworden. Er betonte, die Verbesserung der Ausbildung sei einfach, wenn sich die Vereine zu höheren Trainingsumfängen und größerer Intensität verpflichteten.
Hürden beim Übergang von Nachwuchsspielern
Sammer räumte die operativen Schwierigkeiten ein, mit denen deutsche Vereine beim Übergang von Teenagern aus den Nachwuchsakademien in die Profimannschaften konfrontiert sind. Er erkannte zwar die Lücke zwischen Altersklassenwettbewerben und dem Profispiel an, hielt aber daran fest, dass die persönliche Widerstandskraft für aufstrebende Spieler der entscheidende Faktor bleibt. Er betonte, die Vereine müssten in ihren Ausbildungswegen mehr Willenskraft fördern. Abschließend erklärte er, wer nicht die Entschlossenheit habe, sich auf Profiniveau durchzusetzen, sei für die höchste Spielklasse grundsätzlich ungeeignet.


