
Sambia wählt bei Parlamentswahlen – Amtsinhaber Hichilema trotz Lebenshaltungskosten-Frust favorisiert
Die Sambier gehen am Donnerstag zu den Parlamentswahlen, bei denen Präsident Hakainde Hichilema gute Chancen auf eine zweite Amtszeit hat – doch Frust über die Lebenshaltungskosten und eine zersplitterte Opposition machen den Ausgang unsicher.
Wirtschaftliche Bilanz auf dem Spiel
Sambias 22 Millionen Einwohner wählen am Donnerstag gleichzeitig den Präsidenten, das Parlament und die Kommunalvertretungen. Präsident Hakainde Hichilema, der 2021 bei seinem sechsten Anlauf gewann, strebt eine zweite fünfjährige Amtszeit an und tritt gegen 13 weitere Kandidaten an. Der 64-jährige Geschäftsmann verweist auf eine makroökonomische Wende: die Umschuldung nach dem Staatsbankrott von 2020, ein wiederhergestelltes IWF-Programm und ein prognostiziertes Wachstum von fünf Prozent in diesem Jahr. Die Inflation sank laut offiziellen Angaben im Juni auf 6,5 Prozent (nach anderen Berichten im April auf 6,8 Prozent), und der Kwacha hat an Wert gewonnen.
- Sambia erklärt während der Covid-19-Pandemie Zahlungsunfähigkeit bei seinen Staatsanleihen
- Hichilema gewinnt die Präsidentschaft bei seinem sechsten Anlauf und besiegt Edgar Lungu
- Der frühere Präsident Edgar Lungu stirbt in Südafrika
- Wahlkommission kündigt 70 neue Wahlkreise an, Parlamentssitze steigen auf 226
- Brian Mundubile tritt unter der neu gegründeten NRPUP ins Präsidentschaftsrennen ein
- Südafrikas Oberster Berufungsgerichtshof entscheidet im Beerdigungsstreit zugunsten der Familie Lungu
- Sambier wählen gleichzeitig Präsident, Parlament und Kommunalvertretungen
Doch die Vorteile bleiben für viele unerreichbar. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben nach Weltbankangaben von weniger als drei Dollar am Tag, die Arbeitslosigkeit liegt bei rund zehn Prozent. Viele Haushalte kommen mit Monatsgehältern zwischen 60 und 100 Dollar aus, während die Lebensmittelpreise weiter steigen. Die Streichung der Subventionen für Strom und Treibstoff hat die Haushaltsausgaben erhöht, und eine Dürre im Jahr 2024 – die schlimmste seit Jahrzehnten – lähmte die Landwirtschaft und erzwang schwere Stromabschaltungen, bevor sich die Wirtschaft 2026 dank Rekordmaisernten erholte.
Eine zersplitterte Opposition
Hichilemas wichtigster Herausforderer ist Brian Mundubile, ein 55-jähriger Buchhalter, Anwalt und ehemaliger Minister in der Patriotischen Front, die von 2011 bis 2021 regierte. Mundubile führt das Tonse-Bündnis der Oppositionsparteien und tritt für die neu gegründete NRPUP an, die ihre Basis weitgehend aus der früheren Regierungspartei bezieht. Er stieg erst im Mai ins Rennen ein, sodass ihm wenig Zeit blieb, um bei den Wählern bekannt zu werden, die auch ihr Parlament wählen.
Die Opposition ist durch interne Spaltungen geschwächt. Der Analyst Euston Chiputa merkte an, eine ernsthafte Schwäche sei, dass das Oppositionslager zersplittert sei: In manchen Orten stünden Kandidaten von Mundubiles Partei und solche seines Running Mates gegeneinander an. Lee Habasonda, Politikwissenschaftler an der Universität von Sambia, sagte, die Opposition habe weiterhin Rückhalt in Lusaka und der Kupfergürtel-Provinz, wo viele Wähler registriert seien, fügte aber hinzu, dass der Wettbewerb anders verlaufen wäre, wenn sich die Opposition früher auf einen Kandidaten geeinigt hätte.
Mundubile erklärte am Mittwoch gegenüber AFP, die Regierung habe seine Kampagne durch Polizeieingriffe, Gewalt von Anhängern der Regierungspartei und gestrichene Fluggenehmigungen behindert, die ihn daran hinderten, in den Provinzen Kundgebungen abzuhalten.
Eine Wahl ist ein Prozess, kein Ereignis. Und der Prozess, den wir gerade durchgemacht haben, kann nur zu einem einzigen Schluss führen: Die Wahl wird weder frei noch fair sein.
Der Schatten von Edgar Lungu
Der Streit zwischen Hichilema und seinem Vorgänger Edgar Lungu, der im Juni 2025 in Südafrika starb, wirft weiterhin einen Schatten auf die Wahl. Sambias Regierung zog vor Gericht, um Lungus Familie die Beerdigung zu verbieten; im Juni 2026 entschied das südafrikanische Berufungsgericht zugunsten der Familie und hob eine frühere Entscheidung des Obergerichts auf, die der Regierung recht gegeben hatte. Mundubiles Running Mate Makebi Zulu fungierte während des Beerdigungsstreits als Sprecher der Familie Lungu, und im Wahlkampf wurde versprochen, Lungus Leichnam für ein würdevolles Begräbnis nach Sambia zurückzuholen.
Christopher Vandome, Senior Research Fellow bei Chatham House, sagte, der Umgang mit dem Tod habe in der sambischen Gesellschaft eine tiefe Bedeutung.
Selbst Hichilema-Anhänger wollen, dass Verstorbenen der gebührende Respekt erwiesen wird. Wenn es chaotisch wirkt, lässt das den Amtsinhaber nur respektlos erscheinen.
Bedenken zur Fairness und Wahlmechanik
Das Tonse-Bündnis wirft Hichilema vor, autoritäre Methoden anzuwenden, darunter Razzien in seinen Büros und die Festnahme von 36 Mitgliedern von Mundubiles Team. Hichilemas Team wies die Vorwürfe zurück und wies darauf hin, dass der Oppositionsführer 2021 15-mal verhaftet worden sei, Medien geschlossen und das Internet am Wahltag abgeschaltet worden seien. Transparency International Sambia hat Vorfälle registriert, bei denen die Polizei Oppositionskundgebungen unterbrach. Freedom House bewertet Sambia als „teilweise frei“ und stellt fest, dass Oppositionsparteien mit erheblichen rechtlichen und praktischen Hindernissen für einen fairen Wettbewerb konfrontiert seien.
- Vorher
- 156 Sitze
- Nachher
- 226 Sitze
Die Wahlkommission gab im April bekannt, dass 70 neue Wahlkreise hinzugefügt würden, wodurch die Zahl der Parlamentssitze von 156 auf 226 steigt. Bis zu 8,7 Millionen Wähler werden erwartet, die Mehrheit davon Frauen. Ein Präsidentschaftskandidat muss im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, andernfalls kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten.


