
Gericht in Lissabon spricht Ex-BES-Chef Ricardo Salgado im Bestechungsfall Banco do Brasil frei
Das Zentrale Strafgericht Lissabon sah keine ausreichenden Beweise dafür, dass Salgado 1,8 Millionen Dollar an einen ehemaligen Vizepräsidenten der Banco do Brasil gezahlt hatte, um eine Kreditlinie von 200 Millionen Dollar für die Banco Espírito Santo zu erhalten, die 2014 zusammenbrach.
Das Urteil
Am Montag, dem 20. Juli 2026, sprach das Zentrale Strafgericht Lissabon alle Angeklagten, darunter den ehemaligen Präsidenten der Banco Espírito Santo (BES), Ricardo Salgado, in einem Fall mutmaßlicher Korruption eines ehemaligen Vizepräsidenten der Banco do Brasil frei. Das Gericht befand, dass die Staatsanwaltschaft keine ausreichenden Beweise für die Vorwürfe der Bestechung im internationalen Handel und der Geldwäsche vorgelegt hatte. Der Prozess hatte am 20. Mai 2025 begonnen. Der ehemalige Banco-do-Brasil-Beamte Allan Simões Toledo war in diesem Verfahren nicht Angeklagter.
Die Vorwürfe
Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Salgado, zwischen 2011 und 2014 ein System orchestriert zu haben, bei dem er 1,8 Millionen Dollar (etwa 15,7 Millionen Euro zum aktuellen Wechselkurs) über Offshore-Gesellschaften an Toledo zahlte. Die Zahlung soll über ein Konto bei der ES Bankers in Dubai erfolgt sein, das auf den Namen der Travbell Assets, SA lautete, einer Offshore-Gesellschaft, die von Paulo Murta, einem Aktionär und Angestellten der ICG Wealth Management, einer Firma mit engen Verbindungen zu Salgado, gegründet worden war. Im Gegenzug genehmigte die Banco do Brasil eine Kreditlinie von 200 Millionen Dollar (fast 175 Millionen Euro) für die BES, als die portugiesische Bank bereits in schweren finanziellen Schwierigkeiten steckte. Die BES brach 2014 zusammen.
Salgados Gesundheit und Verteidigung
Ricardo Salgado, der an Alzheimer leidet, ist von den Gerichten als unfähig eingestuft worden, ein Urteil zu verstehen oder zu verbüßen. Sein Anwalt Francisco Proença de Carvalho sagte Reportern vor dem Campus de Justiça, Salgado „hätte nicht vor Gericht gestellt werden sollen“, weil er „nicht einmal weiß, dass er diesen Sieg errungen hat.“
Er ist in einem Zustand der Demenz und konnte daher seine Verteidigung nicht in einer minimal normalen Weise ausüben.
Proença de Carvalho bezeichnete die Anklage als „unbegründete Beschuldigung“, die von einer „rein persönlichen Überzeugung“ eines Teils der Staatsanwaltschaft getrieben sei, die sich auf „eine Art Wettbewerb der Anschuldigungen“ eingelassen habe. Er fügte hinzu, dass, da Salgado „als Alzheimer- und demenzkrank anerkannt ist, die Diskussion der Fakten absolut irrelevant ist.“ Der Anwalt argumentierte auch, dass Salgado „vom portugiesischen Staat einer absolut erniedrigenden Behandlung ausgesetzt wird“ und dass „jeder Prozess, insbesondere ab 2021, ein ungerechter Prozess ist.“
Was als Nächstes kommt
Der Freispruch ist rechtskräftig, es sei denn, die Staatsanwaltschaft entscheidet sich für eine Berufung. Angesichts von Salgados Gesundheitszustand würden weitere Verfahren wahrscheinlich auf dieselben rechtlichen Hindernisse stoßen. Der Fall ist einer von mehreren Rechtsstreitigkeiten, in die der ehemalige BES-Chef verwickelt ist, dessen Bankenzusammenbruch 2014 eine Rettungsaktion in Höhe von 4,9 Milliarden Euro und jahrelange Gerichtsverfahren auslöste.
- Angeblich korrupte Handlungen: Salgado soll 1,8 Mio. Dollar gezahlt haben, um eine Kreditlinie von 200 Mio. Dollar für die BES zu erhalten
- Prozessbeginn am Zentralen Strafgericht Lissabon
- Gericht spricht alle Angeklagten mangels Beweisen frei


