Sachsen ehrt Königsbrücker Schüler für die Erhaltung 200 Jahre alter Kamelien
Schüler der Arthur-Kießling-Oberschule erhielten am Tag des offenen Denkmals den sächsischen Jugenddenkmalpreis für die Entwicklung von Führungen zu Europas ältesten gruppierten Kamelien nördlich der Alpen.
Auszeichnung für lebendiges botanisches Erbe
Der Freistaat Sachsen hat seinen jährlichen Kinder- und Jugenddenkmalpreis im Rahmen der Eröffnung des Europäischen Tags des offenen Denkmals in Hainichen verliehen. Die Ehrung 2026 ging an Schüler der Arthur-Kießling-Oberschule in Königsbrück für ihr Erhaltungsprojekt auf Schloss Königsbrück. Das Schülerteam konzentrierte sich auf drei rund 200 Jahre alte Kamelienpflanzen im Schlossgewächshaus. Botaniker und Denkmalschutzbehörden betrachten diese drei Exemplare als die ältesten gruppierten Kamelien Europas nördlich der Alpen – ein seltenes botanisches Denkmal. Der Freistaat verbindet die jährliche Feier der Denkmalpflege mit der offiziellen Anerkennung ehrenamtlicher Erhaltungsarbeit in ganz Sachsen.
Zugängliche Führungen und Jugendeinsatz
Die Oberschüler recherchierten die Herkunft und den gärtnerischen Hintergrund der Pflanzen und organisierten öffentliche Führungen. Ihr Programm umfasste spezielle Sinnesführungen, die speziell auf sehbehinderte Besucher zugeschnitten waren und ihnen die Gewächshaussammlung erlebbar machten. Regina Kraushaar, Sächsische Staatsministerin für Infrastruktur und Regionalentwicklung, lobte die Schule dafür, dass sie zeige, dass Denkmalpflege auch in die lebendige Biologie hineinreiche. Kraushaar betonte, die Schüler hätten eine rechtlich geschützte Pflanzensammlung durch nachhaltige ehrenamtliche Arbeit in ein zugängliches Stück lebendigen Kulturerbes verwandelt.
Genau das würdigen wir mit dem Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis: junge Menschen, die sich kreativ und nachhaltig ehrenamtlich mit Denkmalschutz und -pflege befassen und damit ein Vorbild für andere sind.
Sachsens 250-jährige Kamelientradition
Landeskonservator Alf Furkert, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, sprach über die regionale Bedeutung der Kamelienkultur in Sachsen. Sachsen weist eine dokumentierte Geschichte des Kamelienanbaus von über 250 Jahren auf und erlangte frühe europäische Bedeutung in Zucht und Verbreitung. Furkert erklärte, dass die Blütenpflanzen ursprünglich als exklusive Statussymbole dem europäischen Adel und der gehobenen Bourgeoisie vorbehalten waren. Der kommerzielle Handel weitete sich erheblich aus, nachdem sächsische Gärtner die Anbaumethoden für breitere Märkte verfeinert hatten.
Kamelien galten lange als kostbares Privileg des Adels und des gehobenen Bürgertums. Dass ihre Zucht und ihr Handel eine solche globale Bedeutung erlangten, ist vor allem der sächsischen Gärtnerdynastie um Jacob Friedrich Seidel zu verdanken.
Sachsen beherbergt weiterhin einige der ältesten und bedeutendsten Kameliensammlungen Deutschlands. Wichtige botanische Bestände sind an vier Hauptstandorten erhalten: Schlosspark Pillnitz, Roßwein, Schloss Zuschendorf und das Gewächshaus in Königsbrück.
- Sachsen beginnt eine Tradition der Kamelienzucht, die später von der Dynastie Seidel fortgeführt wird
- Drei Kamelien werden im Gewächshaus von Schloss Königsbrück angesiedelt
- Sachsen führt den jährlichen Kinder- und Jugenddenkmalpreis ein
- Die Arthur-Kießling-Oberschule erhält den Jugenddenkmalpreis in Hainichen
Das Pegasus-Programm und der Tag des offenen Denkmals
Der Sächsische Kinder- und Jugenddenkmalpreis wird seit 2012 jährlich während der offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten zum Tag des offenen Denkmals verliehen. Die Auszeichnung würdigt bürgerschaftliches Engagement im Rahmen der sächsischen Bildungsinitiative „Pegasus – Schulen adoptieren Denkmale“. Die ausgezeichneten Schulklassen erhalten sowohl materielle Ressourcen als auch Geldpreise zur Unterstützung ihrer weiteren Erhaltungsarbeit. Der bundesweite Tag des offenen Denkmals steht in diesem Jahr unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Das Programm lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf Einrichtungen, Stätten und Netzwerke, die Gemeinschaften durch kulturelles Erbe verbinden.


