Saarland reformiert Förderschulen: Informatik wird Pflicht, mittlerer Bildungsabschluss hinzugefügt
Das saarländische Kabinett hat eine umfassende Verordnung für die 40 Förderschulen des Landes verabschiedet, die ab dem 1. August 2026 verbindlichen Informatikunterricht und die Möglichkeit zum Erwerb des mittleren Bildungsabschlusses vorsieht. Die Reform reagiert auf eine wachsende und zunehmend komplexere Schülerschaft.
Was sich für die saarländischen Förderschulen ändert
Eine neue Verordnung, die am 16. Juni vom Ministerrat verabschiedet wurde und am 1. August 2026 in Kraft treten soll, bringt mehrere strukturelle Veränderungen für die sonderpädagogische Förderung im Saarland. Schulen dürfen künftig mehrere Förderschwerpunkte an einem Standort anbieten, sodass Kinder auch bei sich änderndem Förderbedarf in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Informatik wird an fast allen Förderschulen zum Pflichtfach, während einzelne Schulen mehr Spielraum erhalten, eigene Schwerpunkte in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Gesundheit oder Berufsorientierung zu setzen.
Neue Wege zu Abschlüssen
Erstmals können Schüler an bestimmten Förderschulen neben dem bestehenden Hauptschulabschluss auch den mittleren Bildungsabschluss erwerben. Für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wird erstmals eine verbindliche Stundentafel eingeführt, und ein „individuelles sonderpädagogisches Angebot“ ermöglicht gezielte Fördermaßnahmen während des Schultags. Ein Klassenrat wird in allen Jahrgangsstufen verpflichtend, um die Demokratieerziehung und Partizipation zu stärken.
Reaktion auf steigende Nachfrage
Die Reform ist eine Reaktion auf steigende Schülerzahlen und komplexere Förderbedarfe. Derzeit besuchen 4.103 Schüler eine der 40 Förderschulen im Saarland. Allein im laufenden Schuljahr wurden 201 neue Schüler aufgenommen, ein Anstieg von 5,2 Prozent, und das Ministerium erwartet nach den Sommerferien einen ähnlichen Zuwachs.
Ministerin: Durchlässigkeit und Inklusion als Ziel
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot betonte, dass die Verordnung darauf abziele, das System durchlässiger zu machen. Schüler sollen zunehmend die Möglichkeit haben, eine Förderschule nur vorübergehend zu besuchen und dann an eine Regelschule zurückzukehren.
Wir wollen, dass Regelschulen und Förderschulen noch enger zusammenrücken. Durchlässigkeit, inklusive Bildung und das Ziel, Abschlüsse erwerben zu können, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, gehören zusammen.


