
Ukrainischer Auslandsgeheimdienst: Russland erwägt bis 2045 direkten Konflikt mit Polen
Der ukrainische Auslandsgeheimdienst (SZRU) erklärt, Moskau halte einen direkten Zusammenstoß mit Polen und den baltischen Staaten bis 2045 für eine realistische Option, während hybride Kriegsführung vorerst sein wichtigstes Instrument bleibe.
Hybrider Krieg jetzt, direkter Konflikt als Szenario
Der ukrainische Auslandsgeheimdienst (SZRU) hat am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, einen Bericht veröffentlicht, in dem er zu dem Schluss kommt, dass Russland Szenarien für eine direkte militärische Konfrontation mit Polen, den baltischen Staaten und Nordeuropa entwickelt. Der Behörde zufolge bleibt hybride Kriegsführung vorerst das wichtigste Instrument des Kremls, doch Moskau betrachtet eine direkte Konfrontation mit Europa bis 2045 als eine realistische Variante. Die Szenarien würden demnach unter Berücksichtigung der Stimmung in der russischen Öffentlichkeit ausgearbeitet. Der Bericht besagt, dass Moskau sich vor allem auf Sabotage und hybride Operationen konzentriert, ein konventioneller Konflikt mit Polen jedoch weiterhin in Betracht gezogen wird, insbesondere in den kommenden zwei Jahrzehnten.
Fast 400 Agenten und eine Krise an der Ostflanke
Laut SZRU befinden sich derzeit fast 400 Mitarbeiter russischer Sonderdienste in Europa, die mit Sabotage, Cyberangriffen und Spionage beauftragt sind. Die Behörde erklärt, diese Mitarbeiter loteten systematisch die Grenzen des aus, was die NATO tolerieren werde, und blieben unter der Schwelle, die eine militärische Reaktion auslösen würde. Die Behörde erklärt zudem, Russland könne eine regionale Krise an der NATO-Ostflanke anstreben. Ziel wäre demnach nicht, das Bündnis militärisch zu besiegen, sondern seine angebliche Unfähigkeit zu zeigen, schnell zu reagieren und seine Mitglieder kollektiv zu verteidigen. Der ukrainische Geheimdienst stellt dies als Mittel dar, die Glaubwürdigkeit des Bündnisses zu untergraben, statt es frontal zu bekämpfen.
Russlands Sicht auf Europa und die russische öffentliche Meinung
SZRU zitiert Daten des European Council on Foreign Relations (ECFR), denen zufolge Russen das Vereinigte Königreich, Frankreich, Deutschland, Polen, Finnland und die baltischen Staaten als wichtigste unfreundliche Länder nennen. Die Behörde zitiert außerdem eine Umfrage, in der 61 % der russischen Befragten der Ansicht sind, die Zeit für Verhandlungen sei gekommen. In derselben Umfrage sagen 59 %, die Aggression solle verstärkt werden, falls die Gespräche scheitern.
- Zeit für Verhandlungen ist gekommen
- 61 %
- Aggression verstärken, falls Gespräche scheitern
- 59 %
Deutschland und Estland warnen
Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Martin Jaeger, sagte in einer öffentlichen Anhörung im Bundestag, Deutschland könne in eine direkte militärische Konfrontation mit Russland hineingezogen werden. Als Beispiel nannte er einen versuchten Drohnenangriff nahe dem Flughafen Leipzig/Halle, den die deutschen Strafverfolgungsbehörden mit einer breiteren Kampagne aus Sabotage, Cyberangriffen und weiteren Russland zugeschriebenen hybriden Operationen in Verbindung bringen. Estnische Militärbefehlshaber und Geheimdienstvertreter erwarten derzeit nicht, dass Russland innerhalb der nächsten zwei Jahre einen groß angelegten Krieg gegen die NATO beginnt. Sie befürchten jedoch eine begrenzte Operation, etwa den Versuch, einen Teil des estnischen Territoriums zu besetzen, um die Bereitschaft der NATO zu testen, Artikel 5 des Nordatlantikvertrags anzuwenden. Die estnischen Behörden erklären, die Lage könne sich nach dem Ende des Krieges in der Ukraine erheblich verschärfen, wenn Russland Zehntausende erfahrene Soldaten nach Westen verlegen könnte, während seine Rüstungsindustrie weiter Waffen produziert.
Abschreckung und die lange Sicht
Der ukrainische Geheimdienst betont, dass Russland sich auf eine langwierige Konfrontation mit dem Westen vorbereitet. Seiner Einschätzung nach sind der Schutz der Ostgrenze Europas und die Unterstützung der Ukraine zentrale Elemente einer Strategie zur Abschreckung des gemeinsamen Feindes. Der Bericht stellt Sabotage und hybride Operationen weiterhin in den Mittelpunkt der aktuellen russischen Aktivitäten, während ein direkter Konflikt als längerfristige Möglichkeit und nicht als unmittelbare Gefahr behandelt wird.

