
Russland beginnt dreitägige Duma-Wahlen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und mit Veteranen-Kandidaten
Russland begann am 18. September mit der Wahl von 450 Sitzen in der Staatsduma und 11 Regionalgouverneuren. Es ist die erste Parlamentswahl seit der Invasion der Ukraine 2022, die sowohl auf russischem Territorium als auch in besetzten Gebieten stattfindet.
Dreitägige Kriegswahl
Am 18. September begann in Russland eine dreitägige Parlamentswahl zur Erneuerung aller 450 Sitze in der Staatsduma und zur Wahl von Gouverneuren in 11 Regionen. Die Wahllokale sind von 08:00 bis 20:00 Uhr Ortszeit bis Sonntag, den 20. September, geöffnet. 111 Millionen Wahlberechtigte, darunter Bewohner besetzter ukrainischer Gebiete, sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Das staatliche Meinungsforschungsinstitut VTsIOM prognostiziert Einiges Russland einen Stimmenanteil von knapp 50 %, womit die Partei ihre verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit behalten würde. Die Behörden förderten die Wahlbeteiligung mit Anreizen wie digitalen Preisgutscheinen im Wert zwischen 10 und 500 Euro. Der Kreml setzte stark auf die elektronische Fernwahl; über 1,8 Millionen Moskauer nahmen in den ersten sieben Stunden online teil, und die digitale Wahlbeteiligung unter den registrierten elektronischen Wählern lag bei über 50 %. Präsident Wladimir Putin, Ministerpräsident Michail Mischustin, Außenminister Sergej Lawrow und Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin gaben ihre Stimme online ab.
- Russischer Auslandsgeheimdienst behauptet europäische Destabilisierungspläne gegen die Duma-Wahl
- Wahllokale öffnen in ganz Russland und in besetzten ukrainischen Gebieten
- Wahlbeteiligung am ersten Tag erreicht 21,58 %, während Luftabwehr über Nacht über 600 Drohnen abschießt
- Planmäßige Schließung der Wahllokale in allen russischen Wahlbezirken
Kriegsrahmen und Veteranen-Kandidaturen
Die Parlamentswahl ist die erste seit Beginn der groß angelegten Invasion der Ukraine im Februar 2022. Zehn der elf registrierten Parteien unterstützen offen den Militärfeldzug, was die Wahl zu einer Bestätigung der Regierungspolitik macht. Einiges Russland, das nach der Wahl 2021 324 Sitze innehatte, stellte etwa 400 Kandidaten aus einer landesweiten Gesamtzahl von mehr als 4.400 Bewerbern auf. Rund 200 Kandidaten von Einiges Russland und der Liberal-Demokratischen Partei sind Militärveteranen, die in der Ukraine gedient haben. Die Regierungspartei setzte zudem hochkarätige Loyalisten auf ihre Listen, darunter den Kriegsberichterstatter des Staatsfernsehens, Jewgeni Poddubny, der an der Front von einer ukrainischen Drohne verletzt wurde. Vor der Wahl rief Wladimir Putin die Bürger auf, ihre Stimme zur Unterstützung der Streitkräfte abzugeben.
Ihre Stimme wird zeigen, dass Millionen Menschen unsere Soldaten unterstützen; dass wir ein geeintes Volk sind.
Drohnenalarme und Sicherheitsoperationen
Die Abstimmung begann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen; Polizei und bewaffnete Kräfte mit Maschinenpistolen bewachten die Wahllokale. Russische Verteidigungsbeamte meldeten, dass in der Nacht vor Öffnung der Wahllokale über 600 ukrainische Drohnen über dem europäischen Teil des Landes abgefangen wurden. Die Moskauer Stadtverwaltung gab an, 32 Drohnen auf dem Weg in die Hauptstadt mit 13 Millionen Einwohnern abgeschossen zu haben. In der Schwarzmeerstadt Sotschi stellten mehrere Wahllokale nach regionalen Drohnenalarmen vorübergehend den Betrieb ein. Die Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, bestritt, dass die Wahl-IT-Infrastruktur verletzt worden sei, und erklärte, Techniker hätten während der vorzeitigen Stimmabgabe mehrere Cyber-Bedrohungen abgewehrt. Vor der Wahl beschuldigte der russische Auslandsgeheimdienst die Länder der Europäischen Union, Operationen zur Destabilisierung der Wahl vorzubereiten.
Oppositionsverbote und rechtliche Unterdrückung
Die unabhängige Wahlbeobachterorganisation Golos dokumentierte ein Umfeld ohne politischen Wettbewerb, nachdem sie als unerwünschte Organisation eingestuft und ihr Direktor Grigori Melkonjanz inhaftiert worden war. Kriegsgegnerische Fraktionen waren vollständig ausgeschlossen; die Partei Jabloko und der unabhängige Politiker Boris Nadeschdin wurden von der Kandidatur ausgeschlossen. Laut einer Untersuchung des Lewada-Zentrums befürworten sechs von zehn Russen Friedensverhandlungen mit der Ukraine, dennoch wurde keine Anti-Kriegs-Plattform zur Wahl zugelassen. Stanislaw Andreitschuk von Golos merkte an, dass echte Wahlen breitere strukturelle Freiheiten erfordern.
Zu diesen Prinzipien gehören nicht nur eine faire Stimmenauszählung, sondern vor allem die Achtung der Grundrechte und -freiheiten: Meinungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Freizügigkeit sowie der Grundsatz der Gleichberechtigung von Kandidaten und Parteien.
Daten der Menschenrechtsorganisation OVD-Info zeigen, dass 2.188 politische Gefangene in russischen Gefängnissen festgehalten werden. Die Gruppe verzeichnete außerdem 5.044 Personen, die wegen ihrer Äußerungen strafrechtlich verfolgt werden, sowie 22.871 als Extremisten gelistete Bürger und 1.265 als ausländische Agenten eingestufte Personen.
- Extremistenregister
- 22871
- Strafverfahren
- 5044
- Politische Gefangene
- 2188
- Ausländische Agenten
- 1265


