
Russische Drohne trifft Wohnhaus in NATO-Staat Rumänien, zwei Verletzte und scharfe Kritik der EU- und NATO-Führung
Eine russische Kamikaze-Drohne hat in der Nacht zum 29. Mai 2026 ein Wohnhaus in der rumänischen Stadt Galați getroffen, zwei Menschen verletzt und einen Brand ausgelöst. Behörden sprechen von einer schwerwiegenden Eskalation des Ukraine-Krieges auf NATO-Territorium.
Eine russische Kamikaze-Drohne vom Typ Geran-2, eine Variante der Shahed, ist in der Nacht zum 29. Mai 2026 in ein zehnstöckiges Wohnhaus in Galați im Osten Rumäniens eingeschlagen. Der Einschlag verursachte eine Explosion und einen Brand, der eine Wohnung im zehnten Stock erfasste. Zwei Menschen wurden leicht verletzt und ins Krankenhaus gebracht, zwei weitere erlitten Panikattacken und wurden vor Ort behandelt. Das Gebäude wurde von den Rettungskräften evakuiert.
Unmittelbare militärische Reaktion
Vor dem Angriff waren Luftalarme in den Kreisen Brăila, Tulcea und Galați ausgerufen worden. Das rumänische Verteidigungsministerium alarmierte zwei F-16-Kampfjets und einen Militärhubschrauber, deren Piloten die Erlaubnis hatten, das Objekt abzuschießen. General Gheorghe Maxim erklärte jedoch auf einer Pressekonferenz, dass der Armee nur vier Minuten vom Eindringen der Drohne in den rumänischen Luftraum bis zum Einschlag zur Verfügung standen – zu wenig Zeit, um das Ziel zu entdecken, zu klassifizieren und zu zerstören. Er wies zudem darauf hin, dass Rumänien Drohnen nicht über dem Luftraum eines anderen Landes abfangen könne und seine bodengestützten Luftabwehrsysteme, die vor 2023 konzipiert wurden, modernisierungsbedürftig seien.
Politische Verurteilung und diplomatische Folgen
Der rumänische Präsident Nicușor Dan berief für 11:00 Uhr den Obersten Rat für Landesverteidigung ein und erklärte, Rumänien werde „die Verlagerung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf seine Bürger in keiner Weise akzeptieren.“ Außenministerin Oana Toiu bestellte den russischen Botschafter ein und bezeichnete den Vorfall als „schwerwiegende und verantwortungslose Eskalation seitens der Russischen Föderation“ und „schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht und den rumänischen Luftraum.“ Sie bestätigte, dass Rumänien die EU-Mitgliedstaaten, Verbündete und den NATO-Generalsekretär informiert und eine beschleunigte Übergabe von Drohnenabwehrsystemen an das Land gefordert habe.
Rumänien ist NATO-Mitglied und wird die Verlagerung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf seine Bürger in keiner Weise akzeptieren. Die beispiellose Natur dieses Ereignisses erfordert eine entschlossene, koordinierte und verhältnismäßige Reaktion auf nationaler, verbündeter und internationaler Ebene.
Internationale Reaktionen
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, erklärte, dass „der Angriffskrieg Russlands eine weitere Grenze überschritten hat“ und kündigte an, dass die EU ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland vorbereite. Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, verurteilte die „rücksichtslose und verantwortungslose Eskalation russischer Aktionen auf EU-Territorium.“ NATO-Sprecherin Allison Hart verurteilte die „Rücksichtslosigkeit“ Russlands und versicherte, dass die NATO ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen, einschließlich Drohnen, weiter verstärken werde. Der polnische Vizepremierminister Radosław Sikorski drückte seine Solidarität mit Rumänien aus und bezeichnete den Vorfall als eine weitere „gefährliche“ Warnung für die NATO. Auch die moldauische Präsidentin Maia Sandu und die litauische Premierministerin Inga Ruginienė sprachen ihre entschiedene Unterstützung aus, wobei Ruginienė die dringende Notwendigkeit betonte, die NATO-Ostflanke zu stärken.
Der Angriffskrieg Russlands hat eine weitere Grenze überschritten. Eine russische Drohne hat ein dicht besiedeltes Gebiet in Rumänien angegriffen und Zivilisten verletzt. Auf dem Territorium der Europäischen Union. Wir stehen in voller Solidarität mit Rumänien und seinem Volk.
Ein Muster von Luftraumverletzungen
Dies ist der schwerwiegendste Vorfall mit russischen Kampfdrohnen auf NATO-Territorium seit Februar 2022, aber er ist kein Einzelfall. Das rumänische Verteidigungsministerium berichtete, dass es seit Kriegsbeginn 47 Fälle von russischen Drohnentrümmern auf rumänischem Boden gegeben habe, davon allein zwölf im Jahr 2026. Der rumänische Luftraum wurde 28 Mal verletzt. Ähnliche Vorfälle haben andere an die Ukraine angrenzende Länder betroffen, darunter Polen, Litauen, Lettland und Estland, die oft im Zusammenhang mit russischem GPS-Stören und -Spoofing stehen. Als Reaktion darauf bereitet die NATO die Stationierung von Elementen ihres integrierten Luft- und Raketenabwehrsystems in Rumänien im Rahmen der im Herbst 2025 gestarteten Operation Eastern Sentry vor.
- Trümmer russischer Shahed-Drohnen in der Nähe von Plauru, Rumänien, gegenüber dem ukrainischen Hafen Ismajil gefunden.
- Weitere Drohnentrümmer nahe der rumänisch-ukrainischen Grenze entdeckt; NATO-Kampfjets alarmiert.
- Weitere Drohnenfragmente in Rumänien im Zuge anhaltender russischer Angriffe auf die ukrainische Hafeninfrastruktur gefunden.
- NATO startet Operation Eastern Sentry zur Stationierung von Elementen der integrierten Luft- und Raketenabwehr in Rumänien nach Drohnenvorfällen in Polen.
- Russische Kamikaze-Drohne Geran-2 trifft ein Wohngebäude in Galați, Rumänien, und verletzt zwei Zivilisten.
Nächste Schritte und militärische Aufrüstung
Der scheidende Premierminister Ilie Bolojan kündigte an, dass Rumänien innerhalb weniger Stunden einen Vertrag zur Sicherung der Drohnenabwehr im Rahmen des EU-Programms SAFE zur Verteidigungsstärkung unterzeichnen werde. Der Bürgermeister von Galați, Ionuț Pucheanu, betonte die Notwendigkeit einer neuen Logik der Vorbereitung und öffentlichen Schulung für solche Vorfälle. Der Angriff hat die Forderungen nach einer schnelleren Lieferung moderner Luftabwehrsysteme an die NATO-Ostflanke und nach maximalem Druck auf Russland zur Beendigung seines Krieges gegen die Ukraine verstärkt.


