
Belgischer Verlag Rossel nimmt exklusive Verhandlungen zur Übernahme der Groupe Sud Ouest auf
Die belgische Mediengruppe Rossel hat exklusive Verhandlungen zur Übernahme eines 80-Prozent-Anteils an der Groupe Sud Ouest von der Familie Lemoîne aufgenommen. Damit entsteht der drittgrößte regionale Pressekonzern Frankreichs mit einem gemeinsamen Umsatz von über 400 Millionen Euro.
Exklusive Verhandlungen und Übernahmebedingungen
Die belgische Mediengruppe Rossel gab am 3. September 2026 bekannt, dass sie über ihre Tochtergesellschaft Rossel France exklusive Verhandlungen zur Übernahme der Groupe Sud Ouest aufgenommen hat. Die geplante Transaktion sieht den Erwerb des rund 80-prozentigen Anteils der Familie Lemoîne vor, der Nachfahren von Jacques Lemoîne, der 1944 die in Bordeaux ansässige Tageszeitung gründete. Nach Angaben einer mit der Sache vertrauten Quelle wird die Übernahme auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Die Entscheidung wurde von den rund 50 Familienaktionären einstimmig gebilligt. Beide Gruppen erklärten, sie strebten den Abschluss der Transaktion noch vor Ende 2026 an, nach formellen Konsultationen mit den Arbeitnehmervertretern.
Dieses Projekt bestätigt unseren Willen, uns nachhaltig in der französischen Medienlandschaft zu etablieren und weiter in sie zu investieren. Die Regionalpresse ist das führende Medium in Frankreich. In einem tiefgreifend veränderten und besonders wettbewerbsintensiven Umfeld ist es unerlässlich, ihr die Mittel zu geben, um zu innovieren, zu investieren und ihre Rolle als lokales Medium weiter zu stärken.
Entstehung des drittgrößten regionalen Medienkonzerns Frankreichs
Die Zusammenführung von Rossel France und der Groupe Sud Ouest wird ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 400 Millionen Euro schaffen. Damit ist das fusionierte Unternehmen der drittgrößte regionale Pressekonzern Frankreichs, hinter SIPA-Ouest-France (525 Millionen Euro Umsatz 2025) und EBRA (479 Millionen Euro). Die kombinierten Titel erreichen schätzungsweise 3,4 Millionen tägliche Printleser sowie ein Publikum von knapp 230 Millionen monatlichen Digitalbesuchen. Der Deal erweitert Rossels Präsenz von Nord- und Ostfrankreich, wo es La Voix du Nord und 20 Minutes betreibt, auf die südwestlichen Regionen von Charente-Maritime bis zur spanischen Grenze.
- SIPA-Ouest-France (2025)
- 525 €M
- EBRA (2025)
- 479 €M
- Rossel France und GSO zusammen
- 400 €M
Finanzlage und jüngste Umstrukturierungen bei GSO
Obwohl die Tochtergesellschaft Sapeso, die die Flaggschiff-Tageszeitung Sud Ouest herausgibt, 2025 ein Defizit verzeichnete, hat die Muttergesellschaft Groupe Sud Ouest zehn Jahre in Folge positive Finanzergebnisse ausgewiesen. Diversifizierte Aktivitäten erwirtschaften derzeit 30 % des Gruppenumsatzes, darunter die Eventmanagement-Firma Côte Ouest, die audiovisuelle Einheit Écrans du Monde und Regionalzeitungen wie Charente Libre und La République des Pyrénées. Die Tageszeitung Sud Ouest, die 2025 laut ACPM/OJD eine tägliche Auflage von 164.000 Exemplaren erzielte, war jedoch von aufeinanderfolgenden Personalabbaumaßnahmen betroffen. Das Blatt strich 2024 81 Stellen und legte 2026 einen Plan für rund 50 freiwillige Abgänge und Nichtnachbesetzungen bis 2028 bei seinen 700 Mitarbeitern vor, darunter 230 Journalisten.
Sie gehört zu den regionalen Tageszeitungen, die am stärksten in ihrer Redaktion abgebaut und damit ihre Fähigkeit zur redaktionellen Erneuerung geschwächt haben.
Rossels weitere Expansion und nächste Schritte
Nach der Transaktion werden die französischen Aktivitäten knapp 50 % des Gesamtumsatzes von Rossel ausmachen. Das 1887 gegründete und im Besitz der Familie Hurbain befindliche Unternehmen Rossel hat seine Position im frankophonen Medienmarkt gefestigt: Es besitzt die belgischen Zeitungen Le Soir und Sudinfo, hält 50-Prozent-Anteile an L'Echo und RTL Belgium und hat eine Fusion mit der IPM-Gruppe abgeschlossen. Gewerkschaftsvertreter der Groupe Sud Ouest wurden noch vor der außerordentlichen Sitzung des Wirtschafts- und Sozialausschusses am Montag, dem 7. September 2026, über die exklusiven Gespräche informiert. Die Gewerkschaften stellten fest, dass die Übernahme angesichts früherer Umstrukturierungsdiskussionen keine Überraschung war.
- Jacques Lemoîne gründet Sud Ouest in Bordeaux
- Sud Ouest baut 81 Stellen im Rahmen der Umstrukturierung ab
- Rossel nimmt exklusive Verhandlungen zur Übernahme eines 80-Prozent-Anteils an der GSO auf
- Außerordentlicher Personalausschuss tritt zusammen, um den Übernahmevorschlag zu prüfen
- Rossel und GSO streben den Abschluss der Transaktion an


