Bundesrichterin blockiert Trumps Briefwahlverordnung landesweit – Exekutive darf Wahlen nicht regulieren
Eine Bundesrichterin in Boston hat der US-Post untersagt, die Briefwahlbeschränkungen von Präsident Donald Trump landesweit umzusetzen, und damit eine frühere einstweilige Verfügung von 23 auf alle 50 Bundesstaaten ausgeweitet – weniger als 90 Tage vor den Zwischenwahlen am 3. November.
Gericht weitet einstweilige Verfügung auf alle 50 Bundesstaaten aus
Die US-Bezirksrichterin Indira Talwani in Boston entschied am 11. August, dass die US-Post keinen Teil der Executive Order von Präsident Donald Trump umsetzen darf, die die Briefwahlregeln für die Zwischenwahlen 2026 verschärft. Die Entscheidung erweitert eine frühere einstweilige Verfügung, die sie am 25. Juni erlassen hatte und die die Kernbestimmungen der Anordnung in 23 überwiegend von Demokraten geführten Bundesstaaten blockierte. Die neue einstweilige Verfügung, die in einer Klage der League of Women Voters und anderer Wahlrechtsgruppen erwirkt wurde, dehnt das Verbot auf alle 50 Bundesstaaten aus. Talwani, die von dem demokratischen Präsidenten Barack Obama nominiert wurde, schrieb, dass die Regierung es bisher abgelehnt habe, die Verfassungsmäßigkeit der Executive Order zu verteidigen.
- Trump unterzeichnet Executive Order zur Verschärfung der Briefwahlregeln und Schaffung einer bundesweiten Wählerliste
- Richterin Talwani erlässt zusammenfassendes Urteil zugunsten der demokratischen Generalstaatsanwälte und blockiert Kernteile der Anordnung in 23 Bundesstaaten
- Trump-Regierung bittet Obersten Gerichtshof, die Entscheidungen der unteren Gerichte zu stoppen, die die Änderungen blockieren
- Richterin Talwani erlässt landesweite einstweilige Verfügung, die der US-Post die Umsetzung der Anordnung in allen 50 Bundesstaaten untersagt
Exekutive hat keine Befugnis, Wahlen zu regulieren
Talwanis Entscheidung stützte sich auf ein verfassungsrechtliches Argument der Gewaltenteilung. Sie schrieb, dass die Wahlregulierung in die Zuständigkeit der Bundesstaaten und des Kongresses fällt, nicht des Präsidenten.
Sie betonte auch die Nähe der Wahl am 3. November und wies darauf hin, dass weniger als 90 Tage vor den Zwischenwahlen verbleiben.Die Exekutive hat keine Befugnis, Wahlen zu regulieren.
Die Richterin sagte, Trumps Anordnung würde Verwirrung stiften und Chaos riskieren, da nicht genügend Zeit bleibe, um die Wähler darüber zu informieren, wie sich die neuen Beschränkungen auf sie auswirken würden.Dass es jetzt weniger als 90 Tage vor den Zwischenwahlen am 3. November 2026 sind, unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer einstweiligen Verfügung, um zu verhindern, dass die Beklagten die Wahlregeln am Vorabend der Wahl ändern.
Was die Anordnung bezweckte
Trump unterzeichnete die Executive Order Ende März, sein zweiter Versuch, nationale Wahlregeln per Dekret festzulegen. Die Anordnung wies die US-Post an, Briefwahlunterlagen nur an Personen zu liefern, die in den von den Bundesstaaten erstellten Wählerverzeichnissen aufgeführt sind. Wenn die Bundesstaaten die neuen Anforderungen nicht erfüllten, hätte die US-Post die Zustellung der Stimmzettel verweigert. Dies hätte die Post von einer Zustellbehörde zu einem Torwächter im Wahlprozess gemacht. Trump hat die Änderungen als Maßnahme zur Verhinderung angeblichen Wahlbetrugs gerechtfertigt, während Kritiker vermuten, dass das Motiv darin besteht, demokratisch orientierte Wähler zu benachteiligen, die Briefwahl häufiger nutzen.
Oberster Gerichtshof um Eingreifen ersucht
Die Trump-Regierung hat den Rechtsstreit bereits vor den Obersten Gerichtshof gebracht. Ende Juli reichte das Justizministerium einen Eilantrag ein, mit dem die Richter gebeten wurden, die Entscheidungen der unteren Gerichte aufzuheben, die die weitreichenden Änderungen in fast der Hälfte des Landes blockiert hatten. Das Urteil vom Dienstag schafft eine zusätzliche rechtliche Hürde, die die Regierung überwinden muss, selbst wenn sie vom Obersten Gerichtshof eine Abhilfe für die frühere einstweilige Verfügung erhält. In Anträgen auf Abweisung der Klagen argumentierte die Regierung, dass den Klägern die Klagebefugnis fehle, dass die Anfechtungen verfrüht seien und dass die Kläger keinen gültigen Anspruch nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz hätten. Stephen Pezzi, ein Anwalt der Trump-Regierung, sagte, die von den Klägern genannten Schäden seien subjektiv, da sich vor der Wahl noch viel ändern könne.
Einsatz für die Kontrolle des Kongresses
Die Zwischenwahlen am 3. November entscheiden über die Kontrolle beider Kammern des Kongresses. Das gesamte Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats stehen zur Wahl. Die Republikaner haben in beiden Kammern knappe Mehrheiten, was bedeutet, dass einzelne Sitze darüber entscheiden könnten, ob die Demokraten zentrale Elemente von Trumps Gesetzgebungsagenda blockieren können. Der Rechtsstreit um die Briefwahl findet vor dem Hintergrund breiterer republikanischer Bemühungen statt, die Wahlverfahren zu verschärfen, darunter ein Gesetzesvorschlag, der einen Staatsbürgerschaftsnachweis für die Stimmabgabe verlangt, obwohl Prüfungen seit 2020 keine Hinweise auf weit verbreiteten Briefwahlbetrug ergeben haben. Die Antwort des Obersten Gerichtshofs auf den Eilantrag der Regierung steht noch aus.

