
Haftbefehl gegen rechtsextremen Agitator Vito Quiles aufgehoben, nachdem er vor Gericht in Madrid erscheint
Eine spanische Richterin hob am Freitag den Haftbefehl auf, nachdem die rechtsextreme Medienfigur vor den Gerichten am Plaza de Castilla erschienen war. Quiles, der zwei Tage lang gesucht wurde, ist nun für den 20. Juli in einem Verleumdungsfall geladen, der einen Finanzbeamten betrifft.
Der Gerichtsauftritt
Vito Quiles betrat am Freitag gegen Mittag das Gerichtsgebäude am Plaza de Castilla in Madrid, begleitet von seinem Anwalt Gonzalo Ospina, und schloss sich formell dem Verfahren als Angeklagter an. Richterin Rosa María Freire vom Ermittlungsgericht Nr. 32 hob den seit dem 1. Juli aktiven Haftbefehl auf und setzte Quiles' Aussage für den 20. Juli um 12:45 Uhr an. Die Richterin warnte, dass jedes weitere unentschuldigte Fernbleiben zu einem neuen Haftbefehl führen könne.
Ich war im Haus meines Anwalts, das einen Pool hat; ich war bei einigen Freunden zu Hause.
Der Agitator hielt eine Pressekonferenz im Gerichtsgebäude ab und beteuerte, er habe das Gericht nie absichtlich gemieden. Er behauptete, als seine Verteidigung versucht habe, früher eine freiwillige Aussage zu arrangieren, habe die Richterin dies abgelehnt. Justizkreise widersprachen dieser Darstellung und erklärten, eine Aussage könne nicht spontan organisiert werden, sondern erfordere eine Vorankündigung, um alle Parteien zu benachrichtigen.
Hintergrund des Falles
Die Ermittlungen gehen auf einen Beitrag zurück, in dem Quiles einen Finanzbeamten mit Namen und Foto identifizierte. Er behauptete, der Beamte sei im Gefängnis gewesen und dank des Eingreifens von Yolanda Díaz freigelassen worden, woraufhin er von der ehemaligen Vizepräsidentin María Jesús Montero als Berater eingestellt worden sei. Der Beamte, seit 1985 im öffentlichen Dienst tätig, erstattete Strafanzeige wegen Verleumdung und bezeichnete die Vorwürfe als falsch.
Quiles war für den 9. Juni und erneut für den 25. Juni zur Aussage geladen worden. Als er an beiden Terminen nicht erschien, erließ Richterin Freire den Haftbefehl und stellte in ihrer Verfügung fest, dass sich der Angeklagte „der Justiz entziehe“. Beamte der Nationalpolizei suchten seine Wohnung und die Büros seines Medienunternehmens EDATV auf, fanden ihn jedoch nicht.
- Erste versäumte Gerichtsvorladung
- Zweite versäumte Gerichtsvorladung
- Haftbefehl von Richterin Freire erlassen
- Quiles erscheint vor Gericht, Haftbefehl aufgehoben
- Quiles soll als Angeklagter um 12:45 Uhr aussagen
Zwei Tage als Flüchtiger mit einer Spöttelei vom Pool aus
Während der 48 Stunden, in denen der Haftbefehl aktiv war, hielt sich Quiles in einer Wohnanlage im exklusiven Viertel Mirasierra auf, neben dem Hauptsitz der staatlichen Bad Bank Sareb. Er postete auf Social Media ein Foto, das das Sareb-Gebäude im Hintergrund zeigte, mit einem sarkastischen Kommentar: „Der Regierung ist heiß. Noch zwei Tage! Wenn ihr an meinen Pool kommen wollt, um euch abzukühlen, seid ihr eingeladen.“
Politische Folgen
Minuten nach der Aufhebung des Haftbefehls verspottete Verkehrsminister Óscar Puente Quiles' Behauptung einer politischen Verschwörung. Er schrieb auf X, das ganze „kleine Drama“ hätte vermieden werden können, wenn Quiles seinen Vorladungen nachgekommen wäre, und nannte es „die Milchverschwörung“. Der Beitrag entfachte den öffentlichen Schlagabtausch zwischen den beiden neu, der seit Tagen schwelte und nun gerichtliche Verfahren mit politischen Botschaften vermischt.
Weitere offene Verfahren
Quiles sieht sich mehreren weiteren rechtlichen Verfahren gegenüber. In Madrid wird er wegen angeblicher Geheimnisverletzung und Belästigung von Beatriz Corredor, der Präsidentin des Netzbetreibers Red Eléctrica, ermittelt. Ein separates Gericht in Sevilla hat ihn wegen angeblicher Verleumdung von Rubén Sánchez, dem Generalsekretär der Verbraucherorganisation Facua, angeklagt.


