Dürre beschleunigt Ernte, belastet Rheinschifffahrt und Tourismus in Rheinland-Pfalz
Trotz besser als erwarteter Ernten setzen Hitze und Niedrigwasser die Kulturen unter Druck, zwingen BASF zum Einsatz zusätzlicher Schiffe und gefährden Hotelschiffe auf dem Rhein.
## Landwirtschaft
Die Ernte in Rheinland-Pfalz fällt besser aus als befürchtet, berichten Bauern- und Winzerverbände, doch das Bild ist uneinheitlich. Hohe Temperaturen beschleunigten die Reifeprozesse und führten zu einer ungewöhnlich frühen und kompakten Ernte. Wintergerste profitierte von der Winterfeuchte und erzielte vielerorts überdurchschnittliche Ergebnisse, auch Raps zählt zu den Gewinnern. Winterweizen zeigt ein gemischtes Bild: Nach einem vielversprechenden Start sorgten Frühjahrsdürre und Hitze während der Kornfüllung in einigen Regionen für Ertragseinbußen.
Mais ist die am stärksten sichtbar gestresste Kulturpflanze, mit Beständen, die von gut entwickelt bis stark geschädigt reichen. Auch nicht bewässerte Kartoffeln leiden, und das Grünland erbrachte vielerorts einen zufriedenstellenden ersten und zweiten Schnitt, während ein dritter Schnitt regional ausblieb. Die Verbände betonen, dass Niederschläge nun entscheidend sind, um weitere Ertrags- und Qualitätsverluste zu begrenzen.
Wein und Obst
Die Reben sind überwiegend noch gesund, aber junge Anpflanzungen sowie flache und steile Weinberge leiden zunehmend unter Trockenstress. In Obstgärten verursachen Sonnenbrand an Äpfeln und Trockenschäden an Pflaumen und Erdbeeren Verluste. Die Winzer blicken gen Himmel: Ohne Regen werden die Schäden größer.
Die hohen Temperaturen beschleunigten die Reifeprozesse und führten zu einer ungewöhnlich frühen und kompakten Ernte.
Schifffahrt und BASF
Für BASF, den größten Arbeitgeber der Region, ist der niedrige Rhein derzeit eine beherrschbare Herausforderung. Das Unternehmen transportiert 40 Prozent seiner Güter am Hauptsitz Ludwigshafen per Schiff. Eine Sprecherin erklärte, die Versorgung mit Rohstoffen und die Lieferungen an Kunden seien gesichert. Bei den aktuellen Wasserständen können alle Schiffe fahren, jedoch keines voll beladen werden, weshalb BASF mehr Schiffe einsetzt, darunter auch Niedrigwasserschiffe.
Vor drei Jahren stellte der Konzern die „Stolt“ vor, ein Transportschiff mit besonders geringem Tiefgang, das nun permanent zwischen Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam und Ludwigshafen verkehrt. In der Vergangenheit führte Niedrigwasser zu temporären Produktionsstopps am Standort. BASF sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Umsetzung der „Abladeoptimierung Mittelrhein“, die sie als das Projekt mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis im Bundesverkehrswegeplan bezeichnet. Das Unternehmen ist Mitunterzeichner des Aktionsplans „Niedrigwasser Rhein“ der Bundesregierung.
Die Versorgung mit Rohstoffen für die Produktion und die Auslieferung an unsere Kunden ist gesichert.
## Tourismus
Die Tourismusbranche des Landes startete mit einem deutlichen Plus ins Jahr 2026. Das Ahrtal verzeichnete den stärksten Anstieg mit 14,6 Prozent mehr Gästen, während Camping- und Wohnmobilstellplätze besonders gefragt waren und um 14 Prozent zulegten. Die meisten Gäste kamen aus Deutschland; unter den ausländischen Gästen waren die größten Gruppen aus den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und Belgien.
- Gäste im Ahrtal
- 14.6 %
- Camping- & Wohnmobilstellplätze
- 14 %
Hotels und Restaurants hoffen auf weiteres Wachstum. Gereon Haumann, Präsident des DEHOGA Rheinland-Pfalz, wies auf das Buchungsverhalten hin.
Wir Deutschen sind Kalendermenschen.
Für Kabinenschiffe hingegen trübt sich der Ausblick ein. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen warnte kürzlich, dass je nach Wetterlage ein Zeitpunkt kommen werde, an dem Hotelschiffe nicht mehr fahren könnten.

