
BayWa sichert Rettung in letzter Minute: Gläubiger verzichten auf Schulden, Aktionäre geben Anteile an Treuhänder, Erneuerbaren-Sparte vollständig abgestoßen
Deutschlands größter Agrarhändler BayWa hat sich mit Gläubigerbanken und seinen beiden Hauptaktionären auf einen neuen Restrukturierungsplan geeinigt, der die Frist zur Schuldenreduzierung um zwei Jahre verlängert und die angeschlagene Tochtergesellschaft BayWa r.e. vollständig abgibt.
Abkommen in letzter Minute verhindert Insolvenz
Vorstand, Gläubigerbanken und die beiden Hauptaktionäre aus der Raiffeisen-Genossenschaftsbewegung erzielten am späten Dienstag, dem 30. Juni, eine grundsätzliche Einigung, die das Überleben des Münchner Konzerns sichert. Der ursprüngliche Restrukturierungsplan, der darauf abzielte, die Schulden bis Ende 2028 um 4 Milliarden Euro zu reduzieren, war gescheitert, nachdem die Tochtergesellschaft für erneuerbare Energien, BayWa r.e., ihre Ziele verfehlt hatte. Der neue Pakt verschiebt die Frist auf Ende 2030 und verlangt von allen Seiten tiefere Zugeständnisse.
Es ist erfreulich, dass eine Einigung erzielt werden konnte. Sie ist das Ergebnis harter Verhandlungen. Dabei war von Anfang an klar: Die genossenschaftlichen Hauptaktionäre stehen hinter BayWa.
- BayWa steht nach einer kreditfinanzierten Expansion unter dem ehemaligen CEO Klaus Josef Lutz am Rande der Insolvenz.
- Vorstand, Gläubigerbanken und Hauptaktionäre erzielen eine grundsätzliche Einigung über ein neues Restrukturierungskonzept.
- Das Management von BayWa r.e. informiert die Mitarbeiter, dass die Tochtergesellschaft bald an einen Transformationspartner übertragen wird.
- Zieldatum für die Umwandlung der grundsätzlichen Einigung in ein formelles Sanierungsabkommen.
- Ursprüngliche Frist für den 4-Milliarden-Euro-Schuldenabbauplan, nun obsolet.
- Geplante Kapitalerhöhung: Die Ankeraktionäre müssen mindestens 220 Millionen Euro einschießen, um ihre treuhänderisch gehaltenen Aktien zurückzuerhalten.
- Neue Frist für das gesamte Restrukturierungsprogramm mit Fokus auf das landwirtschaftliche Kerngeschäft und Baustoffe.
Wie der Schuldenberg angegangen wird
Nach dem neuen Konzept wandeln die Gläubigerbanken finanzielle Verbindlichkeiten von bis zu 700 Millionen Euro in ein nachrangiges Instrument um. Weitere 900 Millionen Euro werden nur in dem Maße zurückgezahlt, wie der Verkauf von BayWa r.e. tatsächlich diesen Betrag erbringt. Bleiben die Erlöse darunter, wird der Restbetrag Teil der nachrangigen Schicht. Einschließlich früherer Vermögensverkäufe hat BayWa seine Gesamtverschuldung bereits um 1,3 Milliarden Euro reduziert, weitere 2,7 Milliarden Euro müssen abgebaut werden.
Die Erneuerbaren-Sparte wird vollständig abgetrennt
BayWa r.e., zu 51 % im Besitz der Muttergesellschaft und zu 49 % des Schweizer Investors EIP, wird an einen sogenannten Transformationspartner übertragen, eine Zweckgesellschaft, die das Geschäft restrukturieren und später verkaufen wird. Die Muttergesellschaft entfernt damit die Tochtergesellschaft und ihre rund 1,3 Milliarden Euro an Aktionärsdarlehen aus ihrer Bilanz. Ursprünglich wurde der Verkaufserlös auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt; das Management geht nun von einem realistischen Preis von knapp 900 Millionen Euro aus. BayWa-r.e.-CEO Hans-Joachim Ziems begrüßte die Trennung und teilte den Führungskräften mit, dass sie dem Unternehmen ermögliche, seine Transformation „unabhängig, ohne Reibungen und Interessenkonflikte mit der BayWa AG und EIP" fortzusetzen.
- Ursprünglicher Plan (2024)
- 1.7 Mrd. €
- Aktuelle Schätzung (2026)
- 0.9 Mrd. €
Aktionäre geben Kontrolle ab – vorerst
Die beiden Ankeraktionäre – die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (36,5 %) und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest (30,6 %) – werden ihre kombinierten 67,1 % an einen Treuhänder übertragen. Die Aktien werden nur zurückgegeben, wenn die Aktionäre bei einer für 2029 geplanten Kapitalerhöhung mindestens 220 Millionen Euro einschießen; andernfalls kann der Treuhänder die Aktien an die Banken verkaufen. Die Besetzung des Aufsichtsrats bleibt vorerst unberührt.
Politische Erleichterung und eine geschrumpfte Zukunft
Die bayerische Landesregierung begrüßte den Deal und hob die Rolle von BayWa in der regionalen Agrarwirtschaft hervor. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nannte den Erhalt des Kerngeschäfts „im zentralen Interesse Bayerns". Das Unternehmen wird sich nun auf den Agrarhandel, Landmaschinen und Baustoffe konzentrieren und gleichzeitig seine Geschäfte mit Heizöl, Pellets und dem Übersee-Obstanbau aufgeben. Analysten erwarten, dass nach der Restrukturierung höchstens ein Drittel der einst 25.000 Mitarbeiter und des Unternehmens mit 24 Milliarden Euro Umsatz übrig bleibt.


