
EU verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen Alibabas AliExpress wegen illegaler und gefährlicher Waren
Die Europäische Kommission verhängte eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro gegen die chinesische E-Commerce-Plattform AliExpress des Konzerns Alibaba, weil diese es versäumt hatte, den Verkauf von gefälschten, unsicheren und illegalen Produkten in ganz Europa zu unterbinden.
Die Geldbuße und ihre Grundlage
Die Europäische Kommission verhängte eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro gegen AliExpress, die E-Commerce-Plattform des chinesischen Konzerns Alibaba, nach dem Gesetz über digitale Dienste (DSA). Die Strafe wurde am Montag bekannt gegeben und ist die dritte Durchsetzungsmaßnahme nach dem Flaggschiff-Gesetz der EU zur Plattformregulierung. Die Kommission stellte fest, dass AliExpress es versäumt hatte, die mit der Verbreitung illegaler und gefälschter Waren verbundenen Risiken ordnungsgemäß zu bewerten und zu mindern. Unsichere Spielzeuge, gefährliche Kosmetika und zahlreiche gefälschte Produkte blieben über längere Zeiträume online.
Das ist sehr gefährlich für Verbraucher und unfair gegenüber Unternehmen, die alle unsere Regeln einhalten.
Die für Technologie zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, Henna Virkkunen, erklärte, dass die Prüfer während der Untersuchung festgestellt hätten, dass die Prüfer von AliExpress nur 20 Sekunden Zeit hatten, um die Legalität jedes Produkteintrags zu überprüfen.
Größe der Plattform in Europa
AliExpress hatte laut Virkkunen im vergangenen Jahr 193 Millionen Nutzer in Europa. Zum Vergleich: Shein zählte 156 Millionen europäische Nutzer und Temu 130 Millionen. Jeder fünfte Europäer gab an, einmal im Monat bei Shein, Temu oder AliExpress einzukaufen, fügte sie hinzu. Die Untersuchung gegen AliExpress begann im März 2024 und untersuchte auch die Transparenz seiner Werbe- und Produktempfehlungssysteme. Mehrere Probleme wurden durch Zusagen behoben, die das chinesische Unternehmen im Juni 2025 akzeptierte.
Vergleiche mit Temu und Shein
Die AliExpress-Geldbuße erfolgt zwei Monate, nachdem die Kommission eine Strafe von 200 Millionen Euro gegen die konkurrierende chinesische Plattform Temu wegen ähnlicher Verstöße verhängt hatte. Virkkunen stellte fest, dass Temu bisher nur wegen der Verletzung seiner Pflicht, seine Plattform angemessen auf illegale Produkte zu überwachen, die in Europa zum Verkauf angeboten werden, für schuldig befunden wurde. Shein wird noch nach dem DSA untersucht, wurde aber noch nicht bestraft. Die Kommission erklärte, sie habe bei der Festsetzung des Betrags für AliExpress die Dauer und Schwere der Verstöße berücksichtigt.
- AliExpress
- 193 Nutzer (Mio.)
- Shein
- 156 Nutzer (Mio.)
- Temu
- 130 Nutzer (Mio.)
Bei der Festsetzung der Geldbuße haben wir die Dauer und Schwere dieser Verstöße berücksichtigt.
Reaktion des Unternehmens und nächste Schritte
AliExpress bezeichnete die Strafe als unverhältnismäßig und kündigte an, Berufung einzulegen. In einer E-Mail-Erklärung teilte das Unternehmen mit, es sei mit der Entscheidung nicht einverstanden und die Geldbuße spiegele weder den bestehenden Compliance-Rahmen noch die bedeutenden und proaktiven Verbesserungen angemessen wider, die es vorgenommen habe. Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen überprüfe die Entscheidung sorgfältig und prüfe alle verfügbaren rechtlichen Optionen. AliExpress hat bis zum 20. Oktober Zeit, Abhilfemaßnahmen vorzuschlagen. Sollte die Kommission im Dezember feststellen, dass diese Vorschläge nicht den DSA-Anforderungen entsprechen, drohen dem Unternehmen weitere Sanktionen.
Wir sind mit der heutigen Entscheidung und der unverhältnismäßigen Geldbuße nicht einverstanden, die den von uns angewandten bestehenden Compliance-Rahmen oder die von uns vorgenommenen bedeutenden und proaktiven Verbesserungen nicht angemessen widerspiegelt.
Durchsetzung des Gesetzes über digitale Dienste
Das DSA verlangt von sehr großen Online-Plattformen, mehr zu tun, um schädliche Inhalte und illegale Produkte zu blockieren. AliExpress wurde im Juni letzten Jahres beschuldigt, die Verpflichtung zur Bewertung und Begrenzung von Risiken im Zusammenhang mit der Verbreitung illegaler Waren nicht eingehalten zu haben. Diese Strafe von 550 Millionen Euro ist die bisher höchste, die nach diesem Gesetz verhängt wurde. Die Kommission hatte im Juni 2025 eine Reihe verbindlicher Zusagen von AliExpress akzeptiert, die Aspekte der Untersuchung lösten, aber die Kernmängel bei der Risikobewertung und Produktsicherheit blieben durch diese Einigung ungelöst.
- EU-Untersuchung gegen AliExpress beginnt
- Kommission klagt AliExpress wegen Nichteinhaltung des DSA an
- AliExpress akzeptiert verbindliche Zusagen und löst mehrere Probleme
- Kommission verhängt Rekordstrafe von 550 Millionen Euro
- Frist für AliExpress zur Vorlage von Abhilfemaßnahmen
- Kommission prüft Einhaltung; zusätzliche Sanktionen möglich

