
Rekordhitzewelle erfasst Deutschland: 41,5°C, zehn Tote, Schienennetz unter Spannung
Ein Wochenende extremer Hitze brach in ganz Deutschland Temperaturrekorde: Mit 41,5°C in Sachsen-Anhalt wurde der heißeste Tag des Landes verzeichnet. Mindestens zehn Menschen starben bei Badeunfällen, und der Bahnverkehr brach unter der Belastung zusammen.
Rekordtemperaturen
Am Freitag registrierte die DWD-Station in Saarbrücken-Burbach 41,3°C – ein vorläufiger deutscher Allzeitrekord. Der Rekord hielt nur einen Tag: Am Samstag brachte derselbe Standort 41,4°C und schließlich 41,5°C in Möckern-Drewitz (Sachsen-Anhalt) um 16:20 Uhr – ein neuer nationaler Höchstwert. An 250 DWD-Stationen wurden Allzeithochs gemessen, 46 Stationen überschritten 40°C. Der bisherige Juni-Rekord (39,6°C im Jahr 2019) wurde ebenfalls gebrochen.
- DWD-Station in Saarbrücken-Burbach verzeichnet 41,3°C – ein vorläufiger deutscher Allzeitrekord.
- Dieselbe Station erreicht 41,4°C und bricht damit den Rekord des Vortages.
- Möckern-Drewitz erreicht 41,5°C und wird damit zum neuen deutschen Temperaturrekord.
- Kubschütz verzeichnet die wärmste Nacht in der deutschen Geschichte mit einem Minimum von 29,4°C.
Die Nacht zum Sonntag brachte keine Erleichterung. Kubschütz in Ostsachsen verzeichnete ein Tief von 29,4°C – die wärmste Nacht seit Beginn der deutschen Wetteraufzeichnungen, weit über dem bisherigen Rekord von 27,2°C aus dem August 2003. In Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) fiel die Temperatur nicht unter 26,9°C.
Badeunfälle mit Todesfolge
Seit Freitag sind mindestens zehn Menschen in Seen und Flüssen in ganz Deutschland ertrunken – die Folge der Suche vieler nach Abkühlung vor der Hitze. Die Unfälle ereigneten sich in Heidelberg, bei Mannheim, in Berlin, in Herne (ein Sechsjähriger), bei Frankfurt, Dortmund, Hannover, am Bodensee, bei Düren und in Düsseldorf. Die Opfer waren zwischen acht und 51 Jahren alt.
Schienennetz unter extremer Belastung
Die Deutsche Bahn und andere Betreiber riefen die Fahrgäste dazu auf, nicht notwendige Reisen zu vermeiden, da die Infrastruktur litt. Am Samstagabend fiel ein durch einen Sturm umgestürzter Baum auf eine Oberleitung in der Prignitz (Brandenburg) und sperrte mehr als 600 Fahrgäste in einem tschechischen Zug ohne Klimaanlage ein. Drei Personen wurden mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus eingeliefert, wie Kreisbrandmeister Christian Reisinger berichtete. In Rheinland-Pfalz kam es zu Verspätungen und Zugausfällen im Regionalverkehr, während in Bayern Blitzeinschläge den Bahnbetrieb vorübergehend einschränkten.
Die Rettungskräfte in vielen Städten waren an ihre Grenzen gestoßen. Die Feuerwehr Essen bewältigte am Samstag rund 440 Einsätze – doppelt so viele wie im Tagesdurchschnitt. In Mainz meldete die Feuerwehr eine ungewöhnlich hohe Zahl hitzebedingter Notfälle und unterstützte ein örtliches Krankenhaus mit Maßnahmen zur Belüftung.
Deutschland ist unzureichend auf aktuelle und zukünftige Hitzewellen vorbereitet.
Brände und drohende Unwetter
Trockene Bedingungen begünstigten mehrere Waldbrände. In der Gohrischheide an der sächsisch-brandenburgischen Grenze flammte ein Feuer auf einem ehemaligen militärischen Übungsgelände, das mit Blindgängern übersät ist, erneut auf und hinderte Einsatzkräfte am Betreten der Zone. Bei Blankenburg im Harz brannten 4,5 Hektar Wald, bekämpft von 120 Kräften und zwei Löschflugzeugen. In Thüringen zog ein sechs Hektar großer Brand auf altem Bergbauland Rauch bis nach Leipzig. In Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) wurde ein ganzes Dorf evakuiert, als ein Waldbrand ein Gebiet mit alten Munitionsresten bedrohte.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte, dass die Hitze am Sonntagnachmittag und in der Nacht zum Montag von schweren Gewittern abgelöst werde, die stündlich Niederschläge von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter (örtlich 60 Liter), großen Hagel und Böen von bis zu 100 km/h bringen. In Belgien stürzte dasselbe Wettersystem nahe La Hulpe einen Baum auf ein Auto und tötete einen Menschen, während Brüsseler Feuerwehrleute auf fast 100 Einsätze wegen umgestürzter Bäume und überfluteter Straßen reagierten.

