
SVP-Nationalrat Lukas Reimann in den Stadtrat von Wil SG gewählt, plant Rückzug aus Bern
SVP-Nationalrat Lukas Reimann hat am 16. August 2026 im zweiten Wahlgang einen Sitz im Stadtrat von Wil (SG) gewonnen und ebnet damit den Weg für seinen Abschied aus Bern nach fast 20 Jahren im Parlament.
Zweiter Wahlgang in Wil
Lukas Reimann (SVP) hat am Sonntag, 16. August 2026, im zweiten Wahlgang einen Sitz im fünfköpfigen Stadtrat von Wil (SG) gewonnen. Er erhielt 3670 Stimmen und besiegte damit Michael Sarbach von den Grünen, der 3201 Stimmen erhielt. Die Wahl war nötig geworden, weil beide Kandidaten für das Stadtpräsidium, Andreas Breitenmoser (Mitte) und Jigme Shitsetsang (FDP), bereits amtierende Stadträte waren – unabhängig davon, wer die Präsidentschaft gewinnen würde, würde ein Stadtratssitz frei. Im ersten Wahlgang Mitte Juni hatte kein Kandidat das absolute Mehr für das Präsidium oder den Stadtratssitz erreicht.
- Breitenmoser (Stadtpräsident)
- 3793 Stimmen
- Shitsetsang (Stadtpräsident)
- 1954 Stimmen
- Reimann (Stadtrat)
- 3670 Stimmen
- Sarbach (Stadtrat)
- 3201 Stimmen
Andreas Breitenmoser gewann das Stadtpräsidium mit 3793 Stimmen gegenüber 1954 für Shitsetsang. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,49 Prozent. Der bisherige Stadtpräsident Hans Mäder (Mitte) war nach rund fünfjähriger Amtszeit zurückgetreten, sein Rücktritt wurde Mitte August wirksam. Der neu zusammengesetzte Stadtrat besteht nun aus zwei FDP-Mitgliedern sowie je einem von Mitte, SP und SVP.
Von Bern in die Lokalpolitik
Der 43-jährige Reimann vertritt den Kanton St. Gallen seit 2007 im Nationalrat, als er im Alter von 25 Jahren zum jüngsten Parlamentarier gewählt wurde. Gegenüber TVO, dem Fernsehen der Ostschweiz, sagte er, er werde an der Septembersession des Parlaments teilnehmen, sein Mandat in Bern werde aber kurz danach enden. Gegenüber watson bestätigte er, dass er bei den nächsten Gesamterneuerungswahlen im Oktober 2027 nicht mehr antreten werde. Wann genau er formell aus dem Nationalrat ausscheiden wird, bleibt unklar; im Wahlkampf liess er den Zeitpunkt offen.
Ich werde noch an der Septembersession teilnehmen, dann wird mein Mandat in Bern sicher bald enden.
Reimann tritt sein neues Amt am Montag, 17. August 2026, an. Der Stadtrat wird sich an seiner nächsten Sitzung am Dienstag neu konstituieren und die Ressorts verteilen, wie das St. Galler Tagblatt berichtet.
- Erster Wahlgang: Kein Kandidat erreicht absolutes Mehr für Stadtpräsidium oder Stadtratssitz
- Zweiter Wahlgang: Reimann in den Stadtrat gewählt, Breitenmoser zum Stadtpräsidenten gewählt
- Reimann tritt Amt an; Stadtrat konstituiert sich neu und verteilt Ressorts
- Reimann plant Teilnahme an der Herbstsession des Parlaments in Bern
- Nächste Gesamterneuerungswahlen; Reimann tritt nicht mehr an
Eine unkonventionelle Karriere
Reimann, von Beruf Anwalt, baute sich den Ruf eines unkonventionellen Politikers auf. Zu seinen Erfolgen zählte er den Vorstoss für Transparenz bei den Nebeneinkünften von Politikern, die Verhinderung eines Minaretts in Wil und die Wiederzulassung von Poker in der Schweiz. Er setzte sich auch für die Rückkehr der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY» und dafür ein, dass im Parlament Schweizerdeutsch gesprochen werden darf. Die NZZ hob sein Engagement für ein Transitverbot von lebenden Schlachttieren durch die Schweiz hervor – eine Haltung, die ihn von typischen SVP-Positionen abhob.
Seit 2014 präsidiert Reimann die Auns (Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz), einen nationalkonservativen Verein. 2022 brach er während einer Debatte im Nationalratssaal in Bern zusammen und musste medizinisch versorgt werden. In der Europa- und Ausländerpolitik blieb er streng auf SVP-Linie.
Wie es weitergeht
Der erste Nachrücker auf der St. Galler SVP-Liste ist Marco Gadient (56), ein Landwirt aus Flums, der Reimanns Sitz im Nationalrat übernehmen würde. Wil mit rund 25'000 Einwohnern (75'000 inklusive Agglomeration) ist eine bemerkenswerte Talentschmiede für die Politik: Neben Reimann stammen auch die Nationalräte Arbër Bullakaj (40, SP) und Barbara Gysi (62, SP) aus der Stadt, und Bundesrätin Karin Keller-Sutter (62, FDP) wohnt dort.


