
Durchsuchungen in Berlin und Frankfurt im Sabotagefall Gazprom Germania
Die Bundesanwaltschaft durchsuchte am Mittwoch Räumlichkeiten in Berlin und Frankfurt. Ermittelt wird ein versuchter Liquidationsplan der deutschen Gazprom-Tochter aus dem Jahr 2022, der die Gasversorgung des Landes stören sollte.
Die Durchsuchungen
Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch Durchsuchungen in Berlin und Frankfurt durchgeführt. Im Rahmen der Ermittlungen zu einem mutmaßlichen Sabotageversuch der deutschen Erdgasversorgung waren die Maßnahmen gegen einen 51-jährigen russischen Staatsbürger gerichtet, dessen Name nicht genannt wurde, sowie gegen eine 52-jährige Frau, die nicht beschuldigt wird. Auch ein nicht näher bezeichnetes Unternehmen in Frankfurt wurde durchsucht. Festnahmen gab es nicht.
Die heutigen Durchsuchungen dienen der Klärung des bestehenden Tatverdachts.
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, Beihilfe zum Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz und Beihilfe zum versuchten verfassungswidrigen Sabotageakt geleistet zu haben. Er hält sich nach Angaben der Ermittler derzeit nicht in Deutschland auf.
Das Manöver von 2022
Im Zentrum der Ermittlungen steht die Gazprom Germania, die ehemalige deutsche Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Ende März 2022, wenige Wochen nach dem groß angelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine, wurde die Einheit an ein in Moskau ansässiges Unternehmen verkauft, das zuvor keine Verbindung zur Energiewirtschaft hatte. Die neuen Eigentümer ordneten umgehend deren Liquidation an, ohne die erforderliche Genehmigung des Bundeswirtschaftsministeriums einzuholen.
Es besteht der Verdacht, dass der Verkauf und die Liquidation darauf abzielten, die Gasversorgung in Deutschland zu beeinträchtigen.
Zu diesem Zeitpunkt hielt die Gazprom Germania mindestens 25 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten und war damit ein kritischer Bestandteil der Energieinfrastruktur des Landes.
- Russland beginnt den groß angelegten Einmarsch in die Ukraine.
- Gazprom Germania wird an ein Moskauer Unternehmen verkauft; neue Eigentümer ordnen ohne Genehmigung die Liquidation an.
- Deutsche Staatsanwälte durchsuchen Immobilien in Berlin und Frankfurt im Sabotagefall.
Staatliches Eingreifen
Der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck griff kurz nach der Liquidationsanordnung ein. Sein Ministerium unterstellte die Gazprom Germania der Treuhandschaft der Bundesnetzagentur und blockierte damit die Auflösung. Die Bundesregierung verstaatlichte das Unternehmen später, das heute unter dem Namen Securing Energy for Europe (Sefe) firmiert.
Die Ermittlungen
Der Generalbundesanwalt Jens Rommel leitet die Untersuchung. Der Vorwurf des verfassungswidrigen Sabotageakts deutet darauf hin, dass die Ermittler die Ereignisse von 2022 als Angriff auf kritische Infrastruktur betrachten. Die Durchsuchungen dienen der Beweissicherung; Festnahmen gab es nicht. Der Fall reiht sich in eine Serie von Spannungen zwischen Deutschland und Russland im Bereich der Energiesicherheit ein, darunter auch die spätere Sabotage der Nord-Stream-Pipelines.


