
Deutschland durchsucht russischen Verdächtigen wegen angeblichen Komplotts von 2022 zur Liquidation einer Gazprom-Tochter und Sabotage der Gasversorgung
Die deutsche Polizei durchsuchte am Mittwoch Objekte in Berlin und Frankfurt. Ermittelt wird gegen einen russischen Staatsbürger, der verdächtigt wird, einen versuchten Zwangsliquidierung der ehemaligen Gazprom-Germania-Tochter und die Beeinträchtigung der Gasversorgung des Landes im Jahr 2022 unterstützt zu haben.
Durchsuchungen in Berlin und Frankfurt
Die deutsche Bundespolizei führte am Mittwochmorgen im Auftrag von Generalbundesanwalt Jens Rommel zeitgleiche Durchsuchungen einer Privatwohnung in Berlin und eines nicht näher bezeichneten Unternehmens in Frankfurt durch. Die Aktion richtet sich gegen einen russischen Staatsbürger, der verdächtigt wird, Anfang 2022 dazu beigetragen zu haben, die Gasversorgung Deutschlands zu untergraben. Festnahmen gab es nicht; die Durchsuchungen sind Teil laufender Bemühungen, Beweise zu sichern und die bestehenden Verdachtsmomente zu klären, so die Behörde.
Die heutigen Durchsuchungen dienen der Klärung der bestehenden Verdachtsmomente.
Der Sabotageversuch von 2022
Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Ereignisse, die sich nur wenige Wochen nach dem groß angelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 abspielten. Ende März 2022 verkaufte die Muttergesellschaft Gazprom ihre deutsche Tochter Gazprom Germania GmbH über eine Reihe indirekter Transaktionen. Käufer war ein in Moskau ansässiges Unternehmen ohne vorherige Verbindung zum Energiesektor. Unmittelbar nach dem Verkauf ordneten die neuen Eigentümer die Liquidation der Einheit an, die damals über mindestens 25 Prozent der deutschen Erdgasspeicherkapazitäten verfügte.
Es besteht der Verdacht, dass der Verkauf und die Liquidation dazu bestimmt waren, die Gasversorgung in Deutschland zu stören.
Die Liquidationsanordnung wurde ohne die erforderliche Genehmigung des Bundesministeriums für Wirtschaft erlassen, ein Verstoß gegen Investitionsvorschriften des Außenwirtschaftsgesetzes. Der russische Verdächtige wird beschuldigt, die Umsetzung dieser Anordnung aktiv unterstützt zu haben, wissend, dass ihr Ziel die Schädigung der deutschen Energiesicherheit war.
- Russland beginnt den groß angelegten Einmarsch in die Ukraine.
- Gazprom verkauft Germania-Tochter an Moskauer Firma; neue Eigentümer ordnen sofort Liquidation ohne Ministeriumsgenehmigung an.
- Bundesregierung stellt Gazprom Germania unter Treuhandschaft der Bundesnetzagentur und blockiert Liquidation.
Regierungseingriff und Folgen
Der Versuch wurde vereitelt, bevor er wirksam werden konnte. Anfang April 2022 stellte der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck die Gazprom Germania unter die vorläufige Treuhandschaft der Bundesnetzagentur. Die Regierung erklärte das Unternehmen als „von überragender Bedeutung“ für den Erdgashandel, -transport und die -speicherung.
Es war damals notwendig, die Treuhandschaft einzurichten, um die Sicherheit der Energieversorgung zu gewährleisten.
Später verstaatlichte die Bundesregierung das Unternehmen vollständig und benannte es in Securing Energy for Europe (Sefe) um. Die Episode spielte sich im Kontext einer breiteren Energiekrise ab: Moskau stellte Monate später seine restlichen Gaslieferungen nach Deutschland ein, und Unterwasserexplosionen beschädigten die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee, die gebaut wurden, um russisches Gas nordwärts zu transportieren.
Breiteres Muster von Bedrohungen
Die Durchsuchungen sind Teil einer erhöhten Alarmbereitschaft in Deutschland angesichts hybrider Bedrohungen aus Russland, darunter Sabotage und Spionage. In den vergangenen Monaten haben die deutschen Behörden mehrere Personen festgenommen, die verdächtigt werden, von Deutschland aus für Russland spioniert zu haben. Ein neues Gemeinsames Zentrum zur Abwehr Hybrider Bedrohungen nahm nur wenige Tage vor den Durchsuchungen seine Arbeit in Berlin auf, was die wachsende Besorgnis der Sicherheitsbehörden widerspiegelt.


