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Wirtschaft·vor 3 Std.

Ravensburger übernimmt 60-Prozent-Anteil an Steiff und belässt Plüschtier-Ikone in Eigenständigkeit – während es eigene Ertragsschwäche bekämpft

Der Spiele- und Puzzle-Riese erwirbt 60 Prozent der Margarete Steiff GmbH von der Gründerfamilie und belässt die Premium-Plüschtiermarke an ihrem Standort in Giengen an der Brenz. Der Schritt erfolgt, während Ravensburger mit einem Umsatzrückgang und einem Kostensenkungsprogramm kämpft.

Zwei der traditionsreichsten Spielzeugmarken Deutschlands sind nun unter einem Dach. Am 17. Juni gab Ravensburger, der in Ravensburg ansässige Hersteller von Brettspielen und Puzzles, die Übernahme einer 60-Prozent-Mehrheit an der Margarete Steiff GmbH bekannt, dem 146 Jahre alten Hersteller von Luxus-Plüschtieren. Verkäuferin ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, eine Beteiligungsgesellschaft der Erben von Gründerin Margarete Steiff. Beide Firmen betonten, dass Steiff weiterhin eigenständig von seinem historischen Sitz in Giengen an der Brenz aus geführt werde; die Geschäftsführer Frank Rheinboldt und Frederik Reimann bleiben im Amt.

Die Details der Transaktion

Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Das Geschäft steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.

Für uns war entscheidend, Steiff in verantwortungsvolle, unternehmerische Hände zu geben, die die Marke, ihre Werte und ihre Geschichte verstehen und respektieren.

Ravensburger-CEO Clemens Maier sagte, sein Unternehmen sei von der Vision des Gründers Otto Maier von „Spielsachen für Kopf, Hand und Herz“ inspiriert, und Steiff stehe „in besonderer Weise für das Herz.“

Warum jetzt: Ravensburgers Ertragsproblem

In einem internen Mitarbeiterbrief äußerte sich Maier offen zur finanziellen Lage des Konzerns.

Wir haben ein Ertragsproblem, kein Liquiditätsproblem. Das heißt, wir haben ausreichend finanzielle Mittel und Reserven, aber operativ verdienen wir zu wenig Geld mit unserem Geschäft.

Der Umsatz sank von einem Rekordwert von 790 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 742 Millionen Euro im Jahr 2025, vor allem weil der Sammelkarten-Hype um „Disney Lorcana“ nachließ. Zwar wuchs das Kerngeschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern, doch konnte es den Rückgang nicht ausgleichen. Gleichzeitig steigen die Kostendrucke entlang der Wertschöpfungskette. Ravensburger hat ein Restrukturierungsprogramm mit drei Schwerpunkten gestartet: Verbesserung der Kostenstruktur, stärkere Skalierbarkeit des Geschäfts und Stärkung des Wachstums.

Umsatzrückgang bei Ravensburger · Mio. €
2024
790 Mio. €
2025
742 Mio. €

Was der Deal für Mitarbeiter und Strategie bedeutet

Für die rund 2.500 Beschäftigten von Ravensburger – in Ravensburg und an einem Standort in Tschechien – ändert sich zunächst nichts.

Zunächst bleibt alles so, wie es ist.

Maiers Schreiben zufolge entsteht durch die Übernahme keine zusätzliche Arbeitsbelastung; das Unternehmen werde „mittelfristig prüfen, ob und wo sich sinnvolle Kooperationsmöglichkeiten ergeben.“ Im Rahmen der Kostenmaßnahmen sei ein niedriger zweistelliger Stellenabbau bereits geplant. Die Steiff-Investition soll der Wachstumssäule dienen, die Erlösbasis des Konzerns erweitern und den Zugang zu einer Marke verschaffen, die, wie Maier meint, Verbraucher „deutlich besser und früher“ erreichen kann. Die Markenberaterin Tabea Höllger merkte an, dass nur wenige Marken von Geburt an so viel Emotion aufbauen könnten, was Steiff einen seltenen Vorteil gegenüber Konkurrenten verschaffe, die warten müssten, bis die Kinder älter seien.

Steiffs langfristige Zukunft

Die Gründerfamilie erklärte, der Verkauf an Ravensburger lege den Kurs für Steiffs langfristige Zukunft fest. Steiff-Geschäftsführer Frank Rheinboldt erwartet, dass die Partnerschaft die Marke langfristig weiterentwickle, gezielt internationale Potenziale nutze und Tradition mit neuen Impulsen für die Zukunft verbinde. Beide Unternehmen wollen die Eigenständigkeit der Marke und den Standort Giengen erhalten. Die Integration der Produktportfolios und mögliche Synergien würden in den kommenden Monaten geprüft.

Ravensburg · Giengen an der Brenz

8 Quellen

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