
Rai-Spitzen bereiten Versetzung von Report-Moderator Sigfrido Ranucci nach Prüfung durch Ethikkommission vor
Die Rai-Führung traf sich am 25. August, um drei Versetzungsvorschläge für den Investigativjournalisten Sigfrido Ranucci zu prüfen, nach einer internen ethischen Prüfung im Zusammenhang mit dem Fall Valter Lavitola.
Rai-Führung berät über Versetzungsoptionen
Am 25. August 2026 traf sich Rai-CEO Giampaolo Rossi in Rom mit dem Direktor für Rechtsangelegenheiten Francesco Spadafora und dem Personaldirektor Felice Ventura, um den unternehmensinternen Weg für Sigfrido Ranucci festzulegen. Die Geschäftsführung prüft drei alternative Positionen im Rahmen des Tarifvertrags, um Ranucci von der Moderation des investigativen Rai-3-Programms Report abzuziehen. Die möglichen Posten würden Ranucci zurück in eine operative oder ad-personam-Rolle innerhalb einer journalistischen Redaktion bringen, beispielsweise bei RaiNews24, wo er bereits zwischen 1999 und 2006 als Sonderkorrespondent tätig war. Die interne Prüfung folgt auf eine Stellungnahme der unternehmenseigenen Ethikkommission, die am 13. August als Verschlusssache ausschließlich Rossi übergeben wurde. Rossi forderte zusätzliche Bewertungen zu möglichen Reputationsschäden an, nachdem Valter Lavitola gestanden hatte, im Oktober einen Bombenanschlag vor Ranuccis Wohnhaus angeordnet zu haben.
Ranucci lehnt Degradierung bei Auftritt in Cerveteri ab
Am 25. August erklärte Ranucci bei einer Veranstaltung in Cerveteri zur Präsentation seiner Sendung Diario di un trapezista, dass die Rai-Führung offenbar entschlossen sei, ihn von dem von ihm geleiteten Programm zu entfernen. Er wies Vorschläge zurück, an die Ausbildungsschule des Senders zu wechseln, und argumentierte, dass es wenig operativen Sinn ergebe, Investigativjournalisten auszubilden, nur um sie dann kaltzustellen. Ranucci betonte, dass er seit 35 Jahren beim öffentlich-rechtlichen Sender arbeite, zunächst als Produktionsassistent ohne politische oder gewerkschaftliche Förderer. Er erinnerte an frühere Versuche, ihn zu entlassen – im Jahr 2000 nach der Beschaffung eines Interviews mit Paolo Borsellino, 2005 wegen seiner Berichterstattung über Falludscha und später im Zuge der Autogrill-Kontroverse. Bezüglich Lavitola erklärte Ranucci, dass er ausschließlich den mit dem Fall befassten Staatsanwälten vollumfängliche Erklärungen abgeben werde.
Ich bin bei Rai geboren und mein Traum wäre es gewesen, bei Rai zu enden, weiterhin zu moderieren und vor allem ein Team weiterzuentwickeln, das bereits wichtige Qualitäten besitzt.
Rechtliche Verteidigung und zukünftiges Format von Report
Ranuccis Anwalt Roberto De Vita bezeichnete die Unternehmensschritte und die anhaltende Überprüfung als eine ungerechtfertigte Offensive, die nicht einmal vor gerichtlichen Feststellungen Halt mache. De Vita argumentierte, dass der öffentlich-rechtliche Sender die Pflicht habe, seine Journalisten zu schützen, um seinen demokratischen öffentlich-rechtlichen Auftrag zu wahren. Innerhalb des Senders sehen die Programmpläne vor, Report ab November 2026 auf Rai 3 auszustrahlen. Die Senderführung erwägt eine Umstrukturierung des Formats hin zu einem internen kollektiven Modell ohne einzelne offizielle Moderation, bei dem sich Investigativreporter in der Einführung der Beiträge abwechseln. Als potenzielle Nachfolger wurden in internen Gesprächen der Presadiretta-Moderator Riccardo Iacona, die Belve-Moderatorin Francesca Fagnani sowie die Report-Korrespondenten Giorgio Mottola und Federico Ruffo genannt.
Wenn der Schuldige von der tatsächlichen Schuld getrennt wird, hat die Wahrheit bereits der Verfolgung Platz gemacht.
Europäische Prüfung und regulatorischer Kontext
Der Streit um Report hat auch die regulatorischen Kanäle der Europäischen Union erreicht. Die Partei Fratelli d'Italia reichte ein formelles Schreiben an die Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Henna Virkkunen, ein und forderte eine Prüfung, ob das Rai-3-Programm im Rahmen des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes die redaktionelle Ausgewogenheit wahrt. Ein Sprecher der Europäischen Kommission bestätigte den Eingang des Schreibens und erklärte, dass die EU-Exekutive sich nicht zu einzelnen redaktionellen Fällen äußere, jedoch darauf hinwies, dass die Entwicklungen im Rahmen ihrer Rechtsstaatlichkeitsberichte beobachtet würden. Rai-Spitzen erwarten, ihr formelles Angebot an Ranucci innerhalb weniger Tage abzuschließen, um mögliche arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen bezüglich seines ad-personam-Titels als stellvertretender Direktor zu vermeiden.
- Ranucci arbeitet als Sonderkorrespondent bei RaiNews24
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